„Keine Diskussion zu Verkehrswende“: Helmut Papenberg wirft frustriert hin

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In Sachen Verkehrswende ist in Unna nichts passiert – mit dieser Botschaft verabschiedet sich Unnas ADFC-Ortsgruppensprecher Helmut Papenberg aus dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Mobilität. © Sebastian Smulka (Archiv)
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Helmut Papenberg ist Mitglied des ADFC Unna und gilt als kompetenter Ansprechpartner, wenn es ums Radfahren geht. Er gehörte dem Beirat Fahrrad an, dessen Auflösung vor zwei Jahren beschlossen wurde – „auch mit Zustimmung des ADFC“, wie Papenberg in einem Schreiben an den Ausschussvorsitzenden Rudolf Fröhlich (CDU) erklärt.

„Dieser Beirat war weder ein echtes Beratungsgremium, in dem fachkompetent über die besten Lösungen zum Radverkehr in unserer Stadt gerungen wurde, noch hatte er wirkliche Entscheidungskompetenz. Außerdem ist immer deutlicher geworden, dass eine Verkehrswende alle Verkehrsteilnehmer und ihren Beitrag zum Klimaschutz im Auge haben muss“, erinnert sich Papenberg.

Die Hoffnungen lagen nach der Auflösung des Gremiums auf dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Mobilität. Dort sollten Lösungen für die Verkehrsprobleme in Unna ebenso wie zur CO2-Reduktion gesucht und gefunden werden.

Papenberg zieht ernüchternde Bilanz

Papenberg zieht kurz vor der elften Sitzung des Ausschusses eine ernüchternde Bilanz: „Über die vergangenen fast zwei Jahre sind Mobilitätsfragen kaum angesprochen oder diskutiert, geschweige denn entschieden worden. Es hat bis heute keine grundsätzliche Diskussion darüber gegeben, was der Stadtrat unter einer Verkehrswende versteht“, erklärt Papenberg. So seien auch dem Gutachter, der ein Mobilitätskonzept erarbeiten soll, keine Vorgaben gemacht worden, wo es eigentlich in dieser Frage hingehen soll.

Der Fahrradverkehr sei weiter kein zentrales Thema und werde nicht unterstützt, macht Papenberg deutlich: „Vor sechs Jahren wurde das Zielnetz Radverkehr verabschiedet mit der klaren Vorgabe, den Anteil des Radverkehrs von 11 Prozent auf 25 Prozent zu erhöhen. Außer dass die Platanenallee zur Fahrradstraße deklariert wurde, ist nur wenig geschehen.“

Auch das Maßnahmenpaket Radausbauprogramm werde Unna kein durchgängiges Netz geschützter Radverbindungen bringen. Dies sei aber die Voraussetzung dafür, dass mehr Menschen aufs Rad umsteigen. „Den Fahrradanteil von 25 Prozent am Gesamtverkehr wird man so in drei Jahren nicht erreichen“, prognostiziert der ADFC-Mann, der zuletzt im Februar öffentlich Kritik geübt hatte.

Heute sagt Papenberg: „Mein stiller oder lauter Protest hat nicht dazu geführt, dass die Probleme von Mobilität in unserer Stadt intensiver angegangen wurden. Vielmehr musste ich feststellen, dass gerade in letzter Zeit dem Radverkehr immer wieder Hindernisse in den Weg gelegt wurden. So sehe ich keinen Sinn mehr in meiner Mitgliedschaft in diesem Ausschuss und verabschiede mich gleichzeitig in einen Fahrradurlaub, der mich in den nächsten Tagen nach Kopenhagen bringen wird, um mir dort die Verkehrswende in der Praxis genauer anzusehen.“