Das Kapitel „Massen III/IV“ endet: Kreis-Umweltderzenent Ludwig Holzbeck und Dr. Michael Gass vom Verband AAV erläuterten das Altlastensanierungsprojekt. © Udo Hennes
Altlasten

Viele Bilder und Video: Abschluss der Giftsanierung in Massen-Nord – Straße bald frei

Unnas größtes Altlastensanierungsprojekt nähert sich dem Abschluss. Bald blockiert es auch nicht mehr den Verkehr in Massen-Nord. Das Grundwasser muss aber weiterhin untersucht werden.

Für einen Millionenbetrag wurde in den vergangenen zwei Jahren giftbelasteter Boden vom früheren Zechengelände in Massen-Nord entfernt. Das Projekt steht kurz vor dem Abschluss.

„Die Quelle für eine erhebliche Belastung des Grundwassers ist jetzt beseitigt“, erklärte Kreis-Umweltdezernent Ludwig Holzbeck am Mittwoch in Massen. Die Ursprünge der Belastung liegen fast 100 Jahre zurück: Rückstände aus der Kokerei der Zeche Massen III/IV wurden bis 1925 auf der Fläche verklappt. Heute weiß man, dass diese Altlasten hoch problematisch sind. Einige der Giftstoffe gelten als krebserregend.

Video

Abschluss der Altlastensanierung in Massen

Kreis: Keine Gefahr für Menschen

Problematisch seien diese für Menschen im Umfeld aber nie gewesen, sagte Holzbeck. Die belasteten Erdschichten sind die Überreste eines zugeschütteten Klärteichs gewesen – in mehreren Metern Tiefe. Gutachter hätten bestätigt, dass es weder Ausgasungen noch Verwehungen gegeben habe.

Ablauf und Kennzahlen

Die Altlastensanierung „Massen III/IV“

  • Nach mehreren Jahren Vorplanung begann Phase 1 der Sanierung im Mai 2018. In der Fläche vor der Betriebshalle wurde mit mehreren 100 Bohrungen belasteter Boden ausgehoben.
  • Belastet war der Untergrund vor allem mit Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). Landläufig Teeröl genannt, sind diese Stoffe ein typisches Abfallprodukt von Kokereien.
  • Phase 2 begann im Februar 2020 mit dem Abriss der Betriebshalle. In einer drei Meter tiefen Baugrube, die die Hälfte der Dortmunder Straße einschloss, wurden rund 500 Bohrungen mit zwei Metern Durchmesser gesetzt.
  • Aus einer Tiefe von bis zu sechs Metern wurden fast 23.000 Tonnen Erde entnommen. 2700 Tonnen waren stark PAK-belastet, der Rest geringer.
  • Die Baumaßnahme hat 6,5 Millionen Euro gekostet, wovon der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung den Löwenanteil übernimmt. Der Kreis Unna zahlt 760.000 Euro.

Der Auslöser für die Sanierung war vielmehr die Erkenntnis gewesen, dass durch den Klärteich das Grundwasser belastet wurde. Schadstoffhaltiges Wasser strömte nach Norden in Richtung eines Pumpwerks, wo es mit dem restlichen Grundwasser gehoben und letztlich zur Kläranlage geleitet wurde. Die Schadstoffe würden beim Klärvorgang unschädlich gemacht, so Holzbeck. Trotzdem sollte die Quelle des Übels nun endlich ausgemerzt werden.

Grundwasser wird weiter überwacht

Der giftbelastete Boden wurde nicht ausgebaggert, sondern mit einem Großbohrgerät quasi ausgestanzt. Das ausgebohrte Material wurde je nach Grad der Belastung zu Deponien gebracht. Analysen während der Bauphase hätten die Prognosen bestätigt, dass die Belastungen teils massiv waren.

Der Bodenaustausch ist nun erledigt, man vermutet aber noch immer belastetes Wasser in der Tiefe zwischen der Sanierungsfläche und dem Pumpwerk. Das Grundwasser soll nun weiter analysiert werden, vermutlich noch für einige Jahre, da es sehr langsam fließt. Die Untersuchungen sollen ergeben, ob eventuell weitere Sanierungsmaßnahmen zwischen Schrottplatzfläche und Pumpwerk nötig werden.

Fotostrecke

Abschluss der Sanierung von Massen III/IV

Gewerbefläche und Straße bald wiederhergestellt

Die Baufirma, die das Projekt planmäßig und ohne Komplikationen über die Bühne gebracht hat, hinterlässt nun eine giftfreie Fläche, die geschottert und asphaltiert wird. Die Autoverwertungsfirma, die ihren Betrieb erheblich einschränken musste und eine 100 Meter lange Firmenhalle verlor, kann sich in Kürze wieder ausbreiten.

Die seit Ostern dieses Jahres gesperrte Dortmunder Straße soll ab Ende September wieder befahrbar sein.

Über den Autor
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf
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