Seit dem 11. Januar befinden sich die Schulen im Distanzunterricht - Wernes Schuldezernent zieht ein Zwischenfazit. © dpa
Bildung

Unterricht auf Distanz: An Unnas weiterführenden Schulen ist Routine eingekehrt

Seit Mitte Dezember läuft Unterricht größtenteils wieder auf Distanz. An Unnas weiterführenden Schulen hat sich eine gewisse Routine eingestellt - auch wenn die Ansätze unterschiedlich sind.

Unterricht nach normalem Stundenplan, komplett als Videokonferenz: Am Pestalozzi-Gymnasium Unna ist das mittlerweile Alltag für die Lehrer und Schüler. Alle Jahrgangsstufen werden in allen Fächern per Video-Chat mit dem Microsoft-Programm „Teams“ unterrichtet. Nicht alle weiterführenden Schulen in Unna gehen diesen Weg so konsequent – aus gutem Grund.

An der Hellweg-Realschule hat man sich bewusst für eine Mischung aus drei Arten von Distanz-Unterricht entschieden, sagt Schulleiterin Sabine Terwort.

„Wir haben uns gegen einen 100-prozentigen Video-Unterricht entschieden, weil sechs Stunden Videokonferenzen am Stück die Schüler überfordern würden. Das merkt man ja auch als Erwachsener, dass das sehr anstrengend ist.“

Sabine Terwort, Leiterin der Hellweg-Realschule

„Mindestens 50 Prozent des Unterrichts finden im digitalen Klassenzimmer statt, also auch als Videounterricht. Wir haben uns gegen einen 100-prozentigen Video-Unterricht entschieden, weil sechs Stunden Videokonferenzen am Stück die Schüler überfordern würden. Das merkt man ja auch als Erwachsener, dass das sehr anstrengend ist“, erklärt Terwort.

Schüler bekommen Übersicht der geplanten Videokonferenzen

Neben dem Video-Unterricht gibt es an der Hellweg-Realschule auch bewusst Unterrichtsblöcke, in denen die Schüler Aufgaben bearbeiten, die ihnen über die Schul-eigene Kommunikationsplattform „EduPage“ von den Lehrern gestellt werden. „Darüber hinaus machen wir auch Videostunden, in denen die Schüler eine Aufgabe bekommen und dann selbst entscheiden, ob sie während der Bearbeitungszeit im Chat bleiben oder rausgehen. Wir versuchen einfach, eine gesunde Mischung hinzubekommen“, sagt Sabine Terwort.

Ganz wesentlicher Bestandteil des Distanzunterrichts an der Realschule ist zudem der Plan, den die Schüler am Sonntagabend von ihren Lehrern bekommen. Der Plan listet für die kommende Woche auf, wann in welchem Fach Videokonferenzen angesetzt sind. „Das ist gerade für Familien, in denen mehrere Kinder jetzt im Distanzunterricht sind, enorm wichtig, um das planen zu können“, weiß Terwort.

Über das Programm „EduPage“ läuft an der Hellweg-Realschule schon seit einigen Monaten die Planung des Unterrichts - auch auf Distanz.
Über das Programm „EduPage“ läuft an der Hellweg-Realschule schon seit einigen Monaten die Planung des Unterrichts – auch auf Distanz. © Anna Gemünd © Anna Gemünd

Die Mischung aus Videokonferenzen und Eigenarbeit bestimmt auch den Distanzunterricht an der Peter-Weiss-Gesamtschule (PWG). „Wir machen regemäßig Umfragen unter unseren Schülern, um möglichst viel Feedback zu unserem Konzept zu bekommen“, sagt Schulleiterin Gabriele Sowka. 88 Prozent der Schüler gaben bei der aktuellen Umfrage an, mit dem Distanzunterricht an der PWG zufrieden zu sein.

Nicht alle Schüler werden über den Distanzunterricht erreicht

Sowka macht aber auch keinen Hehl daraus, dass es nach wie vor Schüler gibt, die im Distanzunterricht nicht erreicht werden. 36 sind es an ihrer Schule derzeit, die aus verschiedenen Gründen nicht am Digitalunterricht teilnehmen. „Um da zu klären, woran das liegt, sind unsere Sozialarbeiter unterwegs und fahren zu den Schülern nach Hause“, betont Sowka, dass diese Schüler nicht vergessen werden.

„Über Videokonferenzen bleibt der Kontakt erhalten und der Tag bekommt eine Struktur; das ist gerade für die jüngeren Schüler sehr wichtig.“

Ulrich Schmitz, Leiter des Ernst-Barlach-Gymnasiums

Fehlen die technischen Voraussetzungen für den Digitalunterricht, bringen die Sozialarbeiter Arbeitsblätter vorbei.

Am Ernst-Barlach-Gymnasium (EBG) haben sich nach einigen Wochen Distanzunterricht verschiedene Modelle für die Sekundarstufen I und II eingespielt. Bei den jüngeren Schülern in der Sekundarstufe I beginnt jede Unterrichtsstunde mit einer Videokonferenz, anschließend erfolgt die Bearbeitung der Aufgaben individuell oder in digitalen Gruppenräumen.

Der nächste Schritt
  • Alle weiterführenden Schulen in Unna arbeiten mittlerweile mit dem Microsoft-Programm „Teams“, um mit ihren Schülern zu kommunizieren und auf Distanz zu unterrichten. Die vielen Möglichkeiten, die das Programm anbietet, können aber gerade jüngere Schüler auch überfordern.
  • An der Werner-von-Siemens-Gesamtschule in Königsborn wird daher gerade ein System getestet, das dies vereinfacht. „AixConecpt“ reduziert die Oberfläche der Microsoft-Programme auf wenige, großformatige Kacheln, aus denen sofort ersichtlich wird, wie man sie nutzen kann.
  • Das komplett Cloud-basierte System ist auf Schulen abgestimmt und braucht keinen eigenen Server im Schulgebäude. Nach der Gesamtschule in Königsborn soll auch die Hellweg-Realschule dieses System testen – möglicherweise wird es dann für alle weiterführenden Schulen in Unna angeschafft.
  • An der Königsborner Gesamtschule läuft vieles auch über die App „Untis“, mit der die Schule bereits seit Jahren ihren Stundenplan erstellt. Jetzt wird „Untis“ auch genutzt, um mit den Schülern in Kontakt zu bleiben und Hausaufgaben einzustellen.
  • „Insgesamt bewegen wir uns sehr dynamisch durch den Distanzunterricht“, sagt der kommissarische Schulleiter Ludger Kloer. „Es ist den Kollegen freigestellt, wie sie ihren Unterricht gestalten, ob überwiegend mit Videokonferenzen oder auch mit Einzel-Lernphasen.
  • Das Konzept, nach dem aktuell an der Werner-von-Siemens-Gesamtschule auf Distanz unterrichtet wird, ist auch unter Beteiligung von Schülern entstanden. „Wir haben dazu eine Umfrage am Ende des ersten Lockdowns gemacht und Eltern und Schüler gefragt, wie ihrer Meinung nach guter Distanzunterricht aussehen soll.“

„Wenn ein neues Thema eingeführt wird, bietet es sich an, die komplette Stunde als Videokonferenz zu machen“, sagt Schulleiter Ulrich Schmitz, „aber wir haben uns bewusst dazu entschieden, nicht jede Stunde als Videokonferenz anzulegen.“

Rückmeldungen von Eltern sind positiv

Das Zusammenkommen im digitalen Raum zu Beginn einer neuen Stunde hält Schmitz aber für wichtig: „So bleibt der Kontakt erhalten und der Tag bekommt eine Struktur; das ist gerade für die jüngeren Schüler sehr wichtig.“ Die älteren Schüler der Sekundarstufe II arbeiten in den Fächern, die als Einzelstunden unterrichtet werden, alleine und kommen nur für die Doppelstunden zu Videokonferenzen zusammen. Was Schmitz besonders freut: „Wir bekommen ungefragt Rückmeldungen von Eltern, dass sie unseren Weg sehr gut finden.“

Schon Fünftklässler sind geübt in Videokonferenzen

Seit Oktober gibt es am Geschwister-Scholl-Gymnasium (GSG) ein Distanzunterricht-Konzept für verschiedene Szenarien; eines für den Fall, dass Schüler in individuelle Quarantäne müssen und eines für den Fall, dass die gesamte Schule längerfristig geschlossen ist. Letztes ist mit dem aktuellen Lockdown seit Mitte Dezember der Fall – und am GSG ist schon eine gewisse Routine mit dem Unterricht auf Distanz eingekehrt.

„Das merkt man selbst schon bei den Fünftklässlern, dass sie immer geübter darin werden. Sie erwerben gerade digitale Kompetenzen in einer rasenden Geschwindigkeit“, sagt Schulleiterin Stephanie Friske.

Lehrerin bietet Beratung für Eltern und Schüler an

Mindestens einmal in der Woche haben alle Schüler am GSG eine Videokonferenz; technische Unterstützung gibt es von der Schulverwaltungsassistentin. „Das geht ganz schnell, dass beispielsweise die jüngeren Schüler ihr Passwort für Teams vergessen und da kann sie dann schnell helfen“, schildert Friske das Angebot. Eltern und Schüler, den alles über den Kopf wächst, finden darüber hinaus bei einer Lehrerin Hilfe. „Die Kollegin ist selbst Mutter von zwei Kindern, die gerade im Distanzunterricht sind, und kennt daher beide Seiten.“

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Sauerländerin, Jahrgang 1986. Dorfkind. Liebt tolle Geschichten, spannende Menschen und Großbritannien. Am liebsten draußen unterwegs und nah am Geschehen.
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Anna Gemünd

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