Ende der Blütenpracht: Spaziergänger kritisiert radikalen Senseneinsatz

dzBimbergtal Unna

Was insektenfreundliche Blühflächen angeht, ist die öffentliche Hand inzwischen schon hier und da Vorbild. Im Bimbergtal leider nicht. Dort gilt radikales Mähen als unvermeidlich – aus tierischen Gründen.

Unna

, 23.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unkraut auch mal wachsen lassen, nicht alles so akkurat kurz halten, Wildpflanzen das Blühen ermöglichen: Diese Appelle begegnen Gärtnern inzwischen an vielen Stellen. Spätestens seit dem Bekanntwerden des massiven Insektensterbens soll Wildnis mehr Chancen bekommen. Warum wird dann im Bimbergtal alles kahl geschnitten?

Dieser Flieder blüht noch am Rand des Hochwasserrückhaltebeckens Bimberghof - zur Freude von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen. Direkt daneben aber ist alles kurzgeschoren.

Dieser Flieder blüht noch am Rand des Hochwasserrückhaltebeckens Bimberghof - zur Freude von Bienen, Hummeln und Schmetterlingen. Direkt daneben aber ist alles kurzgeschoren. © Raulf

Herrliche Wildkräuter - jetzt alles kahl

Diese Frage trug ein Leser an unsere Redaktion heran, der regelmäßig am Hochwasserrückhaltebecken zwischen B1 und A44 in Höhe Mühlhausen spazieren geht. „Hirtentäschel, Löwenzahn, jede Menge Wildkräuter, es sah herrlich aus“, sagt der Unnaer. Die Dammanlage selbst und angrenzende Flächen wären zuletzt ein schönes Blütenmeer gewesen. „Und jetzt ist alles kahl geschnitten. Alles nur noch grau-grün“, sagt er. „Das tut richtig weh.“

Der Damm

Katastrophenschutz für Lünern

  • Das Hochwasserrückhaltebecken im Bimbergtal wird möglicherweise nie zum Einsatz kommen, der Klimawandel aber erhöht die Wahrscheinlichkeit. Die Anlage dient der Vorsorge für einen Katastrophenfall: Ein Starkregen, wie es ihn zuletzt 1968 gegeben hat, könnte zur Folge haben, dass der Lünerner Bach erheblich anschwillt und Teile von Lünern überflutet.
  • Die Flächenversiegelung durch die A44 verschärft das Risiko für Unnas besiedelte Gebiete. Vor demselben Hintergrund wurden vor Jahren auch je zwei Rückhaltebecken im Bornekamp und in Siddinghausen gebaut.
  • Im Bimbergtal hatte die Planung zehn Jahre gedauert, bis zum Spatenstich im März 2015. Eine erste Vorstudie stammte von 1970.
  • Der 230 Meter lange und elf Meter hohe Damm könnte über 300.000 Kubikmeter Wasser anstauen.

Die Stadtbetriebe Unna hatten das Hochwasserrückhaltebecken 2015 bauen lassen. Sie sind auch für Unterhaltung und Pflege der Anlage verantwortlich. Dass im Auftrag des städtischen Eigenbetriebs ein Rückschnitt ohne Rücksicht auf Wildtiere und -pflanzen erfolgen soll, erscheint eigentlich kaum nachvollziehbar.

Stadtbetriebe sonst vorbildlich wild

An vielen anderen Stellen tragen die Stadtbetriebe dem Artenschutzgedanken Rechnung. Kürzlich erst war - ebenfalls in Mühlhausen - ein Weg aufgefallen, auf der einen Seite kurzgeschoren, auf der anderen blütenreich wuchernd. Der totgepflegte Wegesrand lag in der Zuständigkeit der Bahn. Der insektenfreundliche Kontrast hingegen war ein Gemeinschaftswerk einer Landwirtin - und der Stadtbetriebe. Auch anderenorts - zum Beispiel am Südring - lassen diese oft Wildpflanzen wachsen und blühen und nur das mähen, was wegen der Verkehrssicherung nötig erscheint.

Damm soll immer einsehbar sein

Wildwuchs soll also geduldet werden, wo es möglich ist. Am Hochwasserschutzdamm im Bimbergtal aber sei das leider nicht möglich, sagt Frank Peters, Betriebsleiter der Stadtbetriebe. Er könne gut nachvollziehen, dass der Rückschnitt des Bewuchses Bürger irritiert. Aber er erklärt, dass die Sicherheit der technischen Anlage im Vordergrund stehe. „Wir müssen den Damm im Blick behalten.“

Sorge: Tierbauten

Würden Pflanzen zu hoch, könnten Tiere womöglich unentdeckt in der Anlage Baue oder Gänge graben. Die Tätigkeit von Wühlmäusen oder Füchsen könne so zum Problem werden. Auch Dachse seien in der Gegend schon vorgekommen. Sie sind bekannt für riesige unterirdische Wohnanlagen.

Auch Schächte am Damm müssten immer gut einsehbar bleiben. Der Damm würde beidseitig einmal im Jahr gemäht, so Peters. Bei umliegenden Flächen reiche das alle zwei Jahre. In allen Fällen soll möglichst spät im Jahr geschnitten werden - wegen des Artenschutzes.

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