Sexuelle Gewalt beschäftigt den Kinderschutzbund in Unna in vielen Beratungsgesprächen

dzKampagne zum Weltkindertag

„Kinder sind unantastbar“ heißt die Kampagne des Kinderschutzbunds zum diesjährigen Weltkindertag. Statistisch gesehen seien ein bis zwei Kinder pro Schulklasse von sexualisierter Gewalt betroffen. Auch im Kreis Unna gibt es Fälle.

Kreis Unna

, 18.09.2020, 10:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Lügde, Bergisch Gladbach, Münster: Die zahlreichen Fälle brutaler sexualisierter Gewalt in der letzten Zeit machen uns fassungslos“, sagt Frank Zimmer, Geschäftsführer im Kinderschutzbund Kreisverband Unna. Aus diesem Grund möchte der Kinderschutzbund mit seiner Kampagne „Kinder sind unantastbar“ ein deutliches Zeichen setzen.

30 prominente Männer und Frauen unterstützen diese Kampagne in NRW. Dazu gehören unter anderen die Schauspieler Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt, die Olympiasiegerinnen Ingrid Klimke und Ulrike Nasse-Meyfarth sowie NRW-Familienminister Joachim Stamp und Ministerpräsident Armin Laschet.

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Zum Weltkindertag am 20. September veröffentlicht der Kinderschutzbund im Kreis Unna auf seiner Website und auf seiner Facebookseite Fotos der beteiligten Prominenten. Organisiert wurde die Aktion von den Orts- und Kreisverbänden des Kinderschutzbundes in Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit dem Landesverband.

Sexualisierte Gewalt gegen Kinder sei ein Massenphänomen. Die Weltgesundheitsorganisation gehe für Deutschland von einer Million Mädchen und Jungen aus, die sexualisierte Gewalt erlebt haben oder erleben. Statistisch gesehen sind das pro Schulklasse ein bis zwei betroffene Kinder.

Viele Fälle in der Beratungsstelle angemeldet

Im Jahr 2019 hat die Beratungsstelle für Kinderschutz im Kreis Unna laut Jahresbericht insgesamt 341 Kinder mit Problemen in den Bereichen „Körperliche Gewalt gegen Kinder“, „Sexuelle Kindesmisshandlung“, „Vernachlässigung von Kindern“ und auch „Mobbing sowie Cybermobbing“ im gesamten Kreisgebiet Unna betreut.

Häufigster Grund für die Anmeldung zur Beratung ist sexuelle, zweithäufigster Grund körperliche Gewalt. Im vergangenen Jahr kümmerte sich die Beratungsstelle Kinderschutz im Kreis Unna um 76 Fälle von sexueller Gewalt bei Mädchen und 59 Fälle bei Jungen.

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Im Bereich der sexuellen Kindesmisshandlung zeige sich deutlich eine Häufung der Fallzahlen in den letzten Kindergartenjahren (4 bis 5 Jahre) und mit Beginn der Pubertät (10 bis 11 Jahre).

Statistik zeigt nur die Spitze des Eisbergs

Trotz dieser hohen Zahl betroffener Kinder zeige die Statistik aber nur die Spitze des Eisberges, „denn wir verfügen leider immer noch nicht über verlässliche Zahlen, wie viele Kinder im Kreis Unna tatsächlich von Gewalt, Missbrauch und Vernachlässigung betroffen sind“, heißt es im Jahresbericht des Kinderschutzbund Kreisverband Unna.

Hilfe am Telefon und im Netz


Hier bekommen Betroffene, Angehörige und Fachkräfte schnelle Unterstützung

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: Tel. (0800) 22 55 530 Hilfeportal Sexueller Missbrauch: www.hilfeportal-missbrauch.de Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer: Tel. 116 111 Weitere Kontakte sind aufgeführt im Portal des Kinderschutzbundes unter www.kinderschutz-in-nrw.de. Der Kinderschutzbund im Kreis Unna ist mit seiner Fachberatungsstelle an der Märkischen Straße 9-11 in Unna oder unter Tel. (02303) 1 59 01 zu erreichen.

„Wir alle müssen wachsam sein und darauf achten, wie es den Kindern in unserer Umgebung geht“, sagt Frank Zimmer. Damit meint der Geschäftsführer des Kinderschutzbundes im Kreis Unna Verwandte und Bekannte genauso wie das Personal in Kitas, Lehrkräfte, Ärztinnen und Ärzte sowie die Polizei.

Alle, die mit Kindern arbeiten, müssten wissen, was sie bei einem Verdacht auf sexualisierte Gewalt zu tun haben, betont Frank Zimmer. Und in dem Bereich gelte es noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Wichtig sei es, mit seinen Wahrnehmungen nicht allein zu bleiben und sich von Fachleuten beraten zu lassen.

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