Die Selbstversorgung aus dem eigenen Garten ist in Mode, weiß Jörg Drücke vom gleichnamigen Gartencenter in Unna. Neben Pflücksalat (r.) ist Asia-Salat ein Trend. © Raulf
Garten

Endlich kann das Gemüse raus: Pflanztipps für Hobbygärtner – mit Video

So langsam wird es wärmer im Garten und auf dem Balkon. Welche Blumen dürfen schon raus? Welches Gemüse freut sich aufs Beet? Hier sind die Tipps der Pflanzenexperten. Noch mehr gibt es im Video.

Teils warnt die Wetter-App noch vor leichtem Frost, aber endlich wird es jetzt wärmer. Viele Hobbygärtner scharren schon länger mit den Füßen oder waren schon vor Tagen mutig. Was darf ins Beet? Was schützt, wenn es doch noch mal kälter wird? Es lohnt sich, bei Fachleuten nachzufragen.

Lieber etwas später kaufen

Antje Weber-Drücke verkauft schon seit geraumer Zeit auch Salat. Der Verbraucher verlange inzwischen, früh solche Angebote vorzufinden sagt sie. Teils würden die Kunden aber noch gebremst. „Unser Tipp: lieber etwas später kaufen.“ Weber-Drücke führt gemeinsam mit ihrem Bruder das Gartencenter Drücke in Unna-Königsborn in der zweiten Generation. Man setzt auf Beratung, und dazu gehört in diesen Tagen immer mal wieder auch die Erklärung, was Frost eigentlich bedeutet. Werden Temperaturen um oder unter Null für Frühlingsnächte angesagt, dann müsse das nicht überall dieselben Effekte habe. In den Gärten der Kunden könne es erhebliche Unterschiede geben, je nachdem, ob sie in Fröndenberg oder Dortmund-West wohnen. Liegt das Beet ein wenig geschützt oder ist es dem Ostwind ausgesetzt? Solche Faktoren entscheiden mit, ob die Blume auch am Morgen noch fröhlich emporragt oder ihre Blätter traurig hängen lässt.

Antje Weber-Drücke berät zu Blumen, Gemüse und Kräutern. Moossteinbrech (l.) beispielsweise ist eine frostfeste Staude, die Begonie (r.) hingegen verträgt keinen Frost.
Antje Weber-Drücke berät zu Blumen, Gemüse und Kräutern. Moossteinbrech (l.) beispielsweise ist eine frostfeste Staude, die Begonie (r.) hingegen verträgt keinen Frost. © Raulf © Raulf

Der naturgesunde Frühling 2021

Für die heimische Pflanzenwelt seien der bisher kalte Frühling und der Regen, den es in den vergangenen Wochen schon gab, eine Wohltat, sagt Antje Weber-Drücke. Die für diese Breiten typischen Verhältnisse würden Mikroorganismen in den von Dürrejahren ausgelaugten Böden endlich die Chance geben, sich zu regenerieren. Die positiven Effekte werde nun jeder Gärtner erleben.

Für das Geschäft der Pflanzenhändler sei ein kalter Frühling natürlich nicht förderlich. Aber im Lauf der vorletzten Aprilwoche werde es nun wärmer, sagt Jörg Drücke. Viele Blumen könnten nun nach draußen gepflanzt werden. An den Blüten von Geranien oder Petunien, Begonien und Ranunkeln, Margeriten, Oleander oder Jasmin könne man den ganzen Sommer über Freude haben. Lieber vorsichtig sein: Nachfragen bei erfahrenen Leuten kann Kummer ersparen, denn es gibt Unterschiede. So würde Antje Weber-Drücke beispielsweise Oleander früher herausstellen als Kapaster.

Trend: Der Garten als Gemüsetheke

Ein kleines Kräuterbeet statt Zierblumen, ein paar Quadratmeter Gemüse statt Rasen, Obstbäume statt bloß dekorativer Gehölze: „Es gibt einen eindeutigen Trend zur Selbstversorgung aus dem eigenen Garten“, sagt Jörg Drücke. Wer demnächst ernten möchte, muss natürlich auf seine Pflanzen Acht geben. Und bei Gemüse sei je nach Sorte derzeit noch Vorsicht geboten, was das „Aussetzen“ ins Freie angeht. „Mit Salat würde ich noch etwas warten“, sagt Antje Weber-Drücke. Ausnahmen gebe es natürlich. So gilt Rukola als frostfest. „Der kommt auch jedes Jahr wieder.“

Künstlicher Schutz vor der Kälte kann ansonsten auch einiges retten, teils sogar einen frühen Start der Gartensaison ermöglichen. So kann ein Hochbeet dadurch, dass es auch seitlich von der Sonne bestrahlt wird, Pflanzen mehr Wärme bieten als der Boden. Auch beim Hochbeet aber könne es derzeit noch ratsam sein, empfindlichere Pflanzen abzudecken, wenn die Luft eisig kalt zu werden droht.

Sicherheit erst ab Mitte Mai

Dies gilt besonders, wenn die gefürchteten „Eisheiligen“ kommen. Erst wenn am 15. Mai die „kalte Sophie“ überstanden ist, sind Pflanzen im Freiland auf der sicheren Seite. Definitiv bis dahin würden Drückes mit den besonders empfindlichen Gemüsen noch warten. Jungpflanzen von Gurke, Tomate oder Paprika etwa sollten zumindest gut geschützt werden, zum Beispiel mit einem Gewächshaus.

Über den Autor
Redaktion Unna
Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf
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