Für den Fröndenberger Reinhard Schnitzmeier geriet die Vereinbarung eines Impftermins zum wahren Geduldsspiel. © Archiv/Dirk Becker
Impfzentrum Unna

Corona-Impfung: Unnaer hadern mit überlastetem Termin-Tool – KVWL bittet um Geduld

Dass die Systeme zur Vereinbarung eines Impftermins am Montag zusammenbrechen würden, war befürchtet worden. Für das Chaos gibt es Kritik auch aus Unna. Die Verantwortlichen bitten um Geduld.

An diesem Montag war er da – der Moment, auf den viele alte Menschen offenbar sehnsüchtig gewartet haben. Ab 8 Uhr sollte die Vereinbarung von Impfterminen für über 80-Jährige, die zuhause leben, möglich sein. Doch die Webseite www.116117.de brach zusammen, Wartende brauchten viel Geduld.

Offenbar war die Nachfrage nach Impfterminen riesig. Das bekamen auch Betroffene in Unna zu spüren.

Ein Mann wollte für seinen 84 Jahre alten Schwiegervater einen Termin ausmachen. „Das System funktioniert überhaupt nicht“, zog der Unnaer nach zwei Stunden eine ernüchternde Bilanz.

Prozedere für alte Menschen zu kompliziert

Sein Frust richtet sich aber nicht so sehr gegen die offenbar verstopften Datenleitungen zur Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Vielmehr kritisiert der Mann das gesamte Prozedere. Das sei für die zunächst impfberechtigten Menschen über 80 Jahre zu kompliziert.

„Die meisten alten Menschen kennen sich doch mit dem Internet gar nicht aus. Ich bin froh, dass ich mich für meinen Schwiegervater kümmern kann“, sagt der Mann, der selbst erst seit kurzer Zeit Rentner ist. Er verweist darauf, dass das Internet allein nicht genüge, erforderlich sei auch noch ein Smartphone, auf das ein erforderlicher Vermittlungscode geschickt wird. Immerhin: Den hatte der Unnaer noch relativ problemlos bekommen.

Am Mammographie-Beispiel orientieren

Allerdings findet er, dass das Anmelde-Prozedere in seiner jetzt gewählten Form gar nicht nötig gewesen sei: „Das ist der falsche Weg.“ Er nennt eine positive Alternative – und die kommt ausgerechnet aus der Medizin. „Warum wird das nicht wie mit den Frauen gemacht? Die bekommen einen festen Termin für die Mammographie zugeschickt und können ihn absagen, wenn er nicht passt. Die alten Menschen, die jetzt geimpft werden sollen, arbeiten nicht und haben kaum Termine. Ich schätze, dass 70 Prozent den vorgeschlagenen Termin hätten annehmen können.“

Eine Art Absage nach drei Stunden

Enttäuscht von den chaotischen Zuständen zeigte sich auch die Unnaerin Charlotte Kunert. Drei Stunden lange hatte sie am Montag per Internet und Telefon immer wieder versucht, einen Impftermin für ihre über 80-jährige Mutter zu bekommen. Letztlich erhielt sie die Nachricht, es gebe nun keine Termine mehr. „Jetzt warten wir, dass wir irgendwann, irgendwie wieder etwas hören? Das kann doch nicht wahr sein in unserem hochtechnisierten Land“, empört sich die Unnaerin. „Die haben so lange Zeit gehabt, das zu organisieren.“

Das Thema Impfen sei für viele Menschen ohnehin schon mit Unsicherheiten und Ängsten verbunden. Diese Erfahrung mit der Terminvergabe sei sicher alles andere als hilfreich.

Kassenärztliche Vereinigung rät: Später weiter versuchen

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bat am Mittag in einer Pressemitteilung um Geduld. Es habe „extrem hohe Zugriffszahlen“ auf die Webseiten und ein hohes Anruferaufkommen bei der Hotline 116 117 gegeben, daher die Verzögerungen und Wartezeiten. An einer Beseitigung der Engpässe werde „unter Hochdruck“ gearbeitet, hieß es weiter von der KV.

„Alle, die die Möglichkeit haben, einen Termin zu einem späteren Zeitpunkt zu buchen, sollten von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.“

Impfzentren

Impfstoff für 70.000 Menschen ab 8. Februar

  • Das Impfen in den nordrhein-westfälischen Impfzentren soll am 8. Februar beginnen, auch im Kreis Unna. Die KVWL rechnet damit, ab dem Tag in Nordrhein-Westfalen zunächst 70.000 Menschen impfen zu können. Dafür würden die derzeit zur Verfügung stehenden Impfstoffdosen ausreichen.
  • Bis Anfang April sollen rund 560.000 Impfstoffdosen zur Verfügung stehen, wie die KVWL mitteilt.

Es müsse sich niemand Sorgen machen, erklärten die Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Westfalen-Lippe. „Es ist ausreichend Zeit und Vorlauf für die Terminvergabe, zumal es bis Ende April dauern wird, bis wir allein die Gruppe der über 80-Jährigen mit Blick auf die verfügbaren Mengen an Impfstoff ein erstes Mal geimpft haben. Jeder, der geimpft werden möchte, wird drankommen, aber eben nicht sofort. Niemand muss befürchten, zu spät zu kommen. Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden Wochen weitere Impfstoffdosen erhalten werden, wodurch

sich auch die Terminkapazität erhöhen wird.“

Ihre Autoren
Redaktion Unna
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Jahrgang 1979, stammt aus dem Grenzgebiet Ruhr-Sauerland-Börde. Verheiratet und vierfacher Vater. Mag am Lokaljournalismus die Vielfalt der Themen und Begegnung mit Menschen. Liest immer noch gerne Zeitung auf Papier.
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Thomas Raulf
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