Die alte Klöcknerbahn zwischen Unna und Kamen ist eine sehr attraktive Verbindung für Radfahrer und nicht zufällig die geplante Trasse für den Radschnellweg RS1. In den zurückliegenden Jahren hatten Radfahrer immer wieder mit Baustellen und Umleitungen zu kämpfen. Hinweise darauf ans Rathaus hätten die Arbeiten aber wohl auch nicht beschleunigt. © Hellweger Anzeiger Archiv
Mängelmelder

Auf dem Radweg addieren sich kleine Problemchen zum großen Problem

Mängel aller Art können in Unna nun mit einer App ans Rathaus gemeldet werden. Das Konzept ist auch für Radfahrer interessant, trifft allerdings auch auf Grenzen.

Wer Unna mit dem Fahrrad bereist, ärgert sich oft über Kleinigkeiten. Schlaglöcher und Wurzelwellen im Radweg, verdrehte Schilder, behindernd abgestellte Autos – es sind Problemchen dieser Art, die Radfahrer nun auch über den neuen „Mängelmelder“ der Stadt Unna ans Rathaus melden. Gerade die mobile Version in der App fürs Smartphone erlaubt es, den Hinweis an die Stadt sofort von unterwegs abzusenden, sogar mit Fotoanhang.

Für den Radverkehr in Unna kann das ein entscheidender Beitrag sein. Denn in der Summe wird aus vielen Problemchen ein Problem: Die Frage, ob Radfahren in einer Stadt als leicht und angenehm empfunden wird, hat offenbar einen großen Einfluss darauf, ob die Menschen in einer Stadt dem Fahrrad eine Chance geben oder nicht. Deshalb fragt der ADFC in seinem Fahrradklimatest ganz bewusst die „gefühlte“ Fahrradfreundlichkeit in einer Stadt ab. Und Unna erzielte zuletzt eher mäßige Bewertungen.

Versuche, eben jene Kleinigkeiten schnell aus der Welt zu schaffen, hat es auch in der Vergangenheit gegeben. Als Vorläufer des neuen „Mängelmelders“ gilt ein Angebot, das der hiesige ADFC einmal im Internet betrieben hat. Auch dabei wurden Ärgernisse im Radwegenetz auf einer Karte vermerkt. Allerdings krankte diese Idee an einer fehlenden Schnittstelle mit dem Rathaus: Was der ADFC als Verein registriert und aufgelistet hatte, besaß für das Rathaus in jener Zeit wenig Bedeutung.

Die Bürger nutzen den Mängelmelder aktiv

Doch auch die Stadt selbst hatte zuletzt im Rahmen des Stadtradelns ein Zusatzmodul im elektronischen Fahrtenbuch der Teilnehmer freigeschaltet, das das rasche Übermitteln von Schwachpunkten im Wegenetz ermöglicht hat. Die Zahl der Eingaben jedoch blieb überschaubar – anders als es derzeit beim offiziellen „Mängelmelder“ der Fall zu sein scheint. Dort nämlich weisen mehrere Bürger auf Handlungsbedarf an den Radwegen hin.

Insofern wird die neue App vom ADFC zumindest interessiert aufgenommen, wie Ortsgruppensprecher Helmut Papenberg erklärt. Er selbst habe die Plattform auch schon genutzt und eine etwas überraschende Antwort aus dem Rathaus erhalten: Sein Hinweis darauf, dass der Wochenmarkt an seinem derzeitigen Standort neben dem Rathaus auch einen Teil des Radwegenetzes NRW zustellt, nahm man zwar nicht in den Mängelmelder auf, weil er nicht in dessen Kategorien passe, doch weitergegeben werde der Hinweis durchaus.

Mehr Arbeiten bedeutet kein schnelleres Abarbeiten

Skepsis zeigt Papenberg, was die Bearbeitungsgeschwindigkeit angeht. „Entscheidend ist ja, dass die Hinweise aus der Bevölkerung auch etwas bewirken“, sagt er. Dass sie nun auf einfacherem Weg an den richtigen Ansprechpartner gelangen, sei vielleicht ein wichtiger erster Schritt. Aber danach wird es kompliziert.

Unnas Stadtverwaltung drückte zuletzt mehrfach Überlastung aus, da ist ein plötzliches Mehraufkommen an Meldungen sicherlich nichts, was zur Bewältigung aller Aufgaben beiträgt. Manch ein Problem ist nur mit Geld zu lösen, das es zurzeit nicht gibt. Und zum Teil liegt die Zuständigkeit für Dinge, die im Unnaer Rathaus auf den Tisch kommen, irgendwo anders. Zuletzt gibt es Probleme, auf die man vielleicht auch nur mit einem Achselzucken antworten kann: Einen Baum zu fällen, weil seine Wurzeln den Radweg aufwellen, stellt die Klimawirkung der Verkehrswende wieder infrage.

Über den Autor
Redaktion Unna
Verwurzelt und gewachsen in der Hellwegbörde. Ab 1976 Kindheit am Hellweg in Rünthe. Seit 2003 Redakteur beim Hellweger Anzeiger. Hat in Unna schon Kasernen bewacht und grüne Lastwagen gelenkt. Aktuell beäugt er das politische Geschehen dort und fährt lieber Fahrrad, natürlich auch auf dem Hellweg.
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Sebastian Smulka

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