535 Tonbänder vor dem Zerfall gerettet – und es ist noch viel zu tun

dzKomponistinnen-Bibliothek

Mit der Komponistinnen-Bibliothek hat Unna einen Schatz, der selten im Fokus steht. Das aber soll sich ändern durch einen moderneren Auftritt und verbesserte Nutzungsmöglichkeiten.

Unna

, 22.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Nicolaihaus fristet ein ganz besonderer Schatz sein Dasein: Hier ist alles zu finden, was Teil der Komponistinnen-Bibliothek ist. Wobei das nicht ganz korrekt ist, denn aktuell fehlen einige Dinge – und das aus gutem Grund.

So wurden jüngst die 535 Tonbänder, die dort lagerten, durch ein Fachunternehmen digitalisiert. „Die Qualität der Bänder war sehr unterschiedlich“, weiß Armin Eichenmüller, der als Mitarbeiter der Stadt Unna die Komponistinnen-Bibliothek betreut. Eines aber steht für ihn fest: „Einige Bänder wären in wenigen Jahren nicht mehr nutzbar gewesen. Sie wurden vor der Zerstörung gerettet. Und damit behält der Schatz seinen Wert.“

Informationen zu allen Dokumenten

Mit der Digitalisierung der Tonbänder ist es aber nicht getan. Armin Eichenmüller will die einzelnen Stücke voneinander trennen und die wichtigen Fakten dazu digital hinterlegen. Das macht viel Arbeit, doch Eichenmüller ist mit großem Eifer bei der Sache. Daheim aktualisiert der studierte Musikwissenschaftler derzeit die Kassetten des Archivs.

Die Komponistinnen-Bibliothek nennt aber auch noch mehr als 3500 Notenblätter, Zeitschriften und Bücher ihr Eigen. Alles soll zukünftig deutlich mehr Menschen zur Verfügung gestellt werden – vor allem über die Internetseite www.komponistinnenbibliothek.de. All das geht, weil die Bibliothek über die entsprechenden Rechte verfügt.

Service für Musiker in aller Welt

Bis die Digitalisierung des gesamten Materials abgeschlossen sein wird, werden noch Jahre vergehen. Schließlich ist es mit dem Scannen von Notenblättern nicht getan, sie müssen auch geordnet und Informationen dazu hinterlegt werden.

All das wird dann in einem OPAC, also einem Online-Katalog, zu finden sein. „Da kooperieren wir auch gut mit der Bibliothek im ZIB“, sagt Eichenmüller. In der Stadtbücherei gibt es schließlich schon einen solchen Katalog für die dortigen Medien.

Profil

Die Komponistinnen-Bibliothek

  • Die Internationale Komponistinnen-Bibliothek befindet sich in der Trägerschaft der Sybil-Westendorp-Stiftung. Sie ist im Nicolaihaus an der Nicolaistraße 3 untergebracht.
  • Interessierten stehen über 3.500 Noten, Tonträger, Fachzeitschriften und Bücher zur Verfügung. Im digitalen Archiv können sie sich Aufnahmen der unter dem Künstlernamen Sybil Westendorp bekannten Musikerin Lotte Orthmann anhören.
  • Die Internationale Komponistinnen-Bibliothek sammelt Werke von Komponistinnen, archiviert sie und erhält sie so für die Zukunft. Ihr Träger, die Sybil-Westendorp-Stiftung, möchte das Werk der Hamburger Komponistin Lotte Orthmann, bekannt unter ihrem Künstlernamen Sybil Westendorp, bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich machen.
  • Regelmäßig finden zudem Konzerte mit der Literatur bekannter und weniger bekannter Komponistinnen statt.

Sigrun Krauß, Leiterin des Kulturbereichs der Stadt Unna, freut sich, dass sich die Komponistinnen-Bibliothek wieder im Aufwind befindet: „Ich habe viele Aufs und Abs miterlebt. Aber das ist wirklich eine besondere Sammlung.“ Neben der Bibliothek in Unna gebe es Vergleichbares nur noch in Frankfurt am Main.

Dass die Zukunft der Komponistinnen-Bibliothek digital sein muss, steht für Krauß fest. „Es handelt sich ja nicht um eine Präsenzbibliothek. Wann immer jemand im Nicolaihaus etwas sucht, ist jemand von uns dabei.“ Über den OPAC können sich künftig Menschen in aller Welt informieren, denn das Angebot wird mehrsprachig sein. Selbst aus Kanada gab es schon Interessierte, weiß Armin Eichenmüller.

Konzerte nicht nur im Nicolaihaus

In Unna soll die Musik weiterhin vor allem über Konzerte bekannt gemacht werden – und die sollen nicht nur im Nicolaihaus stattfinden. „Das Nicolaihaus bleibt unsere Basis, aber wir planen auch Konzerte in Kirchen“, sagt Eichenmüller. Krauß wird noch konkreter: „Es soll mindestens ein Orgelkonzert pro Jahr geben. Und Orgelkonzerte gehören in die Kirche.“

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Aktuell aber bremst das Coronavirus natürlich auch die Veranstaltungen der Komponistinnen-Bibliothek aus. Das für den 20. November geplante Konzert mit Claude Hauri (Violoncello) und Corrado Greco (Klavier) auf dem Hof Bellevue musste bereits abgesagt werden, die Veranstaltung mit Anna Horstmann am 13. Dezember im Nicolaihaus hängt aktuell noch in der Schwebe. Wird der „Lockdown light“ verlängert, müsste auch dieses Konzert ausfallen.

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