Click and Meet – in diesem Einkaufskonzept sieht der Vorsitzende der Schwerter Werbegemeinschaft, Peter Rienhöfer, ein großes Problem. © Reinhard Schmitz
Corona-Lockdown

„Wer möchte denn zum Schuhe kaufen einen Termin ausmachen?“

Die neuen Corona-Regelungen sind kompliziert, die Meinungen dazu verschieden. Während sich einzelne Schwerter Händler freuen, überhaupt wieder Kunden begrüßen zu dürfen, ist die Werbegemeinschaft skeptisch.

Man muss die einzelnen Punkte, auf die sich Bund und Länder in ihrer Konferenz am Mittwoch (3.3.) geeinigt haben, schon genauer lesen, um die Öffnungsschritte in Gänze nachvollziehen zu können.

Es ist ein fünfstufiger Plan, der Lockerungen im Corona-Lockdown durchsetzen soll. In NRW profitieren besonders die Buchhandlungen von dem Plan. Ab dem 8. März dürfen sie genauso wie Blumengeschäfte und Gartencenter öffnen. Vorgabe ist dabei, dass für die ersten 800 Quadratmeter Verkaufsfläche pro 10 qm ein Kunde im Geschäft sein darf. Für die weitere Fläche ist es ein Kunde pro 20 qm.

Freude bei den Buchhändlern

Besonders freuen darf sich also Olaf Bachmann. Mit seiner Buchhandlung in Schwerte darf er auch für Kunden ohne Termin öffnen. „Ich freue mich sehr. Jetzt bekommen die Kunden wieder die Möglichkeit, sich im Laden die Bücher anzuschauen. Bis jetzt musste die Entscheidung ja immer von zu Hause aus getroffen werden.“

Werden die Einkaufsstraßen in Schwerte bald wieder etwas belebter? © Carina Strauß © Carina Strauß

Theoretisch dürfte er nach der neuen Regelung vier Kunden gleichzeitig im Laden haben. „Wir werden das auf drei begrenzen. Vorgabe wird sein, dass sich die Kunden rechts um das Mittelschiff bewegen, damit die Abstände eingehalten werden können.“ Doch man müsse schauen, wie praktikabel das sei. „Sonst müssen wir gegebenenfalls noch mal auf zwei Kunden reduzieren, denn unser oberstes Ziel ist es, dass wir die Abstände gewährleisten können.“

Strengere Regeln im restlichen Einzelhandel

Komplizierter wird es dagegen für die anderen Einzelhändler. Liegt die 7-Tages-Inzidenz (Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen) unter 50, dürfen auch sie mit denselben Quadratmeter-Vorgaben wie die Buchhändler öffnen. Ausschlaggebend soll hierbei voraussichtlich die Inzidenz für das Land NRW sein und nicht die auf Kreisebene. Stand 4.3. liegt sie in NRW bei 62,8 und im Kreis Unna bei 68,4.

Anders sieht es aus, wenn die Inzidenz zwischen 50 und 100 liegt. Dann dürfen die Händler lediglich einen Kunden pro 40 qm in ihr Geschäft lassen. Und es muss vorher ein Termin vereinbart werden.

Joachim Kockelke, der sein Geschäft für Geschenke und Schmuck an der Hüsingstraße betreibt, sieht in den Öffnungsschritten zumindest eine leichte Annäherung und freut sich, dass er überhaupt wieder Kunden begrüßen darf. „Die Kunden können jetzt endlich die Waren wieder sehen und anfassen.“ Das sei besonders bei Schmuck wichtig, denn zum Beispiel ein Ring müsse ja auch anprobiert werden.

Er könne mit den neuen Regelungen leben, bis weitere Lockerungen kommen. „Bei uns könnten so drei Kunden gleichzeitig im Laden sein, das wäre schon fast Normalität, nur dass man eben vorher einen Termin vereinbaren muss“, so Kockelke.

„Wer möchte denn zum Schuhe kaufen einen Termin ausmachen?“

Doch genau in der Vorgabe, Termine vergeben zu müssen, sieht der Vorsitzende der Schwerter Werbegemeinschaft, Peter Rienhöfer, ein großes Problem für die Schwerter Einzelhändler. „Das hilft ja nicht. Wer möchte denn zum Schuhe kaufen einen Termin ausmachen?“, so Rienhöfer.

Das sei „so ein theoretischer Gedanke, der uns nicht nach vorne bringt“. Man brauche die Möglichkeit, dass Kunden einfach in die Geschäfte kommen können. „Natürlich mit Abstand, vielleicht auch mehr Abstand als vorher.“ Der Großteil des Handels lebe davon, dass die Kunden erst mal stöbern. „Aber wie soll man bei Terminen zum Beispiel einschätzen, wie lange welcher Kunde bleibt“, gibt Rienhöfer zu bedenken.

Rienhöfer: Gastronomie fehlt als Frequenzbringer

Ein weiteres Problem sieht Rienhöfer in der Termintreue. „Was ist, wenn ein Kunde etwas früher oder einfach später kommt? So wird man keine Umsätze machen können“, ist sich Rienhöfer sicher.

Er hat statt der jetzt geplanten Öffnungsschritte ganz andere Wünsche an die Politik: „Man sollte jetzt eigentlich die Priorität auf die Impfungen legen. Und dann braucht es ein festes Konzept für Öffnungen, bei dem die Kunden dann auch frei kommen können.“

Und noch etwas sei entscheidend für den Erfolg der Neueröffnungen: „Die Gastronomie ist ein Frequenzbringer für die Innenstädte. Die Leute wollen ein schönes Erlebnis haben. Da gehört auch der Besuch im Café oder im Restaurant dazu.“ Ohne Gastronomie werde es schwierig. „Man hätte sich schon viel früher Gedanken machen müssen, wie man punktuell gegen Infektionsherde vorgehen kann. Und nicht einfach flächendeckend alles schließen.“

Auch die Aussicht, dass bei einer dauerhaften Inzidenz zwischen 50 und 100 ab dem 5. April bei allen Einzelhändlern die gleichen Regelungen wie bei Buchhändlern und Gartencentern gelten können, hilft nach Rienhöfers Ansicht nicht. „Das sind noch fast fünf Wochen. Das ist katastrophal.“ Er sei der Letzte, der sagt „schmeißt die Maske weg und geht feiern“. Aber man müsse das Verhältnis sehen. „Die Verhältnismäßigkeit stimmt hier meines Erachtens nach einfach nicht.“

Außerdem gibt es auch noch die sogenannte Notbremse. Wenn die Inzidenz an drei aufeinander folgenden Tagen über 100 liegt, werden die Lockerungen zurückgenommen.

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