Auch Jungs kochen gerne. Vor allem die mit Schnitzerfahrung. Der Vorteil: Mama muss nur noch selten Kartoffeln schälen. © Martina Niehaus
Kochen mit Kindern

Keine Angst vor scharfen Messern: Wie man mit Kindern kocht

Lockdown-Langeweile? Frust, weil der Lieblings-Italiener gerade zu hat? Nichts zu tun am Wochenende? Dann ab an den Herd: Eine Expertin erklärt, wie man mit Kindern gemeinsam kocht.

Stress und Hektik im Corona-Alltag, eine schnelle Tütensuppe zwischen Video-Konferenz und Hausaufgaben: Der kulinarische Alltag besteht zurzeit meistens aus dem schnellen Essen zwischendurch. Zumal die Tiefkühltruhen gerade gut gefüllt sind. Auch bei uns gab es gestern Fischstäbchen.

Aber wie wäre es denn mal mit etwas, das lecker UND gesund ist? Mit Essen, das man nicht zwischen Tür und Angel aufwärmt? Gerade jetzt, wo das Wetter schlecht ist und die quengelige Bande sich nicht verabreden darf, ist Kochen eine tolle Beschäftigung.

Pasta statt Austern

Anfangen könnte man am Wochenende. Keine Hausaufgaben, keine Arbeit. Wer zusammen mit seinen Kindern kocht, verbringt nicht nur eine schöne Zeit miteinander. Mit den Tipps der Ernährungsberaterin Michaela Wendel aus Schwerte schmeckt es auch allen richtig lecker. Und das bei ganz einfachen Rezepten.

Selbstgemachter Pastateig lässt sich mit Gewürzen prima einfärben. Das schmeckt und sieht gut aus.
Selbstgemachter Pastateig lässt sich mit Gewürzen prima einfärben. Das schmeckt und sieht gut aus. © Wendel © Wendel

Denn wir bleiben auf dem Teppich: Weder gefüllte Wachteln noch gratinierte Austern oder Känguruh-Gulasch kommen auf den Tisch. Stattdessen geht es um selbstgemachte Pasta. Doch zuerst erklärt Michaela Wendel ein paar Grundsätze.

Schon die Kleinsten können mithelfen

„Bei meinen Rezepten können schon die Kleinsten mithelfen – und auch Jungs haben riesigen Spaß daran, beim Kochen zu helfen“, sagt die Diplom-Ökotrophologin.

Michaela Wendel ist Ernährungsexpertin. In Schwerte betreibt sie „Mea`s Cucina“.
Michaela Wendel ist Ernährungsexpertin. In Schwerte betreibt sie „Mea`s Cucina“. © Foto: Bodo Brauer (A) © Foto: Bodo Brauer (A)

Seit acht Jahren betreibt sie in Schwerte „Mea`s Cucina- Kochkultur am Markt“. Dort bietet sie Ernährungsberatung an und gibt Kochkurse. „Ich habe schon sehr viele Koch-Events mit Kindern gemacht, zum Beispiel auf Geburtstagen“, erzählt Michaela Wendel.

Scharfe Messer gehören dazu

Keine Angst vorm Gemüseschneiden: „Kinder können das Schneiden nur lernen, wenn sie es auch selber machen dürfen“, betont die Ernährungsexpertin. Nur mit wirklich scharfen Messern lernen Kinder den Respekt vor dem Schneidwerkzeug.

Natürlich soll man sie beaufsichtigen und aufpassen, dass sie nicht mit dem Messer herumlaufen. „Stumpfe Messer sind sogar gefährlicher, weil sie leichter abrutschen“, erklärt Michaela Wendel.

Na geht doch. Und wenn die Kartoffeln etwas eckig geraten oder die Karottenstücke nicht gleich breit sind, ist das egal.
Na geht doch. Und wenn die Kartoffeln etwas eckig geraten oder die Karottenstücke nicht gleich breit sind, ist das egal. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Und sie empfiehlt Eltern, nicht zu kritisch zu sein. „Wenn die Karotten ungleichmäßig dick sind, ist das egal. Aber die Kinder werden sie sicher gern essen, wenn sie sie selbst geschnitten haben.“

Pasta selbst machen – mit oder ohne Nudelmaschine

Mit Nudeln sind keine Mama-Miracoli-Fertigprodukte gemeint. Selbstgemachte Pasta kommt auf den Tisch. „Zum Teigausrollen braucht man ein Nudelholz, aber eine Flasche tut es auch“, sagt Michaela Wendel. Wer öfter Pasta selbst zubereitet, kann sich auch eine Nudelmaschine zulegen.

Rezept: Selbstgemachte Pasta

  • Zutaten für den Grundteig:

300g Mehl/Wiener Griessler,3 Eier, Olivenöl, Salz

  • Für die Farbe:

Tomatenmark, Paprikapulver, fein gehackte Kräuter, Rote-Beetesaft oder Pulver, Curcuma, fein gehackter Spinat…

  • So geht´s:

Teig kneten, breite Bänder ausrollen. In einen Topf mit kochendem Salzwasser geben. Garzeit: 3-4 min.

„Für 20 Euro bekommt man da schon ganz gute Maschinen, und den Kindern macht es unheimlich große Freude.“

Genau wie das Teigkneten vorher. Mit den Mehlsorten kann man experimentieren und zum Beispiel Vollkornnudeln zubereiten. Doch das Schönste ist: Selbstgemachte Nudeln lassen sich prima einfärben.

Gewürze und Gemüse bringen Farbe auf den Teller

Dazu benötigt man keine künstliche Lebensmittelfarbe. „Tomatenmark oder Pulver wie Curcuma, Paprika, Spinat, Gelbe Rüben, Rote Beete“, zählt die Ökotrophologin auf. Diese Pulver geben dem Nudelteig Farbe. Und sie sind praktisch, denn man kann sie lange aufbewahren.

Rezept: Tomatensauce mit Variationen

  • Zutaten:

500g (das sind ca. 4 grosse) ausgereife Tomaten oder passierte Tomaten aus dem Glas/Dose. 1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, Olivenöl zum Anbraten. Salz, Pfeffer, 2 EL Oregano oder ein Bund frisches Basilikum, 2 TL Honig

  • So geht`s:

Die Tomaten waschen, trockentupfen und die Ansatzstelle herausschneiden. Die Tomaten in Stücke schneiden. Zwiebeln und Knoblauch schälen und fein hacken.

In einem Topf Olivenöl heiss werden lassen und Zwiebel und Knoblauch anbraten. Wenn sie golden braun sind, die Tomaten (oder die passierten Tomaten) dazugeben. Gewürze zugeben und den Deckel auflegen und ca. 30 min auf niedrigerer Temperatur schmoren lassen. Ab und zu umrühren.

Basilikum erst ganz zum Schluss feingehackt dazugeben, damit es seinen Geschmack nicht verliert.

  • Zum Verfeinern:

2 EL Currypulver, Sahne oder Schmand, gehackte geröstete Walnüsse, Sonnenblumenkerne oder Kürbiskerne, gekochte Linsen

  • Gemüsekonfetti:

Gegarte kleine Gemüsewürfel z.B. Paprika, Zucchini. Aubergine

  • Frisches Pesto:

geröstete Sonnenblumenkerne oder Pinienkerne, Basilikum, Olivenöl, Geriebener Parmesan, Salz, Pfeffer

„Gerade jetzt, wo man nicht allzu oft einkaufen gehen sollte, macht das Sinn“, sagt Michaela Wendel. Für süßen Nachtisch oder zum Färben von Gebäck gibt es übrigens auch Obst in Pulverform, Brombeeren zum Beispiel. „Diese Dinge kann man bequem online bestellen.“

Die Grundlage für eine gute Nudelsauce

Von wegen Nudeln mit Ketchup! Leckere Nudelsaucen lassen sich, ausgehend von einer klassischen Basis, prima variieren. „Als Grundlage sind passierte Tomaten gut. Tomaten enthalten den Stoff Lykopin, der sehr gesund ist“, erklärt Wendel.

Lykopin ist erhitzt oder mit etwas Fett verbunden für den Körper noch besser verfügbar. Der Stoff ist gut für Herz und Kreislauf und verringert das Krebsrisiko.

Anfangs sollte man kleine Zwiebeln und je nach Geschmack Knoblauch erhitzen. Um den Geschmack der Sauce noch zu intensivieren, kann man Tomatenmark oder getrocknete Tomaten hinzufügen. Dann lässt sich wieder variieren: „Gemüse, Fleisch oder Tofu können mit hinein. Wer es etwas milder mag, packt einen Schuss Sahne dazu.“

Warum nicht mal Sushi ausprobieren?

Wem übrigens Pasta zu einfach ist, der kann sich mit Kindern auch an größere Experimente wagen: Michaela Wendel empfiehlt, klassische Sushi-Rezepte zu variieren.

Sushi muss man nicht unbedingt mit Fisch füllen. Kinder mögen die Röllchen mit Gurke oder Fleisch.
Sushi muss man nicht unbedingt mit Fisch füllen. Kinder mögen die Röllchen mit Gurke oder Fleisch. © Wendel © Wendel

„Sushi kann man auch hervorragend mit Gürkchen, anderem Gemüse oder gegartem Fleisch anrichten“, sagt sie. Das Rollen der Nori-Blätter mit Reis mache vielen Kindern Spaß. Und auch Sushi-Reis lässt sich prima färben.

Sprossentürme und frischer Salat

Für den kommenden Frühling – und als gesunde Ergänzung für Salate oder aufs Butterbrot – empfiehlt Michaela Wendel Sprossen. „Die sind voller Vitamine und Mineralstoffe.“

Sprossentürme kann man im Reformhaus kaufen, oder auch wieder online bestellen. Kresse, Radieschen, Senf – es gibt viele Varianten. „Kindern macht es Spaß, die Sprossen zu pflegen und ihnen beim Wachsen zuzusehen.“

Mit einer Nudelmaschine kriegt man selbst gemachten Pastateig gut in Form.
Mit einer Nudelmaschine kriegt man selbst gemachten Pastateig gut in Form. © Wendel © Wendel

Gefahr bei selbst gemachter Pasta?

Michaela Wendel schwört auf ihre Gerichte mit Sprossen und Pasta. „Ein wenig gefährlich sind sie aber doch“, sagt sie und lacht. „Wer Pasta einmal selbst gemacht hat, mag anschließend die trockenen Nudeln aus dem Supermarkt nicht mehr.“

Über die Autorin
Redakteurin
Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus
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