Schalkes Sturm-Idol Klaus Fischer (71) : „Bin kein Freund der Fünfer-Kette.“ © picture alliance/dpa
Schalke 04 / Gastkommentar

Klaus Fischer: Darum bin ich kein Freund dieser Schalker Fünfer-Kette

Schalkes erfolgreichster Torschütze aller Zeiten wünscht sich von den Königsblauen mehr Mut als im HSV-Spiel und sieht „seine“ Schalker am Sonntag in Kiel schon unter Druck.

Endlich wieder Fußball vor Publikum – spätestens seit dem Schalker Zweitliga-Start gegen den HSV wissen wir, warum wir das alle so vermisst haben. Die Sprechchöre, der Applaus, auch die Pfiffe – das gehört einfach dazu. Hoffentlich kann das jetzt zumindest in diesem Umfang so bleiben. Denn die Geisterspiele erinnerten dann doch irgendwie an Trainingsspiele. Sie waren – pardon – Mist!

Schon unter Druck

„Mist“ war aus Schalker Sicht das Ergebnis, die Leistung war es zumindest am Anfang nicht. Die Mannschaft hat alles gegeben, insgesamt sah das zum Teil richtig nach Fußball aus – im Gegensatz zu vielen Erstliga-Spielen, die wir uns mit Schalker Beteiligung zuletzt ansehen mussten. Dass Schalkes Spieler am Ende trotz der 1:3-Niederlage mit Applaus und aufmunternden Sprechchören verabschiedet wurden, ging in Ordnung – aber man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass das bei einer erneuten Heimniederlage schon ganz anders aussehen würde.

Wir dürfen uns da nichts vormachen: Schalke steht vor dem Spiel am Sonntag in Kiel schon gewaltig unter Druck, auch wenn das nach nur einem Spieltag ein wenig abenteuerlich klingt. Aber als prominenter Erstliga-Absteiger genießt Schalke in der Zweiten Liga halt eine ganz besondere Aufmerksamkeit, da wird jeder Fehltritt akribisch registriert und natürlich kritisch bewertet.

Unterzahl im Mittelfeld

Aber warum ging es für Schalke gegen den HSV am Ende dann doch wieder schief? Zunächst einmal muss man den Hamburgern ein großes Kompliment machen, die wirklich sehr stark gespielt haben. Aber das hat Schalke dann irgendwann auch zugelassen – und das hätte vermieden werden können.

Ursächlich für mich war dafür die Fünferkette, die de facto eine ist – und keine Dreierkette, wie ja auch oft geschrieben wird. Schalke hatte mit Ranftl, Thiaw, Kaminski, Flick und Ouwejan fünf Leute hinten, dazu Torwart Langer – und das alles gegen zwei HSV-Spitzen. So weit, so gut. Aber: Dadurch fehlt automatisch ein Mann im Mittelfeld. Und genau deshalb konnten sich die Hamburger die Bälle zuspielen, wie sie wollten.

30 Prozent sind zu wenig

Diese Fünfer­kette würde aus meiner Sicht nur dann Sinn ergeben, wenn die Außenspieler wirklich permanent zwischen Defensive und Offensive pendeln – aber zumindest bei Ranftl habe ich das nicht gesehen.

Keine 30 Prozent Ballbesitz – viel zu wenig für Schalke, gerade in der Zweiten Liga. Wer einen Terodde in der Mannschaft hat, muss ihn möglichst oft in Strafraum-Situationen bringen. Viererkette, dafür einen Mann mehr ins Mittelfeld ziehen, das wäre mein Ansatz. Schalke gegen HSV – da kann man die Schalker Herangehensweise mit viel Wohlwollen möglicherweise noch mit der Stärke des Gegners begründen. In Kiel gilt das bei allem Respekt vor Holstein nicht mehr – da beginnt für Schalke der Zweitliga-Alltag. Und der sollte mutiger sein.

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