0:8 verlor Schalke das Hinspiel bei den Bayern, Gnabry erzielt hier gegen Fährmann das 5:0. Der neue S04-Trainer Christian Gross will nicht zurückblicken: „Jedes Spiel hat wieder eine eigene, neue Dramaturgie.“ © dpa
Schalke 04

Christian Gross sieht zwei Gegner: Die Bayern und den Pessimismus

Mannschaft und Stimmung sind im Keller: Schalkes Trainer muss und will irgendwie Optimismus verbreiten - ausgerechnet vor dem Spiel gegen die Mannschaft, gegen die es im Hinspiel ein 0:8 gab.

Die Stimme ist kräftig und gut zu hören, obwohl die Video-Pressekonferenz mit Schalkes Trainer Christian Gross noch nicht begonnen hat. Aber Monitore und Mikrofone sind bereits eingeschaltet, da wirkt die Botschaft, die der Schweizer im Hintergrund „predigt“, wie ein Weckruf: „Positiv. Always positiv!“

„Positiv. Immer positiv!“

Positiv. Immer positiv. Gross ahnt, worauf es jetzt ankommt. Als sich auf Schalke durch den Sieg gegen Hoffenheim und die Rückhol-Aktionen von Sead Kolasinac und Klaas-Jan Huntelaar endlich so etwas wie Aufbruchstimmung breitgemacht hatte, zertrümmerte Kölns Jan Thielmann durch sein Tor in der Nachspielzeit zum 2:1 gegen Schalke viele Hoffnungen auf den Klassenerhalt auch bei den S04-Fans, die sich gerade noch gefreut hatten, dass ihr altes Huntelaar-Trikot noch passt und sie damit im Fernseh-Sessel die Daumen drücken konnten.

Die Niederlage gegen Köln war der fieseste Tiefschlag, den Schalke in dieser Saison hinnehmen musste, der Bielefelder Sieg gegen Stuttgart danach nur ein weiterer Nagel, der in den sich im Bau befindlichen Schalker Erstliga-Sarg geschlagen wurde – der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt nun acht Punkte plus dem schlechtesten Torverhältnis. Das aufzuholen wäre schon für eine funktionierende Mannschaft ein Brett.

Pessimisten fernhalten

Positiv. Immer positiv. Christian Gross muss – das wird wohl zu seiner schwierigsten Mission – Mannschaft und die Schalker Öffentlichkeit irgendwie bei Laune halten. Mit Pessimisten könne er ohnehin nicht viel anfangen: „Ich versuche, sie von meinem Umfeld weitestgehend fernzuhalten.“

Ein anspruchsvolles Vorhaben ausgerechnet vor dem Heimspiel gegen die Bayern am Sonntag (15.30 Uhr/Sky): Wer zuhause u. a. gegen Bielefeld und Köln verloren hat, dem wird halt auch gegen den Meister nicht so arg viel zugetraut. Zumal sich zumindest punktetechnisch nicht unbedingt viel verbessert hat, seitdem Gross Schalke trainiert. Zwar gab es zwischenzeitlich den lang ersehnten ersten Bundesliga-Saisonsieg, aber auch schon drei Niederlagen. Als Gross kam, hatte Schalke sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz 16, nun sind es acht.

Huntelaar wohl auf der Bank

Positiv. Immer positiv. Gross will trotzdem Optimismus verbreiten, ohne die Realität zu ignorieren: „Wenn es irgendwann mathematisch nicht mehr möglich ist, dann ist das halt so. Aber wir müssen weiter in jedem Spiel alles versuchen.“ Warum auch nicht? Das Kalkül: Bis fünf oder sechs Spieltage vor Schluss irgendwie wieder in Schlagdistanz kommen und dann auf das große Zittern anderer Mannschaften hoffen. Alles schon da gewesen in der Bundesliga.

Wolfsburger William im Gespräch

Bei Schalke, wo der rechte Außenbahnspieler William (VfL Wolfsburg) als Winter-Transfer auf Ausleihbasis im Gespräch ist, wird Klaas-Jan Huntelaar nach seiner Wadenverletzung zunächst wohl auf der Bank sitzen – der 37-Jährige wäre dann der einzige Spieler im S04-Kader, der das Gefühl eines Schalker Bundesliga-Sieges gegen die Bayern kennt. Am 4. Dezember 2010 (2:0) gehörte er zur Start-Elf. Danach gab es keinen „Dreier“ mehr gegen München.

Im Hinspiel schon gar nicht. Schalke verlor 0:8, Trainer David Wagner hatte vorher orakelt: „Wir sind bereit!“ Das war dann allerdings zu positiv gedacht.

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