Landgericht Essen

Student stach mehrfach auf seine Ex-Freundin ein – angeblich ohne Tötungsabsicht

Angriff auf offener Straße: Ein Student hat in Essen auf seine Ex-Freundin eingestochen. Er wollte die Trennung nicht akzeptieren. Dass die Frau überlebte, grenzt an ein Wunder.
Der Student wurde vom Landgericht verurteilt. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Erst war es Liebe, dann machten sich Mordgedanken breit: Im vergangenen Juli hat ein Maschinenbaustudent aus Essen auf offener Straße auf seine Ex-Freundin eingestochen. Neun Mal – in die Brust, in den Hals, in den Kopf. Dass die 24-Jährige überlebt hat, gleicht einem Wunder. Am Freitag hat das Essener Schwurgericht das Urteil gesprochen: neuneinhalb Jahre Haft wegen Mordversuchs. „Das war eine ganz schlimme Tat“, so Richter Jörg Schmitt bei der Urteilsbegründung. „Brutal und geplant.“

„Ein jung verliebte Pärchen“

Fünf Jahre lang waren die beiden Studenten ein Paar. Sie hatten sich in der Schule kennengelernt, später denselben Studiengang eingeschlagen. Es war nicht immer einfach, vor allem wegen der Eltern. Ihre Familie hat kurdische Wurzeln, seine tamilische. Beide Seiten haben die Verbindung offenbar nicht gutgeheißen. Für die Eskalation spielte das laut Urteil jedoch keine Rolle. „Die beiden waren ein ganz normales, jung verliebtes Pärchen“, so Schmitt.

Doch das Glück war nicht von Dauer. Am Ende wurde mehr gechillt als unternommen, ihr missfiel sein Zigaretten- und Marihuana-Konsum. Anfang 2020 versuchte sie es zuerst mit einer zeitlich begrenzten Trennung. „Um nachzudenken“, wie sie im Prozess erzählte. „Ich war nur noch eine Hülle ohne Seele.“ Danach stand ihr Entschluss endgültig fest. Im Mai 2020 vollzog sie die Trennung.

Stalking-Albtraum

Was folgte, war ein Albtraum. Der Angeklagte verfolgte sie wie ein Stalker, rief ständig an, schickte ihrem Vater, der eigentlich nichts von der Beziehung wissen durfte, intime Bilder, bestellte auf ihrem Namen Filme im Internet. „Er hat mich nicht in Ruhe gelassen“, hatte die 24-Jährige den Richtern erzählt. Mehrfach war sie damals bei der Polizei, bat um Hilfe, erstatte Anzeige. Dann kam der 22. Juli. Die Studentin war auf dem Weg zum Institutsgebäude, als der Angeklagte von hinten angerannt kam und immer wieder zustach.

Arbeiter leistete erste Hilfe

Ein Bauarbeiter, der alles beobachtet hatte, rannte los, leistete erste Hilfe. Auch ihm ist es laut Urteil zu verdanken, dass die 24-Jährige überlebt hat. „Der Angeklagte hat die Arglosigkeit seiner Ex-Partnerin bitterböse ausgenutzt“, so Richter Schmitt. Sie habe zu keiner Zeit mit einem körperlichen Angriff gerechnet. In der Beziehung habe es keinerlei Gewalt gegeben, der Angeklagte habe sich sogar selbst als Pazifist bezeichnet.

Doch diesmal sei alles anders gewesen. Die Richter haben keinen Zweifel, dass der 25-Jährige seine Ex-Freundin töten wollte. „Wer so intelligent ist, und wer sich genau diese Körperregionen aussucht, der möchte den, den er angreift, auch töten“, hieß es im Urteil. Der Angeklagte selbst hatte eine Tötungsabsicht dagegen immer bestritten.

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