Sowird ab dem 11. Januar der Unterricht wieder aussehen: Auf Distanz vom unterstützt vom PC © dpa
Coronavirus

Schul- und Kitaleiter aus Lünen äußern sich zum verlängerten Lockdown

Geschlossene Schulen bis Ende Januar, Unterricht auf Distanz, Kitas mit reduzierter Stundenzahl. Lüner Schul- und Kitaleitung blicken den kommenden Wochen sehr unterschiedlich entgegen.

Die Schulen in NRW bleiben bis zum 31. Januar komplett geschlossen. Es sei eine schmerzhafte Entscheidung gewesen sagte Schulministerin Yvonne Gebauer am Mittwoch.

Alle Klassen sollen ab spätestens Montag (13.01.) auf Distanz unterrichtet werden. Für die Klassen 1 bis 6 gibt es eine Notbetreuung, wenn die Schüler nicht zu Hause betreut werden können oder das Kindeswohl gefährdet ist.

Die Kitas hingegen gehen in einen eingeschränkten Pandemiebetrieb: Feste Gruppen, die Betreuungszeit wird um zehn Stunden reduziert und der Apell erneuert, die Kinder nur zu schicken, wenn es gar nicht anders geht.

Reiner Distanzunterricht an Grundschulen schwierig

Lünens Schulleiter blicken der neuen Phase unterschiedlich entgegen. Wie gut die kommenden Wochen aus schulischer Sicht funktionieren hängt vor allem von der digitalen Ausstattung der jeweiligen Schule ab.

Iris Lüken, Schulleiterin der Osterfeldschule und neue Sprecherin der Grundschulleiter gibt sich zuversichtlich. „Wir haben ja alle schon ein bisschen Erfahrung und unterschiedliche Beschulungsformen im vergangenen Jahr durchgeführt“, sagt sie.

Als Schulleiterin hätte sie mit dem Modell, so wie es vor Weihnachten gefahren wurde, am besten leben können. „So konnten die Schüler, die zu Hause nicht so viel Unterstützung bekommen, zur Schule kommen und von einer pädagogischen Fachkraft betreut werden.“ Die anderen konnten zu Hause bleiben, so dass die Klassen klein blieben. „Reinen Distanzunterricht sehen wir Schulleiter gerade an Grundschulen schwierig.“

Natürlich bedeute eine Teilung einen erhöhten Aufwand. Außerdem setzten sich die Lehrer dem Risiko einer Infektion aus. Aber aus Sicht der Kinder sei dieses Modell das beste.

Dank eines Sponsors läuft der Distanzunterricht an der Osterfeldschule* über die Lernplattform iServ. Darüber hinaus sind alle Lehrer mit einem Laptop versorgt und von den Schülern etwa die Hälfte.

Lehrer bisher doppelt gefordert

Ganz anders sieht die Situation an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule aus. „So wie es zuletzt war, war es nicht die ideale Lösung. Im Grunde war es gar keine Lösung“, sagt Schulleiter Reinhold Bauhus. Die Schüler hätten vom Präsenzunterricht ganz unterschiedlich Gebrauch gemacht.

Manche Klassen seien voll und so ohne Abstandsmöglichkeit geblieben, andere ganz leer. Die Lehrer seien in Präsenz und online doppelt gefordert gewesen und 20 bis 25 Prozent der Schüler waren wegen fehlender Endgeräte nicht erreichbar. „Es gibt einfach noch viele offene Fragen“, sagt Bauhus. „Diese Woche war absolut problematisch.“ Zum Beispiel seien Lernplattformen zusammen gebrochen, weil sie es nicht verkrafteten, wenn sich NRW-weit alle Schüler gleichzeitig einloggen. Für die kommenden Wochen würde Bauhus trotzdem einen komplett digitalen Unterricht bis Ende Januar favorisieren und ab Februar dann in das an der KKG so gut erprobte Wechselmodell gehen wollen.

Christian Gröne, Schulleiter der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, ist ob der klaren, landesweiten Entscheidung sehr erleichtert. Besonders wichtig ist ihm aber, den Eltern noch etwas mitzugeben: „Wir alle wissen, dass es eine schwierige Situation ist. Aber wir werden alles tun, damit die Abschlussklassen zu einem vernünftigen Abschluss kommen.“

Kitaleiterin Kinderhaus erleichtert über Regelung

Christie Merten, Leiterin der Elterninitiative Kinderhaus ist erleichtert. „Ich bin sehr froh, dass die Kitas nicht komplett dicht machen“, sagt sie. „Einerseits ist es für Familien eine Entlastung, andererseits vermittelt die Kita den Kindern ein Stück Normalität in dieser Zeit.“

Für Erwachsene sei die Situation gut handhabbar, nicht aber für Kinder, die soziale Kontakte umso mehr brauchen. Nur den Sinn der Stundenreduzierung kann Merten nicht verstehen. „Das bringt Eltern unnötig in Organisationsnöte, ohne dass es einen wirklichen Vorteil hat“, so die Pädagogin.*In einer früheren Version war hier von der Overbergschule die Rede. Das war falsch. Wir haben den Text entsprechend korrigiert.

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier
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