Viele Eltern bringen ihre Kinder trotz des erhöhten Infektionsrisikos für alle Beteiligten in die Kita - und haben sich diese Entscheidung gut überlegt. © BBC Creative / Unsplash.com
Kinderbetreuung

Pandemiebetrieb in Lüner Kitas: Verständnis, Unsicherheit und Hoffnung

In Lüner Kitas gilt seit Montag der Appell, die Kinder zu Hause zu betreuen. Kitaleitungen zeigen Verständnis für Eltern. Beim Impfen hängen Erzieher selbst in der Luft. Es gibt auch Hoffnung.

Nachdem der Kreis Unna Donnerstag gefordert hatte in Kitas nur noch eine Notbetreuung anzubieten folgte ein tagelanges hin und her. Freitag sickerte durch, dass das Land die Entscheidung nicht mittragen wolle, am Samstag schließlich die Entscheidung: Es geht zurück in den Pandemiebetrieb. Das heißt: Es gilt der Appell an Eltern, die Kinder wenn möglich zu Hause zu betreuen. Eine Verpflichtung dazu gibt es aber nicht.

„Wir haben das am Wochenende dann per Mail mit den Eltern kommuniziert“, sagt Jutta Beese, Verbundleiterin der katholischen Kitas in Lünen am Montag. Den ersten Tag im neuen Modus, den es schon zuvor einmal gegeben hatte, beschreibt Beese zwar als relativ entspannt, dass Wochenende sei aber sehr stressig gewesen. Zwischen 30 und 57 Prozent der Kinder seien am Montag dann da gewesen. Je nach Einrichtung.

Auf alle Kitas in Lünen betrachtet, waren am Montag rund 42 Prozent der Kinder in den Einrichtungen, wie die Stadt Lünen auf Anfrage erklärt. Der Wert schwanke aber von Kita zu Kita stark, wie Sprecher Benedikt Spangardt erläutert. So werden Kinder auch dann als nicht anwesend gezählt, wenn sie unter Quarantäne stehen. Also so oder so nicht in die Kita kommen dürften.

Unsicherheit bei Erziehern durch Impfstopp

Nicht zuletzt zeigte Beese sich auch irritiert von der Landespolitik. Sei zuvor noch ein Ampelsystem angekündigt worden, um auf sprunghaft steigenden Infektionszahlen reagieren zu können, habe man sich dann doch auf die Betreuungsgarantie berufen.

Auch die angekündigten Selbsttests seien noch in keiner der katholischen Einrichtungen in der Stadt angekommen und von durchgeimpften Personal könne noch längst nicht die Rede sein. „Wir haben alle eine Erstimpfung, aber noch bei weitem nicht alle eine Zweitimpfung“, sagt Beese. Ohnehin ein Unsicherheitsfaktor: Denn die Erstimpfungen seien allesamt mit Astrazeneca erfolgt. Der Impfstopp für die Altersgruppe unter 60 folgte kurz danach.

Von viel Verunsicherung spricht auch Christine Merten, Leiterung der Kita Kinderhaus e.V. „Unsere Eltern sind sehr geduldig, werden aber mit dem Appell auch wieder allein gelassen“, sagt sie. Klar, seien auch Kinder zu Hause geblieben. Viele andere seien aber auch gekommen. Auch, weil es viele berufstätige Eltern gebe. „Das ist kein schöner Zustand. Weder für uns, noch für die Eltern.“ Wenigstens den Kindern versuche die Kita so viel Normalität wie möglich zu bieten. Mit kleineren Gruppen und möglichst viel Zeit im Freien, wo die Ansteckungsgefahr geringer ist. „Wir freuen uns deshalb besonders auf das wärmere Wetter“, gibt Merten sich optimistisch.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus
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