Zäune waren für das Wildschein im Hermann-Löns-Weg kein großes Hindernis, es fand immer einen Weg. © Günther Goldstein
Schäden

Nach „Wildschwein-Besuch“ haben einige Hausbesitzer jetzt ein Problem

Der Tod des verletzten Wildschweins in Lünen schlägt hohe Wellen. In Sozialen Netzwerken gibt es Streit um das Vorgehen. Einige Hausbesitzer haben hingegen ein ganz anderes Problem.

Die Meinungen stehen unversöhnlich gegenüber: „Betäuben, gesundpflegen und dorthin bringen wo es her kam! Wo ist das Problem?“, fragt etwa ein Nutzer auf Facebook, der stellvertretend für andere spricht. Ein anderer sagt hingegen: „Ein verletztes Wildschwein ist gefährlich. Wenn es angreift, ist es in der Lage, einen Menschen schwer zu verletzen, im Ernstfall sogar zu töten. Das Tier betäuben und dann wieder frei lassen? Das wäre eine Gefahr für jeden gewesen, der sich in die Nähe des Tieres begeben hätte.“

Für die Polizei steht auch am Tag danach fest, dass es keine Alternative zu dem Vorgehen gab. „Das Wildschwein wurde uns als sehr unfreundlich beschrieben“, sagte eine Sprecherin der Polizei Dortmund-Lünen. Von dem Tier sei eine große Gefahr ausgegangen. Die Sprecherin berichtete, dass das Wildschwein zuvor eine Glasscheibe und eine Haustür von Anwohnern beschädigt habe. Im Bereich des Sees habe das Wildschwein zudem einen städtischen Zaun beschädigt.

Deutliche Spuren hinterließ das Wildschwein auf seinem Weg durch die Hermann-Löns-Straße.
Deutliche Spuren hinterließ das Wildschwein auf seinem Weg durch die Hermann-Löns-Straße. © Günther Goldstein © Günther Goldstein

Nicht bestätigt hätten sich hingegen erste Informationen, nach denen das herum laufende Wildschwein auch Autos beschädigt habe. Allerdings ist die Bestandsaufnahme noch nicht abgeschlossen. „Bürger, bei denen das Wildschwein Schäden verursacht hat, können sich weiter bei der Polizei melden.“

Neue Information: Wildschwein wurde nicht erschossen

Neue Informationen gibt es mittlerweile auch zum Tot des Tieres. Entgegen erster Nachrichten ist das Tier nicht erschossen worden. Die Polizei-Sprecherin verwies auf die besondere Situation am Ausflugsziel Cappenberger See und später in den Wohnsiedlungen. „Mehrere Jagdausübungsberechtigte und Polizisten haben das Tier gelanzt.“ Dabei kann ein einziger Lanzenstoß tödlich sein.

Eine ganz andere Frage stellen sich die Menschen, die einen Schaden zu beklagen haben. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit Sitz in Berlin hat dabei keine gute Nachrichten. Auf die Frage, wer für den von einem Wildschwein verursachte Schaden an einem abgestellten, privaten PKW aufkomme, verweist eine Sprecherin auf einen großen Unterschied. Wer eine Vollkaskoversicherung hat, wird entschädigt. Andere „eher nicht.“

Allerdings gebe es auch dann eine Möglichkeit, den Schaden erstattet zu bekommen – „wenn das Tier aus einem Wildpark entlaufen ist.“ Dann könne überprüft werden, ob der Betreiber oder Besitzer seinen Pflichten nachgekommen sei. Bei frei lebenden Tieren stehen die Chancen auf eine Kostenerstattung schlecht. Das gelte auch für Schäden am Haus oder in Gärten.

Obwohl Wildschweine immer häufiger in Wohngebieten gesichtet werden, scheint der Bereich in verschiedensten Versicherungen wenig bis kaum berücksichtigt. „Blitzschäden sind abgesichert, Schäden am Haus durch Wildschweine nicht“, bringt es die Sprecherin des GDV auf den Punkt. Sie verweist abschließend auf einen großen Unterschied zum Hund. Wenn ein Radfahrer einem Wildschwein ausweicht, stürzt und dabei sein Fahrrad beschädigt, bleibt er auf den Kosten sitzen. Bei einem Hund sehe das anders aus, weil die Besitzer eine entsprechende Versicherung haben.

Jagdaufseher: Wild flieht, gerät in Panik

Auf eine besondere Problematik bei freilaufenden und verletzten Wildschweinen weist Georg Amian, Landesvorsitzender des Jagdaufseherverbandes Nordrhein-Westfalen hin. „Wild flieht, gerät in Panik“, sagt der Landesvorsitzende. Aus seiner Sicht biete sich für eine tierschutzgerechte Tötung eine Langwaffe mit einem entsprechenden Kaliber an. „Ein gezielter Schuss reicht.“ Das sei bei den Kurzwaffen der Polizei nicht unbedingt gegeben.

In Lünen, so die Einschätzung der Stadtverwaltung, gibt es vor allem im Cappenberger Wald Wildschweine. Größere Probleme habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Mindestens zehn Jahre liege es zurück, dass ein Tier in der Stadt größere Schäden gesorgt habe – seinerzeit am alten Schlachthof an der Borker Straße.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer
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