Manchmal kann man das Gefühl haben, die Welt ist nur schlecht, doch Solidarität und Mitgefühl finden sich noch immer zahlreich - auch ein Jahr nach Beginn der Corona-Krise. © picture alliance/dpa
Meinung

Helfen statt nörgeln: Man muss nicht immer auf die Lautesten hören

Vor einem Jahr zeigte sich mit Beginn der Corona-Pandemie viel Hilfsbereitschaft. Unsere Autorin war sich nicht sicher, ob davon noch etwas übrig ist. Doch dann fand sie den Gegenbeweis.

Wenn man zu viel Zeit an manchen Orten des Internets verbringt, kann man den Eindruck gewinnen, die Welt wäre ein furchtbar schlechter Ort. Ich weiß das, denn ich verbringe Teile meiner Arbeitszeit damit, Facebook-Kommentare zu moderieren.

Umso schöner war es daher zu sehen, wie die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr zeigte, dass die Welt eben nicht so ist. Dass Menschen für ihre Nachbarn einkauften, für wildfremde Menschen Masken nähten und sich stets wünschten, man möge doch gesund bleiben. Ein Lichtstrahl für mein Optimisten-Herz.

Viele Menschen waren berührt

Doch ist davon noch was übrig geblieben, fragte ich mich in letzter Zeit immer öfter. Sind alle zu sehr damit beschäftigt, sich über fehlenden Urlaub, Homeschooling und Lockdown-Koller zu unterhalten?

Nein, wie die Reaktionen auf eine Geschichte meines Kollegen Torsten Storks jetzt zeigen. Ein über-90-Jähriges Paar, das sich die Fahrt zum Impfzentrum nicht leisten kann und wegen des Termins keine Impfung beim Hausarzt erhielt, hat unfassbar viele unserer Leserinnen und Leser berührt. Via Mail oder Telefon boten sie an, das Ehepaar gern kostenlos zum Impfzentrum nach Unna zu fahren. Das zeigt mir, dass die Hilfsbereitschaft vieler Menschen immer noch groß ist – trotz berechtigter Pandemie-Müdigkeit. Es ist schön zu wissen, dass das noch immer so ist. Es macht mir Mut und es zeigt: Man muss nicht immer auf die Lautesten hören.

Über die Autorin
Redakteurin
Ich bin neugierig. Auf Menschen und ihre Geschichten. Deshalb bin ich Journalistin geworden und habe zuvor Kulturwissenschaften, Journalistik und Soziologie studiert. Ich selbst bin Exil-Sauerländerin, Dortmund-Wohnerin und Münsterland-Kennenlernerin.
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Sabine Geschwinder
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