Hier wollen viele rein, die um einen vorgezogenen Platz in der Impfreihenfolge kämpfen. Voraussichtlich kann das Impfzentrum erst im April Termine vergeben, die einen Priorisierungsantrag stellen. © Udo Hennes
Fahrten zum Impfzentrum

Happy End: Viele Hilfsangebote für über 90-jährige Eheleute aus Lünen

Dass ihre Geschichte über die Schwierigkeiten nach Unna zum Impfen zu kommen eine so große Resonanz auslösen würde, damit hatte das hochbetagte Lüner Ehepaar „nicht im Traum“ gedacht.

Die Berichterstattung unserer Redaktion über die 93 und 94 Jahre alten Lüner Eheleute, die sich aus finanziellen Gründen die Taxifahrten zum Impfzentrum in Unna nicht leisten können und denen der im Urlaub verweilende Hausarzt die Impfung verweigert, hat schon kurz nach Erscheinen am Mittwochabend (7. April) eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst – zur großen Freude des hochbetagten Ehepaares in Lünen-Süd.

Schon in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (8. April) erreichten zahlreiche E-Mails die Redaktion. Das ging am darauf folgenden Tag munter weiter, zusätzlich riefen zahlreiche Leser der Ruhr Nachrichten und User unseres Internetauftrittes die Redaktion an. Und alle hatten nur eines im Sinn:

Das Ehepaar kostenlos nach Unna fahren! Doch damit nicht genug.

Unter den Hilfsangeboten fand sich auch das eines Lüner Allgemeinmediziners. Der erklärte sich bereit, die Eheleute sofort zu impfen. „Bitte hören Sie mal nach, ob die Herrschaften denn auch bereit sind, sich mit Astrazeneca impfen zu lassen“, sagte der Arzt Donnerstagvormittag im Gespräch mit unserer Redaktion. Gesagt, getan.

Kein Astrazeneca

Doch die Senioren lehnten ab: „Erst mal vielen, vielen Dank, auch dem Arzt. Das ist ja super lieb. Aber mit Astrazeneca wollen wir uns nicht impfen lassen. Da haben wir einfach Angst, bei dem ganzen Trubel und den vielen widersprüchlichen Aussagen rund um den Impfstoff“, sagte die 94-Jährige am Telefon.

Außerdem sei eine Bekannte mit Astrazeneca geimpft worden, und „die hat das gar nicht so gut vertragen“.

Blieb also nur eines der zahlreichen kostenlosen Fahrangebote, das die Eheleute nach Rücksprache sehr gerne in Anspruch nehmen. „Wir sind doch so froh, und wir wollen das ja auch gar nicht umsonst haben. Ein paar Euro machen wir schon flüssig.“

Eine anonymisierte Auswahl der per Mail eingereichten Hilfsangebote:

  • „Ich habe soeben ihren Artikel über die beiden über 90-jährigen Eheleute gelesen, die sich eine Taxifahrt zum Impfzentrum nicht leisten können. Meine Großeltern haben auch nur eine kleine Rente und werden auch von der Familie zum Impfzentrum gefahren. Ich würde gerne meine Hilfe anbieten. Wenn ich etwas tun kann, sei es die beiden dorthin zu fahren wenn es terminlich passt, lassen sie es mich wissen.“
  • „Sie können dem Ehepaar gerne anbieten, dass ich sie (natürlich mit FFP2-Maske und desinfektioniert) ins Impfzentrum fahre und begleite. Wenn das zum gegebenen Termin – trotz Teilzeit – mit meinen dienstlichen Verpflichtungen (im Homeoffice) nicht in Einklang zu bringen ist, organisiere ich einen Transfer über eine der ehrenamtlichen Hilfseinrichtungen und spende eine Kostenbeteiligung von 100 Euro (…).“
  • „Mein Mann und ich haben gerade Ihren Artikel zu dem älteren Ehepaar aus Lünen-Süd gelesen, die sich das Taxi zum Impfzentrum Unna nicht leisten können und vom Hausarzt nicht geimpft werden. Wir bieten gerne an, die beiden kostenlos dorthin zu fahren. Sie können sich sehr gerne bei uns melden.“
  • „Ich möchte mich auf Ihren Artikel von gestern beziehen und anbieten, dieses ältere Ehepaar zum Impfzentrum zu bringen. Ich werde heute erst geimpft, sodass eine gegenseitige Ansteckung minimiert wird. Können Sie den Kontakt herstellen (…)?“„Ich würde die beiden Senioren kostenlos nach Unna fahren.“
  • „Hallo zusammen, ich kann das Ehepaar aus Lünen kostenlos nach Unna fahren.“
  • „Guten Tag, völlig fasungsslos habe ich den Bericht über das Ehepaar aus Lünen-Süd lesen müssen. Ich möchte die Beiden an ihren jeweiligen Terminen zum Impfen fahren. Ich habe eine großes bequemes Auto und bin eine gute Fahrerin! Können Sie dem Ehepaar meine Telefonnummer geben, damit wir das absprechen können, wenn die Beiden damit einverstanden sind?“
  • „Vielen Dank für das von Ihnen geschilderte Problem des älteren Ehepaares aus Lünen-Süd. Solange meine Mutter lebte – 2017 ist sie 96-jährig verstorben –, habe ich sie zu all ihren Terminen gebracht und abgeholt. Deshalb bin ich gerne bereit, die Beiden abzuholen und zum Impfzentrum Unna zu begleiten. Vielleicht melden sich ja noch andere Leser, dann könnten wir uns die Fahrten teilen.“
Über den Autor
Redaktion Lünen
Jahrgang 1968, in Dortmund geboren, Diplom-Ökonom. Seit 1997 für Lensing Media unterwegs. Er mag es, den Dingen auf den Grund zu gehen.
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Torsten Storks
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