Constanze Pasternak verfolgte die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstag (21. Januar) aus einer Plexiglas-Kabine. © Claeßen
Corona und Politik

AfD-Frau mit Visier muss in Plexiglas-Kabine: Skurriles Bild in Lünen

Alle reden über die Maskenpflicht, doch nicht jeder trägt eine. Zwei Mitglieder der AfD Lünen haben ein Attest und kommen nur mit Visier zu den politischen Sitzungen. Das hat jetzt Folgen.

Besucher der Haupt- und Finanzausschusssitzung am Donnerstagabend (21. Januar) dürften zunächst irritiert gewesen sein: Einer der 22 Plätze für die Politikerinnen und Politiker war in eine Plexiglaskabine umgewandelt worden. Es hatte ein bisschen was von der Zelle des Psychopathen Dr. Hannbial Lecter in dem Film „Das Schweigen der Lämmer“, war am Ende aber nur eine Schutzvorrichtung für (oder vor) Constanze Pasternak, Ratsmitglied der AfD.

Der Grund für diese dann doch etwas seltsame Anordnung: Sowohl Constanze als auch ihr Vater Peter Pasternak hatten zu Beginn der Legislaturperiode ein Attest vorgelegt, das sie vom Tragen einer Maske befreit. Ob dieses Attest von dem Bochumer Arzt stammt, der Ende vergangenen Jahres dadurch bekannt wurde, dass er eine ganze Reihe von AfD-Mitgliedern, Querdenkern und Corona-Leugnern mit einer solchen Befreiung ausgestattet hat, ist allerdings nicht bekannt.

Fraktionen drohten mit Sitzungsabbruch

So oder so: Die Pasternaks tauchten seitdem mit einem Gesichtsvisier in den Sitzungen auf, das für beide anscheinend zumutbar ist, allerdings nach allgemeinen Standards überhaupt keinen Schutz vor einer Infektion bietet. „Daraufhin haben zwei Fraktionen gegenüber der Stadt erklärt, dass sie sich in den Sitzungen nicht ausreichend geschützt fühlen“, sagt Stadtsprecher Benedikt Spangardt auf Anfrage. „Sie haben damit gedroht, die Sitzung abzubrechen, wenn hier keine Abhilfe geschaffen wird.“

Generell herrscht bei den politischen Sitzungen der Stadt Lünen eine Maskenpflicht. Also bat die Stadt das Unternehmen „Late Night Concepts“, das bei den Ausschusssitzungen im Erlebnisreich-Campus als Gastgeber fungiert, sich etwas auszudenken – mit dem bekannten Ergebnis.

„Wir haben trotz Corona doch einige Veranstaltungen hier, für die wir natürlich immer ein Hygienekonzept vorlegen müssen“, sagt Geschäftsführer Ingo Kaiser. Genau wisse er es nicht, „aber ich gehe mal davon aus, dass wir die passenden Teile auf Lager hatten“.

Auch Constanze Pasternak habe sich in einem Telefonat mit der Lösung einverstanden erklärt, so Spangardt. „Wobei sie bei der Ankunft am Donnerstag dann wohl doch etwas irritiert war.“ Offenbar war die AfD-Abgeordnete davon ausgegangen, dass jeder Sitz einen solchen Schutz erhalten würde – stattdessen hatte sie an diesem Abend nun einen wahrhaft exklusiven und sicheren Platz.

Den anderen Fraktionen schien es recht zu sein, die Sitzung konnte wie geplant laufen – und selbst die Wortbeiträge von Constanze Pasternak waren trotz Plexiglas gut zu verstehen.

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Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen
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