Stein des Anstoßes: Die regenbogenfarbene Kapitänsbinde von Manuel Neuer. © dpa
Fußball

Wie Manuel Neuer: Würden die heimischen Kapitäne mit Regenbogenbinde auflaufen?

Manuel Neuer lief in den bisherigen beiden EM-Spielen mit der Regenbogenbinde auf – und erntete eine Uefa-Ermittlung. Dass der Verband überhaupt ermittelt hat, nennt ein heimischer Kapitän „eine Farce“.

Kurzzeitig ermittelte die Uefa gegen Manuel Neuer. Dass der deutsche Nationaltorhüter in den bisherigen Gruppenspielen mit einer bunten Kapitänsbinde auflief, sah der Verband als mögliches politisches Zeichen – eigentlich strikt verboten. Die Untersuchung wurde kurz darauf eingestellt und das Tragen der Binde als „good cause“ eingestuft, als guter Zweck im Sinne der Diversität und Toleranz. Auch die heimischen Kapitäne haben eine klare Haltung zu diesem Thema.

Nils Hoppe, Holzwickeder SC: „Ich halte es grundsätzlich für richtig, gewisse Werte in der Öffentlichkeit zu vertreten. Gerade bei einer EM, die als Turnier für jedermann angekündigt wurde. Und vor dem Hintergrund, dass auch im Jahr 2021 in manchen Staaten wie jetzt aktuell in Ungarn Entwicklungen zu beobachten sind, wo Rechte von homosexuellen Menschen beschnitten oder homosexuelle Handlungen unter Strafe gestellt werden, ist es richtig, ein internationales Turnier wie die Fußball-Europameisterschaft als Plattform zu nutzen, um sich gegen diese Missstände auszusprechen.

Nils Hoppe sagt, er würde auch eine regenbogenfarbene Kapitänsbinde tragen. © Schürmann © Schürmann

Ich hätte prinzipiell auch nichts dagegen, selber mit einer Regenbogen-Binde aufzulaufen. Allerdings sollte man so etwas als größere, gemeinschaftliche Aktion mehrerer Vereine oder verbandsübergreifend organisieren. Das würde für mehr Akzeptanz sorgen. Sonst könnte ich mir schon vorstellen, dass man sich auf negative Reaktionen oder dumme Sprüche einstellen muss.“

Timo Milcarek, SuS Kaiserau: „Dass die Uefa überhaupt Ermittlungen aufgenommen hat, ist für mich schon eine Farce. Politische Statements sind zwar verboten – das Einsetzen für Menschenrechte und gegen Diskriminierung von Bevölkerungsgruppen ist in meinen Augen aber keine politische Äußerung, sondern eine Frage von Menschlichkeit und Haltung. Auf der einen Seite werden hier Ermittlungen aufgenommen, auf der anderen Seite werden homophobe Banner der ungarischen Fans toleriert. Auch ich würde gegebenenfalls mit einer Regenbogenbinde auflaufen.

In meinem Augen ist es unerlässlich, dass sich auch Fußballer klar positionieren. Mit der Reichweite und Akzeptanz, die alle Profifußballer – insbesondere die Nationalspieler – in Deutschland und weltweit haben, kann man viel erreichen und die Basis mitnehmen. Mir ist noch einmal wichtig, zu betonen, dass es hier nicht um eine politische Einstellung geht, sondern um eine menschliche Haltung.“

Jan Pfeffer, SSV Mühlhausen: „Eigentlich ist es traurig, dass es solcher Zeichen heutzutage noch benötigt. Man geht ja eigentlich davon aus, dass das alles schon lange gelebt ist, deshalb ist es ein gutes und richtiges Zeichen – gerade in Hinblick auf das Spiel gegen Ungarn. Ich würde die Regenbogenbinde auch tragen, bei uns sollte man vielleicht aber auch die Reichweite im Blick haben. Aber es könnte ein Zeichen sein, wenn sich alle heimischen Amateurvereine zusammentun und an einem bestimmten Spieltag die Binde tragen.

Dass die Uefa Ermittlungen aufgenommen hat, ist deren Absicherung. Im letzten Jahr und auch jetzt im Vorfeld der EM hat sich die Uefa bezüglich der Proteste gegen Rassismus ja bereits positiv geäußert.“

Damian Marchewka sieht auch Amateurfußballer in der Pflicht, ein Zeichen zu setzen.
Damian Marchewka sieht auch Amateurfußballer in der Pflicht, ein Zeichen zu setzen. © KSV © KSV

Damian Marchewka, Königsborner SV: „Ich finde es richtig, dass die Nationalmannschaft und die Fußballer generell diese Haltung zeigen, weil es leider immer noch einige Leute da draußen gibt, die nicht für Toleranz stehen, die rassistisch sind und diskriminieren – und das geht überhaupt gar nicht. Die politische Einstellung ist damit überhaupt kein Vergleich, denn da gibt es viele Ausprägungen, während es bei diesem Thema nur einen einzigen Weg gibt. Auch wir Amateurfußballer können regional Stellung beziehen, dass wir für Vielfalt stehen und jeden so akzeptieren, wie er ist. Deshalb würde ich auch die bunte Kapitänsbinde tragen, weil es auch uns als Verein widerspiegelt: Hier ist jeder willkommen!“

Ihre Autoren
Freier Mitarbeiter
Seit 2019 als freier Mitarbeiter für Lensing Media im Einsatz. Hat ein Faible für sämtliche Ballsportarten und interessiert sich für die Menschen, die den Sport betreiben - von der Champions League bis zur Kreisliga.
Zur Autorenseite
Avatar
2014 als Praktikant in der Sportredaktion erstmals für Lensing Media aufgelaufen – und als Redaktionsassistent Spielpraxis gesammelt. Im Oktober 2017 ablösefrei ins Volontariat gewechselt und im Anschluss als Stammspieler in die Mantel-Redaktion transferiert. 2021 dann das Comeback im Sport, bespielt hauptsächlich den Kreis Unna.
Zur Autorenseite
Marc-André Landsiedel

Unna am Abend

Täglich um 18 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt