Mehr als jede zehnte Privatperson hat in Nordrhein-Westfalen mit einer Überschuldung zu kämpfen. © picture alliance / dpa
Schuldner-Atlas 2021

Überschuldung im Kreis Unna geht zurück: Fröndenberg macht größten Sprung

In NRW hat rund jeder Zehnte mit Schulden zu kämpfen. Nachdem die Schuldnerquote in den vergangenen Jahren stets stieg, scheint sie sich nun in die andere Richtung zu entwickeln.

Auf den ersten Blick hören sich die Zahlen erschreckend an: Mehr als jede zehnte Privatperson in Nordrhein-Westfalen gilt als überschuldet. Sprich: Es gelingt der Person nicht mehr dauerhaft, mit den monatlichen Einnahmen die monatlichen Ausgaben zu decken. Was drastisch klingt, ist dennoch eine Verbesserung. Denn: Die Überschuldung in NRW hat deutlich abgenommen, wie das Unternehmen Creditreform in einer Pressemeldung zum Schuldner-Atlas 2021 mitteilt.

Im Kreis Unna geht die Schuldnerquote zurück. Den größten Sprung verzeichnet Fröndenberg. Im Jahr 2004, als das Unternehmen Creditreform die erste Erhebung durchführte, betrug der Prozentsatz der Verschuldeten in der Ruhrstadt noch 10,11 Prozent. In diesem Jahr sind es nur noch 8,71 Prozent der Privatpersonen.

Einen ähnlichen Rückgang gab es in Holzwickede. Von 8,53 Prozent im Jahr 2004 liegt die Quote aktuell nur noch bei 7,42 Prozent. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sank die Anzahl der Schuldner besonders stark in Bergkamen. Hier ging die Quote um 1,39 Prozent zurück.

Unnas Stadtteile unterschiedlich betroffen

In Unnas Nachbarstadt Dortmund liegt die Schuldnerquote bei 12,73 und in Hamm bei 13,09 Prozent. Die Stadt Unna selbst liegt mit 9,49 Prozent jeweils darunter. Im Vergleich zum Wert aus dem Jahr 2020 (10,59 Prozent) gab es nur eine leichte Verbesserung.

In Unna beobachten die Creditreform-Experten dabei deutliche Unterschiede zwischen den untersuchten Postleitzahl-Gebieten: So weist der Bereich 59427 eine verhältnismäßig geringe Schuldnerquote von 7,95 Prozent auf (Vorjahr: 8,81 Prozent). Der Bereich 59425 mit Königsborn und Massen liegt mit 10,07 Prozent im Mittelfeld. Das Schlusslicht bilden die Ortsteile mit der Postleitzahl 59423 mit einem Wert von 10,44 Prozent.

In ganz NRW liegt die Schuldnerquote aktuell bei 10,47 Prozent und ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,16 Prozentpunkte gesunken. In den Jahren zuvor war sie seit 2012 kontinuierlich angestiegen. In 2021 sind 441.620 Bürger des Ruhrgebiets über 18 Jahre überschuldet. Dies sind mehr als 42.000 Personen weniger als noch im letzten Jahr (2020: 483.832). Deutschlandweit hat sich die Quote mit 8,86 Prozent um 1,01 Prozentpunkte verringert.

Düstere Prognose für die kommenden Jahre

Als Gründe für den Rückgang von Schuldnern führt das Unternehmen Creditreform den Corona-Lockdown und die damit zusammenhängende Konsumzurückhaltung an. „Offensichtlich haben die immensen staatlichen Stützungs- und Hilfsmaßnahmen geholfen, die Wirtschaft zu stabilisieren und Unternehmen und Verbraucher vor einer befürchteten Zahlungsunfähigkeit

zu bewahren“, heißt es.

Zugleich hätten pandemiebedingte Einschränkungen und die gleichzeitige

Ausgabenvorsicht der Verbraucher zu einem sprunghaften Anstieg der Sparquote und Ersparnisse geführt.

Die Prognose für die kommenden Jahre ist jedoch düster. „Die wirtschaftliche Lage wird sich für viele Verbraucher im nächsten und übernächsten Jahr verschlechtern“, vermutet Creditreform. Grund hierfür sind vor allem allem Einkommenseinbußen. Außerdem werden die Mobilitätskosten (Benzin), Energiekosten und Kosten für Güter des täglichen Bedarfs steigen.

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Maximilian Konrad

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