Im Rahmen des Sängertags wurde der Vorstand wiedergewählt und der bislang kommissarische Kreischorleiter Joachim Stoff im Amt bestätigt. Teamsprecher bleibt Wilfried Gockel, um die Kasse kümmert sich Vilja Gieler. © Stefan Milk
Chöre im Kreis Unna und Hamm

Chorsterben geht weiter: Hilfegesuche werden aber gehört

Plötzlich war Singen ungesund. Viele Sängerinnen und Sänger wurden von der Corona-Pandemie hart getroffen. Viele Chöre starben daran. Doch es gibt noch Hilfen, die abgefragt werden können.

Viele Zuhörer haben in den vergangenen anderthalb Jahren den Konzertbesuch vermisst. Nicht weniger gelitten haben aber auch diejenigen, die dabei auf der Bühne stehen. Und zwar nicht nur die Profis, die bisweilen finanzielle Hilfen vom Staat erhielten, sondern gerade die kleinen Hobby-Chöre auf lokaler Ebene.

Den oftmals seit Jahrzehnten eifrigen Sängerinnen und Sänger fehlte dabei nicht der Applaus, sondern vor allem das wöchentliche beieinander und miteinander sein. Zu erleben, wie aus vielen Menschen ein Chor und dabei ein Klangkörper im Raum wird, dieses Gefühl konnte keine Technik der Welt und keine Video-Konferenz ersetzen.

Emotionale Leere und finanzielle Probleme

Doch nicht nur der emotionale Aspekt ließ viele Chöre ins Bodenlose fallen, es waren vor allem finanzielle Aspekte, die beim Chorverband Hellweg-Lippe, wie die fusionierten Kreischorverbände Unna-Kamen und Hamm inzwischen heißen, für Mitgliederschwund sorgten. „Die Miete für Probenräume musste ebenso weitergezahlt werden wie die Chorleiter-Honorare“, erklärte Vorstandsmitglied Mechthild Wierike beim Kreissängertag am Sonntag in Kamen-Heeren. Kosten, denen aufgrund abgesagter Veranstaltungen keine Einnahmen gegenüberstanden.

„Die Vorstände vieler Chöre mussten plötzlich viele Entscheidungen treffen“, weiß Wierike, dass dies mancherorts auch das Aus bedeutete. Denn die finanzielle Situation brach etlichen Chören das Genick. Das belegt auch die Mitgliederstatistik des Chorverbandes Hellweg-Lippe: Die Zahl der aktiven Sänger in den Chören ging von 1396 auf 1237 zurück. Ein Minus von 159. Auch die Zahl der Fördermitglieder sank von 1070 um 92 auf 978.

Vier Chöre überlebten Corona nicht

Drei Chöre gaben zudem ganz auf, ein weiterer Chor befinde sich derzeit in der Auflösung, berichtete Wierike. Und das sind nur die Chöre, die Mitglied im Verband Hellweg-Lippe sind. Doch nicht jeder Chor im östlichen Kreis Unna und der Stadt Hamm ist auch Mitglied im Chorverband. Der einzige Jugendchor beispielsweise, der dort für den Kreis Unna als Mitglied gelistet ist, sind Claras Voices aus Holzwickede.

Doch eine Mitgliedschaft im Verband lohnt sich, wurde in den Berichten der Vorstandsmitglieder deutlich, denn über die höheren Ebenen der Verbandsarbeit lassen sich Fördergelder oder finanzielle Hilfen anfordern. Für das kommende Jahr endete die Bewerbungsfrist um Gelder zwar am 30. September – aber: „Es gibt derzeit viele finanzielle Hilfen. Man muss sich nur kümmern, aktiv danach fragen und tätig werden, sonst bekommt man nichts“, schrieb Wierike den Mitgliederchören ins Stammbuch, auch mal selbst tätig zu werden und vom Vorstand verschickte Mails auch zu lesen.

Hilfe gibt es auch von Außerhalb

Auch Politik und Kommunen hätten offene Ohren, signalisierten Kamens Bürgermeisterin Elke Kappen und der stellvertretende Landrat Martin Wiggermann in ihren Grußworten. „Wir haben die Rufe vernommen“, bestätigten beide, zumal Kappen, selbst leidenschaftliche Chorsängerin seit ihrem zehnten Lebensjahr, genau um die Nöte der Sängerinnen und Sänger weiß. „Aber Kamen ist auch stolz auf sein reges Vereinsleben, seine Kultur und vor allem die hausgemachte Musik. Ich wünsche mir, dass das erhalten bleibt.“

Deshalb appellierte sie auch an die Chöre und interessierte Sänger, die Ansprüche in unserer so perfektionierten Welt einfach mal herunterzuschrauben. „Das schreckt die Menschen ab, einfach mal was Neues auszuprobieren“, so Kappen. Und gerade in einem Chor zähle doch jede Stimme, ob dick oder dünn.

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