Rathäuser und Schwimmbäder: In Kamen und Bergkamen wird heute gestreikt

dzTarifstreit

Statt zur Arbeit sollen Beschäftigte an diesem Mittwoch zum Warnstreik gehen: In Kamen und Bergkamen müssen Kunden mit Einschränkungen in öffentlichen Einrichtungen rechnen.

Kamen, Bergkamen

, 23.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer einen Behördengang zu erledigen hat oder ein Schwimmbad besuchen will, muss an diesem Mittwoch mit Einschränkungen rechnen. Über 1000 Beschäftigte der Stadtverwaltungen und städtischen Eigenbetriebe in Kamen und Bergkamen sowie der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) sind zu einem Warnstreik aufgerufen. Öffentlichen Einrichtungen droht ein Notbetrieb oder die vorübergehende Schließung.

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Kundgebung um 8.30 Uhr

Der Warnstreik im öffentlichen Dienst, der am Dienstag in mehreren Städten, darunter Unna, begann, erreicht am Mittwoch Kamen und Bergkamen. Die Beschäftigten der Städte Kamen und Bergkamen sowie der GSW sollen gemäß einem Aufruf der Gewerkschaft Verdi ab 7 Uhr ihre Arbeit niederlegen und sich ab 8.30 Uhr auf dem Rathausplatz in Kamen für eine Kundgebung versammeln.

Mit der Protestaktion von Straßenwärtern, Sachbearbeitern oder Bademeistern will die Gewerkschaft den Lohnforderungen im laufenden Tarifstreit mit Kommunen und Bund Nachdruck verleihen. Die zweite Verhandlungsrunde ist am Wochenende in Potsdam zu Ende gegangen, ohne dass die Arbeitgeber ein Angebot vorgelegt haben. Verdi und der Beamtenbund dbb fordern 4,8 Prozent mehr Lohn, es geht um 150 Euro mehr im Monat bei einer geforderten Laufzeit von zwölf Monaten.

Tarifkonflikt

Bürgermeisterin drängt auf Einigung

  • Kamens Bürgermeisterin Elke Kappen (SPD) hat im Tarifkonflikt für eine Einigung angesichts der Corona-Krise geworben. In einem Schreiben an den Präsidenten der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände, Ulrich Mädge, macht sie deutlich, dass die Arbeit im öffentlichen Dienst mehr sei als nur ein Job. Vielmehr sei sie ein Dienst am und für das Gemeinwesen. „Der öffentliche Dienst ist Dienst am Menschen“, so die Bürgermeisterin. Dies gelte im Besondern in der aktuellen Corona-Krise.
  • Die Kamener Bürgermeisterin betont, dass dem als systemrelevant eingestuften öffentlichen Dienst von vielen Stellen bereits Lob und Anerkennung ausgesprochen worden sei. „Ich halte es in diesem Zusammenhang allerdings für unerlässlich, dass sich diese allgemeine Wertschätzung ebenfalls in einer angemessenen Entlohnung widerspiegelt“, fordert sie. „Systembelastende Arbeitskämpfe“ sollten in der jetzigen Situation vermieden werden. Aus diesem Grund fordert sie die Arbeitgeber auf, ein verhandelbares Angebot vorzulegen.

Menschenkette zwischen Rathaus und GSW-Zentrale

Vertreter der beteiligten Betriebsgruppen werden bei der Demonstration in Kamen sprechen. „Anschließend wollen wir versuchen, unter Einhaltung der Corona-Mindestabstände und mit Flatterband eine Menschenkette vom Rathaus bis zu den GSW zu bilden“, sagte Uwe Fleißig, Verdi-Mitglied und Personalratsvorsitzender der Stadt Kamen. Der Personalratsvorsitzende der Stadt Bergkamen, Michael Hoffmann, Mitglied der Gewerkschaft VdStra im Deutschen Beamten-Bund, bestätigte, dass ein Warnstreikaufruf von Verdi für die Stadt Bergkamen vorliegt, und äußerte sich solidarisch zu der Aktion.

150 Euro mehr im Monat

Der Tarifstreit für zwei Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst betrifft allein bei der Stadt Kamen rund 560 Beschäftigte, darunter 140 Beamte. Bei den GSW sind rund 200 Menschen beschäftigt. Die Stadt Bergkamen verfügt über 404 Stellen, darunter knapp 67 Beamtenstellen. Im Gegensatz zu den tariflich Beschäftigten dürfen Beamte nur außerhalb ihrer Dienstzeit an Protestaktionen teilnehmen. Der eine oder andere Beamte könnte sich also allenfalls zur Frühstückspause unter die Demonstranten mischen.

Hallenbad Kamen bleibt geöffnet

Ein Notbetrieb soll in den Rathäusern, weiteren Einrichtungen und bei den GSW verhindern, dass die Streikenden alles lahmlegen können. Allerdings teilten die GSW am Dienstag mit, dass die Kundencenter und Bäder mit Ausnahme des Hallenbads Kamen und des Kundencenters Kamen am Warnstreiktag geschlossen bleiben.

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