Im Schnelltestzentrum an der Westicker Straße lassen immer mehr Eltern ihre Kinder mit einem sogenannten Spucktest testen. © Stefan Milk
Coronavirus

Sorge vor Lollitests: Manche Eltern bringen Kinder lieber zum Spucktest

An einem Schnelltestzentrum in Kamen ist immer noch viel Betrieb. Unter anderem kommen Eltern vorbei, die nicht wollen, dass ihre Kinder in der Schule getestet werden. Aus zwei Gründen.

„Wir waren positiv erschrocken. Zunächst haben wir in Unna angefangen und dachten, dass Kamen die Zweigstelle wird. Aber dort ist die Teststelle mittlerweile stärker frequentiert.“ Aktuell lassen sich täglich noch viele Menschen auf dem Parkplatz der Firma Vahle an der Westicker Straße testen. Dort betreibt Max Heumann gemeinsam mit Sven Hüchtmann das Schnelltestzentrum.

Es ist eine der wenigen Teststellen, die ihre Zeiten noch nicht eingeschränkt haben und von 7 bis 17 Uhr testen. Das ist wohl einer der Gründe dafür, dass die Tests noch gut angenommen werden, wie Heumann beobachtet. Ein weiterer Grund sind die vielen Eltern, die morgens kommen, um ihre Kinder zu testen.

Die Teststation bietet nämlich nicht nur Tests per Rachenabstrich (Schnelltest und PCR), sondern auch Lollitests und Spucktests.

Diese kinderfreundlichen Varianten sind für Eltern sehr attraktiv. „Mindestens 50 Eltern kommen täglich vorbei und testen ihre Kinder für die Schule“, sagt Heumann. Für die Eltern sei das attraktiv, weil sie beim Test dabei sein können und die Kinder sich nicht alleine testen müssen.

Manche Eltern haben Angst vor giftigen Teststäbchen – unbegründet

Vor Ort erfahren wir, dass das offenbar nicht der einzige Grund ist. Manche Eltern würden nicht wollen, dass ihre Kinder mit Lollitests getestet werden, weil sie Angst davor haben, das diese giftig sein könnten, erzählt eine Mitarbeiterin des Schnelltestzentrums.

Dass die Eltern in Kamen nicht die einzigen sind, zeigt bereits eine schnelle Recherche im Netz. Offenbar haben sich schon einige Menschen gefragt, ob die Corona-Teststäbchen krebserregend sind.

„Ausgelöst wurde diese Frage mutmaßlich durch mehrere Videos in sozialen Medien, die fälschlicherweise behaupten, dass mit Ethylenoxid beschichtete Tupfer in Antigen-Tests Krebs verursachen“, schreibt das ZDF.

Grundschulkinder müssen sich zweimal pro Woche mit einem Lollitest auf das Coronavirus testen. Eltern können ihre Kinder aber auch selbstständig in einem Testzentrum testen lassen. In Kamen nehmen das nicht wenige in Anspruch. © dpa © dpa

Die Sorge ist jedoch unbegründet. Erstens ist es so, dass die Stäbchen nicht mit dem Stoff beschichtet seien. Verwendet wird er bei der Produktion zwar, aber zum Sterilisieren. Wenn die Lollitests in den Klassen ausgepackt werden, ist von dem Ethylenoxid nichts mehr auf den Stäbchen. Das beweist eine Studie aus dem Jahr 2017, die die National Library of Medicine veröffentlichte. Sie zeigt, dass die Rückstände drei Wochen nach der Behandlung mit Ethylenoxid-Gas nicht mehr nachweisbar waren.

Laut der Seite „Ökotest“ hat das Gas die Eigenschaft, sich schnell zu verflüchtigen. Es ist zwar giftig, nach der Ausgasungszeit aber nicht mehr vorhanden. Das stellen auch Kontrollen der Stellen und Behörden sicher, die die Tests durchlaufen müssen, bevor sie zugelassen werden und auf den Markt kommen.

Teststellen sind nicht sicher, ob Tests wirklich etwas kosten werden

Übrigens wird Ethylenoxid schon lange zum Sterilisieren verwendet – und das nicht erst, seit es Lollitests gibt. „Ethylenoxid wird nur zur Sterilisation von Tupfern verwendet und ist eines der am häufigsten verwendeten Sterilisationsinstrumente in der Gesundheitsbranche“, heißt es in einem Statement des US-amerikanischen Ministeriums für Gesundheit und Soziales.

Max Heumann (links) und Sven Hüchtmann bei der Eröffnung des Schnelltestzentrums in Unna. Es folgte ein zweites in Kamen, das immer noch gut frequentiert ist. © Marcel Drawe/Archiv © Marcel Drawe/Archiv

Sorgen sind also unbegründet. Es stellt sich außerdem die Frage, wie lange Eltern und auch alle anderen die Tests noch kostenlos in Anspruch nehmen können. Offiziell sollen die Schnelltests ab dem 11. Oktober selbst finanziert werden, wobei das vor dem Wahlkampf noch heiß diskutiert wird. Nicht wenige Politiker sprechen sich dafür aus, die Schnelltests weiterhin kostenlos anzubieten, um die Pandemie einzudämmen.

Diese kontroverse Diskussion verunsichert die Menschen, wie Max Heumann mitbekommt. „Viele fragen uns, aber wir könne noch keine Aussage dazu machen“, sagt er. Die Teststellen hätten noch keine Informationen, wie es ab dem 11. Oktober weiter gehen soll und wie sich die Kosten gestalten werden, wenn sie denn kommen. „Wir zweifeln noch daran, dass die Tests kostenpflichtig werden“, sagt Heumann. Durch den Wahlkampf vermute er, dass sich noch viel tun wird. „Noch gibt es wenig System hinter der Aussage, dass die Tests kostenpflichtig werden.“

Heumann und sein Partner wollen deshalb erst einmal eine neue Verordnung abwarten und dann entscheiden, wie genau es mit den beiden Schnelltestzentren weitergeht. „Wir agieren kinderfreundlich mit Lollitests und Spucktests. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Seit Neustem bieten wir auch PCR-Tests an. So überleben wir vielleicht.“

Über die Autorin
Jahrgang 1991. Vom Land in den Ruhrpott, an der TU Dortmund studiert, wohnt jetzt in Bochum. Hat zwei Katzen, liest lieber auf Papier als am Bildschirm. Zu 85 Prozent Vegetarierin, zu 100 Prozent schuhsüchtig.
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Claudia Pott

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