Der Chef des Unnaer Krisenstabs ist besorgt über steigende Corona-Fallzahlen. Uwe Hasche mahnt zur Vorsicht, kündigt neue Corona-Teststellen an und bestätigt Überlegungen für den Fall eines neuen Lockdowns.

Unna

, 17.08.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Geschlossene Läden und Lokale, abgesagte Veranstaltungen und ein Kontaktverbot für Treffen in der Öffentlichkeit: Der Unnaer Krisenstab-Leiter Uwe Hasche ist davon überzeugt, dass diese Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie vor einigen Monaten gewirkt haben. Umso besorgter äußert er sich jetzt über steigende Fallzahlen. „Wir sind auf dem Weg, alles zu verspielen, was wir in der Zeit des Lockdowns und danach geschafft haben“, warnt der Gesundheitsdezernent im Unnaer Kreishaus.

Der 50-Jährige vergleicht die heutigen Zahlen mit denen vor einigen Wochen. „Im Mai hatten wir weniger als durchschnittlich zwei Neuinfektionen am Tag“, sagt Hasche. Inzwischen ist der tägliche Zuwachs zweistellig; Vorige Woche stand der Kreis Unna bei den Neuinfektionen auf Platz 6 in Deutschland. Die sogenannte 7-Tages-Inzidenz lag bei 27 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner.

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Überlegungen für den Fall eines regionalen Lockdowns

„Jetzt sind die Entwicklungen teilweise schon so wie im März, April; aber da hatten wir ja ab Mitte März den Lockdown“, schildert Hasche. Wenn die Fallzahlen weiter steigen, drohen ab einer 7-Tages-Inzidenz von 50 Neuinfektionen neue Maßnahmen. „Wir überlegen, was passieren muss, wenn die Zahl weiter ansteigt“, sagt Hasche. „Das würde für den Kreis Unna bedeuten, dass ähnlich wie neulich im Kreis Gütersloh ein regionaler Lockdown kommen müsste. Ob und in welcher Form, muss zum Glück konkret noch nicht diskutiert werden, aber darüber wird in der Kreisverwaltung schon nachgedacht.“

Urlaubsrückkehrer haben nur wenig Anteil an Neuinfektionen

Krisenstab-Leiter Uwe Hasche.

Krisenstab-Leiter Uwe Hasche. © Kreis Unna

„Ansteckungen gibt es auch bei Treffen unter freiem Himmel, wo dicht an dicht gefeiert, gegrölt und gesungen wird.“
Uwe Hasche

Doch wie ist es zu erklären, dass der Kreis Unna relativ viele Neuinfektionen hat? Auffällig ist, dass nur etwa ein Fünftel der derzeitigen Infizierten Urlaubsrückkehrer sind. Der Zuwachs lässt sich also nicht allein auf das Ende der Reisesaison schieben. „Wir betrachten die Entwicklung mit Sorge“, sagt Hasche. „Wir haben kein exorbitant großes Ausbruchsgeschehen mit einem lokalen Cluster, sondern die Neuinfektionen verteilen sich über das gesamte Kreisgebiet.“ Bei vielen Einzelfällen gebe es Hinweise darauf, dass sich die Menschen bei Familienfeiern oder gemeinschaftlichen Freizeitaktivitäten angesteckt haben. Darunter sind auch „Treffen unter freiem Himmel, wo dicht an dicht gefeiert, gegrölt und gesungen wird“. Dazu kommt ein Ausbruch im Pflegeheim „Am Solebad“ in Werne und im Umfeld des Fußballclubs SuS Oberaden. „Meine Sorge ist, dass sich das Virus verbreitet, weil die Menschen nachlässig werden, weil sie den Abstand nicht einhalten, die Hygieneregeln nicht ernst nehmen und die Alltagsmaske nicht tragen.“

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Kontaktpersonen von Infizierten werden zweimal getestet

Mit Stand vom vorigen Freitag sind nachweislich aktuell 176 Menschen infiziert. Das Kreisgesundheitsamt betreibt bei neuen Fällen „mit Hochdruck die Kontaktpersonenermittlung“, so Hasche. „Jeder Einzelne wird konsequent nach Vorgaben des RKI zweimal getestet, bei Bekanntwerden und dann nach fünf bis 7 Tagen“ im Bereich der Inkubationszeit. So habe man die Chance, „Infizierte rauszufischen“.

Kreisgesundheitsamt an der Platanenallee in Unna: Durch diese Tür müssen alle Kontaktpersonen von Infizierten gehen, die zum Coronatest bestellt werden. Ein Nachteil: Der Zugang ist nicht barrierefrei, und Ankommende müssen draußen warten, weil es keinen Empfangsbereich gibt.

Kreisgesundheitsamt an der Platanenallee in Unna: Durch diese Tür müssen alle Kontaktpersonen von Infizierten gehen, die zum Coronatest bestellt werden. Ein Nachteil: Der Zugang ist nicht barrierefrei, und Ankommende müssen draußen warten, weil es keinen Empfangsbereich gibt. © Anna Gemünd

Neue Corona-Teststelle in der Kreissporthalle

Steigende Fallzahlen veranlassen das Kreisgesundheitsamt nun, die hauseigene Corona-Teststelle in Unna auszulagern und zu vergrößern. „Kontaktpersonen der Kategorie 1 werden hier nach der Benachrichtigung durch uns getestet, vereinzelt auch Personen, bei denen eine Aufnahme oder Wiederaufnahme in stationäre Pflege ansteht“, erklärt Hasche. Diese Teststelle wird ab September in die alte Kreissporthalle an der Platanenallee verlagert, wo mehr Platz zur Verfügung steht. „Wir müssen uns anders aufstellen auch mit Blick auf die kältere Jahreszeit“, so Hasche. Die Teststelle wird anders als die jetzige im Behördenhaus einen Wartebereich haben und Raum bieten, um im Bedarfsfall eine zweite Testlinie aufzuziehen. Hasche bedauerte, dass die Handballer des Königsborner SV durch die Auswahl der Kreissporthalle ihre Spielstätte verlieren.

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Containerpavillon für den Standort Lünen

Ob die Teststelle für einen größeren Personenkreis geöffnet und wer dort Termine bekommen wird, bleibt noch offen. „Organisatorische Details liegen noch nicht vor“, so Hasche. Das Kreisgesundheitsamt hatte lediglich am Anfang der Pandemie in Unna und Lünen öffentliche Teststellen betrieben, wo nach Anruf Testtermine erhältlich waren; solange bis die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) am Katharinen-Hospital in Unna sowie in Lünen und Schwerte eigene Diagnosezentren einrichtete. Zwischenzeitlichen haben die Kassenärzte ihre Teststellen wieder geschlossen zugunsten einer dezentralen Diagnostik in den Praxen. Dorthin sollen sich alle wenden, die einen Corona-Verdacht bei sich hegen.

Das Kreisgesundheitsamt will die eigenen Testkapazitäten nicht nur in Unna, sondern auch in Lünen ausbauen. „Da geht es baulich nicht anders, als dass wir mit Containern am Standort des Gesundheitsamt Lünen arbeiten. Noch testen wir Kontaktpersonen im Gebäude, das werden wir in die Container verlagern. Der Nordkreis wird dann von Lünen aus bedient“, so Hasche.

Corona-Hotline des Kreises Unna: 0800/10 20 205 (Mo. bis Fr., 8 bis 12 Uhr)
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