Eisbahn-Chef traurig über Absage der Kamener Winterwelt

dzCorona und Weihnachtsmärkte

Viele Weihnachtsmärkte stehen auf der Kippe oder sind abgesagt. Auch die „Kamener Winterwelt“ mit ihrer Eisbahn fällt aus. Betreiber Thomas Hein nennt den Knackpunkt – und warnt vor dem Tod der Eventbranche.

Kamen

, 30.08.2020, 13:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Absage der Kamener Winterwelt kommt nicht unerwartet. Wegen der Corona-Pandemie gab es schon länger erhebliche Zweifel, ob der alternative Weihnachtsmarkt mit Almhütte, Konzertbühne und Eisbahn auf dem Marktplatz durchführbar ist. Nun hat Stadtmarketing-Chefin Ingelore Peppmeier das Aus verkündet.

Die Begründung für die Absage, die am Freitag bekannt gegeben wurde, ist aus Sicht von Thomas Hein, Chef des Eisbahn-Betreibers Interevent aus Dorsten, nachvollziehbar. „Wir verstehen die Entscheidung und tragen sie voll mit, weil wir Pandemie haben“, sagte der Geschäftsführer am Sonntag. „Wir sind traurig, dass die Kamener Winterwelt nicht stattfindet.“

Eissport unter freiem Himmel erlaubt

Stadtmarketing-Chefin Peppmeier nennt in der Mitteilung zwei Punkte für die Absage: die „unsichere tägliche Faktenlage mit erneut steigenden Infektionszahlen“ sowie die „aktuellen Corona-Schutzbestimmungen“.

Dabei wäre der Betrieb der Eisbahn unter den derzeitigen Regeln nicht verboten. „Sport unter freiem Himmel ist erlaubt“, sagt Hein. „Der Knackpunkt ist der Platz zum Umziehen.“ Schlittschuhe werden an die Eisläufer in einem Zelt ausgegeben. Sie setzen sich dann auf Bänke im Zelt und schnallen sich die Kufen unter. Dort kann es bei Andrang schon mal eng werden. „Das hätte man so umbauen müssen, dass die Leute sich draußen die Schlittschuhe anziehen“, erklärt Hein. Das sei aber in Kamen auch aus Platzgründen nicht sinnvoll.

Thomas Hein, Geschäftsführer des Eisbahn-Betreibers Interevent.

Thomas Hein, Geschäftsführer des Eisbahn-Betreibers Interevent. © Stefan Milk

„Wenn die Eventbranche den Bach runtergeht, wird es keine Stadtfeste mehr geben.“
Thomas Hein

Die Möglichkeit, nur die Eisbahn aufzubauen, haben die Veranstalter verworfen. Ohne Almhütte und die anderen Elemente des Winterwelt-Dorfs, mit abgespecktem Rahmenprogramm, fehlt es dem Besuchermagnet an Zugkraft. Den Sponsoren stellt sich die Frage, ob Eisläufer und Eisstockschützen in Pandemie-Zeiten überhaupt zahlreich kommen würden. Und wer möchte in der Almhütte an der Theke mit Maske bei 1,5 Meter Mindestabstand einen Glühwein bestellen? Ungewiss ist auch, ob das derzeit bis 31. Oktober geltende Verbot von Großveranstaltungen verlängert wird.

Von 35 Eisbahnen bleiben fünf übrig

Für die Betreiberfirma Interevent reiht sich die Absage der „Kamener Winterwelt“ ein in die vielen Hiobsbotschaften des verkorksten Veranstaltungsjahrs. „Von den 35 Eisbahnen, die wir sonst aufbauen, sind nur noch fünf übrig: Kiel, Wolfsburg, Offenburg, Gelsenkirchen und Elmshorn“, sagt Hein. „Und das sind solche ohne Weihnachtsmarkt drumherum. Sie stehen für sich und wir haben ein Hygienekonzept aufgestellt.“

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Das gebeutelte Unternehmen schrieb seine letzte Rechnung im März, wie Hein sagt, und alle elf Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit. Der Chef sieht die Eventbranche „den Bach runtergehen“, wenn die Politik keine weiteren Finanzhilfen gewährt. Dafür kämpfen Hein und seine Mitarbeiter gemeinsam mit weiteren Vertretern der Veranstaltungsbranche nun bei regelmäßigen Demonstrationen vor dem Landtag in Düsseldorf.

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