Es war ein harter Kampf bis zu diesem Punkt. Während der Bauarbeiten ging vieles schief, die Auswirkungen der Sabotage sind noch zu spüren. Trotzdem sollen bald Kinderstimmen erklingen.

Holzwickede

, 10.09.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Wir wollten eigentlich schon fertig sein.“ Es ist ein Satz, der die Bauarbeiten an der Kita Sonnenschein im Emscherpark gut zusammenfasst. Theodor Rieke, Aufsichtsratsvorsitzender der Unnaer Kreis- Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS), schüttelt den Kopf. Stattdessen mehrten sich die Verzögerungen. Eine Übergabe Mitte September ist nicht mehr realistisch.

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Die Stromanschlüsse kamen zu spät, Fenster wurden zerstört, Unbekannte kletterten aufs Dach und hinterließen ihren Müll. Zuletzt sabotierte jemand nach erfolgter Druckabnahme die Wasserleitungen mit der Folge, dass ein Kitaraum unter Wasser stand. Die Auswirkungen sind noch immer zu spüren, die Maschinen zur Trocknung laufen auf Hochtouren.

Viele Schäden durch Vandalismus

Es sind Faktoren, die die Kosten für die entstehende Kita in die Höhe treiben. Bei den anfänglich angedachten 2 Millionen ist man nicht mehr. 35.000 Euro für die Bauüberwachung sind nebst verursachter Schäden bereits angefallen. Das summiert sich. „Die Bauüberwachung war wahnsinnig teuer“, sagt Architekt Simon Könemann.

Es wird ein grünes Paradies für Kinder sein.
Theodor Rieke, Ukbs

Derzeit wird rund um die Kita ein Zaun in den Boden eingelassen. Der war nicht geplant, ist aber notwendig. Die Kita ist ungeschützt, liegt schlecht einsehbar im Park. Der Vandalismus, den die UKBS schon während der Bauzeit ertragen musste, mahnt zur Vorsicht. „Wir schaffen das trotzdem“, sagt Rieke. „Aber wir müssen weiteren Manipulationen vorbeugen.“

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So sieht die Kita Sonnenschein im Emscherpark aus

Mitte Oktober sollen die Kinder in ihre neue Kita im Emscherpark ziehen. Die Bauarbeiten sind noch im vollen Gange, trotzdem kann man schon erkennen, wie es später aussehen wird. Besonders ärgerlich: Sabotage und Vandalismus sorgten für viele Rückschläge.
10.09.2020
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Es ist noch einiges zu tun in der Kita. Vor allem im Außenbereich. Die versprochene Dachbegrünung ist derweil schon gepflanzt.© Lisa Dröttboom
Vandalismus, Verzögerungen, Sabotage ... Die Bauarbeiten gerieten immer wieder ins Stocken. Zuletzt wurde eine Wasserleitung beschädigt und einer der Gruppenräume unter Wasser gesetzt. Die Trocknungsarbeiten laufen immer noch.© Lisa Dröttboom
Eine Rutsche im Treppenhaus gehört zu den Highlights der neuen Kita.© Lisa Dröttboom
Der Mehrzweckraum ist mit einem besonderen Boden ausgestattet. Hier dürfen die Kinder später spielen und toben.© Lisa Dröttboom
Nicht nur die Toiletten sind für Kinder gemacht, auch die Waschbecken gibt es in drei Höhen.© Lisa Dröttboom
Matthias Fischer, Geschäftsleiter der UKBS, zeigt den Schutz an der Tür: Er soll verhindern, dass sich die Kinder versehentlich ihre Finger klemmen.© Lisa Dröttboom
Architekt Simon Könemann zeigt: Selbst die Fenster sind kinderfreundlich und laden die Kinder zum Verweilen ein.© Lisa Dröttboom
Daniel Frieling und Michaela Temmen von der Awo schauen auf das Außengeländer der Kita. Das wird Mitte Oktober noch nicht fertig sein.© Lisa Dröttboom
Ein stabiles Drahtnetz im Flur bietet den Kindern einen einmaligen Blick ins Erdgeschoss. Die Lärmschutzdecke sorgt für eine angenehme Akustik.© Lisa Dröttboom
Auch für heiße Sommer ist vorgesorgt, wie Daniel Frieling von der Awo erklärt. Der kleine "Pool" soll Abhilfe an heißen Tagen schaffen.© Lisa Dröttboom
Eine kleine Toilette zum Üben findet sich im Obergeschoss. Michaela Temmen von der Awo zeigt, wie klein die Toilette für einen Erwachsenen ist.© Lisa Dröttboom
Die Wirtschaftsküche ist schon in der Entstehung. Hier haben Kinder nichts zu suchen.© Lisa Dröttboom
Hier entsteht ein neues Highlight der Kita Sonnenschein, das bislang nur in Ansätzen zu sehen ist. Die Bobbycar-Bahn soll über das gesamte Außengelände gehen.© Lisa Dröttboom

Um sechs Wochen zurückgeworfen

Wenn es fertig ist, so hofft er, dass das Haus ein „Schmuckstück“ sein wird, dass sich in das Grün des Parkes wunderbar einbettet. „Es wird ein grünes Paradies für Kinder sein.“ Dass die Aufwertung des Kita-Umfeld noch nicht begonnen hat, ist nur ein weiteres Sandkorn im Auge der UKBS.

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Zu sehen ist davon noch nicht viel. Der Gruppenraum neben dem Eingang war größtenteils fertig, als er durch die beschädigte Wasserleitung geflutet wurde. Jetzt ziert ein Labyrinth aus Röhren den Fußboden. Die Fliesen im Sanitärraum mussten zerstört werden, um den Boden wieder trocknen zu können.

„Das war nicht so einfach, weil unter dem Boden auch eine Fußbodenheizung liegt“, erklärt Architekt Simon Könemann. Rund sechs Wochen Verzögerung hat die Flutung verursacht. Deswegen werden die Kinder für diesen Gruppenraum auch erst später einziehen können.

„Die Wände müssen neu gespachtelt, tapeziert und gestrichen werden. Die Fliesen nach der Trocknung neu verlegt“, ärgert sich Könemann. „Das war eigentlich schon fertig.“

Rutschen neben den Treppen

Vier Gruppen sollen später im Gebäude untergebracht werden, zwei im Erdgeschoss, zwei im Obergeschoss. Die Gruppenräume mit Sanitäranlagen, Garderobe und Nebenraum befinden sich jeweils in den Ecken. Unten gibt es außerdem noch die Wirtschaftsküche, den Speisesaal und das Treppenhaus, oben an der gleichen Stelle einen Mehrzweckraum mit spezieller Bodenbeschichtung, damit die Kinder toben können.

Es mag lange gedauert haben, den Standort zu realisieren, aber es sich gelohnt.
Michaela Temmen, Awo-Fachbereichsleiterin

Neben der Treppe ins Obergeschoss ist eine Wellenrutsche für die Kinder installiert. Da fehlt derzeit noch die Polsterung an der Wand. Ursprünglich sollte auch eine Rutsche vom Balkon in den Garten führen, die war aus sicherheitstechnischen Gründen jedoch nicht möglich. „Die Feuerwehr müsste über diesen Weg auch das Gebäude im Fall der Fälle betreten können.“ Könemann schmunzelt: „Bei einer Rutsche eher schwierig.“

Versprechen mit grünem Dach gehalten

Die Kita ist hell, das Licht kommt von allen Seiten. Oberlichter in den Gruppenräumen sorgen für zusätzliches Licht, hinzu kommen große Fenster - auch auf Kinderhöhe. Die Farbe an den Wänden ist hochwertig, damit Schmutz unproblematischer abgewischt werden kann.

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Was passiert mit der Kita in Opherdicke

  • Wie es mit der Kita Sonnenblume in Opherdicke - in der derzeit die Ü3-Kinder untergebracht sind - weitergeht, ist noch unklar.
  • Die UKBS hatte Interesse an dem Gebäude bekundet, will nun jedoch abwarten, bis die Kinder in die Kita Sonnenschein umgezogen sind.
  • Dann wolle man für Verhandlungen an die Gemeinde herantreten.
  • Die UKBS hätte Interesse, auf dem Grundstück der ehemaligen Kita Räumlichkeiten für betreutes Wohnen entstehen zu lassen.

Schallschutzdecken sorgen selbst im möbellosen Zustand für eine angenehme Akustik. Auch die zum Spatenstich versprochene Dachbegrünung ist bereits installiert, „ganz wie versprochen“, sagt Theodor Rieke von der UKBS. „Ob schon alles grün ist, kann ich noch nicht versprechen, aber es ist schon alles auf dem Dach.“ Spätestens mit dem nächsten Frühjahr sollte es dann auf dem Dach der Kita Sonnenschein blühen und grünen.

Für heiße Sommer ist auch schon vorgesorgt. Die Kinder haben einen kleinen Pool im Obergeschoss, der an heißen Tagen Linderung bringen soll. „Niemand leidet mehr unter der Hitze als U3-Kinder“, sagt Daniel Frieling, Abteilungsleiter der Kindertagesbetreuung der Awo.

Übergabe im Oktober ohne Außengelände

Mitte Oktober soll das Gebäude an die Awo übergeben werden. Bis erste Kinderstimmen zu hören sind, soll es dann nicht mehr lange dauern. „Es mag lange gedauert haben, den Standort zu realisieren, aber es sich gelohnt“, freut sich Awo-Fachbereichsleiterin Michaela Temmen.

Die Kinder sollen im Oktober in drei Schritten in die Kita einziehen. Zuletzt die Kinder, deren Gruppenraum derzeit noch trocknen muss. „Wir sind froh, wenn wir aus drei Standorten wieder einen machen können.“

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Das Spielgelände wird dann noch nicht fertig sein. Bevor sie dort arbeiten können, müssen die Arbeiter erst auf das Ende der Vogelschutzzeit warten. Die endet mit dem September. Dann dürfen sich die Kinder aber mitunter auf eine Bobbycar-Bahn freuen, die über das ganze Außengelände führt.

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