Hendrik Sangel, Vater einer Dreijährigen, die die Kita Sonnenschein besucht, bemängelt, dass das Gesundheitsamt des Kreises Unna für die Beendigung der Quarantäne der Kinder den Nachweis über ein negatives Testergebnis angeordnet hat. © Marcel Drawe
Kita Sonnenschein

Quarantäne für Kita-Kinder: Zurück geht es nur mit negativem Test

Drei Gruppen einer Holzwickeder Kita sind in Quarantäne. Ein Vater kritisiert das Gesundheitsamt: Wiederkommen dürfen Kinder nur nach einem negativen Test. Dabei gäbe es Spielraum, meint er.

In der Awo-Kita Sonnenschein könnte es ab Mitte dieser Woche wieder mehr Kindergeschrei geben als in den vergangenen zwei Wochen. Dort waren drei von vier Gruppen in Quarantäne geschickt worden, nachdem ein Test auf das Coronavirus positiv ausgefallen war.

Die zweiwöchige Quarantäne ist nun am Mittwoch vorbei. Doch damit dürfen die Kinder nicht automatisch wieder zurück in den Kindergarten. Vorher steht ein weiterer Corona-Test für sie an.

Sehr zum Unmut eines Vaters, der sich an unsere Redaktion gewandt hat. Denn für die Familien bedeute diese Regelung mittlerweile einen erheblichen Aufwand. Kinder, die jünger sind als sechs Jahre, würden nicht überall getestet werden. Für sie komme außerdem nur ein Lollitest in Frage.

»Vor dem Hintergrund, dass ich mich als Ungeimpfter bei der Einreise aus einem Hochinzidenzgebiet nach fünf Tagen freitesten lassen kann, frage ich mich doch, wo hier die Verhältnismäßigkeit bleibt.«

Hendrik Sangel

Er habe nicht jede Teststelle in Holzwickede angefragt, räumt Hendrik Sangel ein. Doch er wisse, dass der Kinderarzt nicht auf Corona teste und auch am Flughafen in Dortmund kein Lollitest angeboten werde. Fündig geworden sei er letztlich durch einen Artikel in der Zeitung, der ihn auf die Ring-Apotheke in Unna stieß.

Hendrik Sangel kann die Regelung für Kita-Kinder nicht nachvollziehen: „Vor dem Hintergrund, dass ich mich als Ungeimpfter bei der Einreise aus einem Hochinzidenzgebiet nach fünf Tagen freitesten lassen kann, frage ich mich doch, wo hier die Verhältnismäßigkeit bleibt.“

Für Kinder unter zwölf Jahren gilt die Quarantäne in diesem Fall nach fünf Tagen als beendet. Ein sogenanntes Freitesten ist im Falle der Kita-Kinder nicht möglich, teilt der Kreis Unna auf Nachfrage mit.

Sangel: Gesundheitsamt hätte auf Abschlusstestung verzichten können

Seine Kritik richtet Hendrik Sangel an das Gesundheitsamt des Kreises Unna, das die Quarantäne für die drei Gruppen der Kita Sonnenschein verhängt und auch die Regelung zur Aufhebung der Quarantäne bestimmt hat. Seiner Meinung nach hat das Gesundheitsamt einen Spielraum, wenn es um die Tests geht.

In der Corona-Test-und-Quarantäneverordnung heißt es unter Paragraf 17, der die Quarantäne für Kontaktpersonen regelt, die nicht im gleichen Haushalt wohnen: „Die örtlichen Ordnungs- und Gesundheitsbehörden können einen vorsorglichen PCR- oder Corona-Schnelltest zu Beginn und vor Beendigung der Quarantäne anordnen. Das Testergebnis ist dem Gesundheitsamt mitzuteilen.“ Hendrik Sangel: „Ich lese das so, dass es im Ermessen des Gesundheitsamtes liegt.“

Um zur Kita zurückzukehren, reicht ein negatives Ergebnis eines Corona-Schnelltests aus.
Um zur Kita zurückzukehren, reicht ein negatives Ergebnis eines Corona-Schnelltests aus. © dpa (Symbolfoto) © dpa (Symbolfoto)

Der Kreis Unna verweist auf Nachfrage, ob das Prozedere dem Standard entspricht oder es Möglichkeiten gibt, auf einen Test zu verzichten, auf eben diese Verordnung. Allerdings auf die Paragrafen 13 bis 15. In diesen Paragrafen ist geregelt, wie sich Personen verhalten müssen, bei denen ein positiver Corona-Test vorliegt oder die auf ein PCR-Testergebnis warten.

Alle Kinder müssen am Mittwoch erneut auf Corona getestet werden

Am 24. August waren die Kinder bereits einmal auf das Coronavirus getestet worden. „Zu den auf unserer Internetseite dargestellten Ergebnissen haben wir vom Gesundheitsamt keine gegenteiligen Informationen erhalten, ansonsten hätten wir eine sog. Folgemeldung veröffentlicht“, heißt es von der Awo Ruhr-Lippe-Ems.

Bedeutet: Nachrichten über positive Ergebnisse aus dieser Testung haben die Awo bis Dienstagmittag nicht erreicht. Auch Hendrik Sangel ist nicht bekannt, dass bei dieser Testung ein Ergebnis positiv ausgefallen sei.

Doch den Vater stört nicht nur, dass seine Tochter noch einen Corona-Test machen muss. Auch das Prozedere ist aus seiner Sicht verbesserungswürdig. So würden nun am Mittwoch alle Eltern mit ihren Kindern einzeln zu einer Corona-Teststelle gehen. Anschließend müssten alle das Ergebnis per E-Mail an das Gesundheitsamt schicken. Und erst wenn dieses entscheidet, dass die Quarantäne beendet ist, dürften die Kinder zurück in die Einrichtung.

Tochter geht wohl erst am Donnerstag zurück in die Kita

Die Awo äußerte sich auf Nachfrage am Dienstagnachmittag nicht dazu, wie das Vorgehen konkret aussehen wird. „Die Eltern erhalten von uns dementsprechend einen präzisen Ablauf, was zu tun ist, damit die Kinder nach Quarantäneende beziehungsweise Freitestung wieder in die Kita gehen können“, hieß es dazu.

Hendrik Sangel erklärte am Dienstag, dass er davon ausgeht, dass seine Tochter, sofern sie negativ getestet wird, am Donnerstag zurück in die Kita gehen kann. Die Quarantäne sei zwar zum 1. September, 0 Uhr, beendet, heiße es in einem Bescheid des Gesundheitsamtes. Das gelte dann aber wohl rückwirkend, nachdem die Bestätigung über das negative Testergebnis vorliegt, interpretiert Hendrik Sangel das Schreiben.

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