Die Kleinschwimmhalle ist geschlossen, das Nichtschwimmerbecken in der Schönen Flöte defekt. Die DLRG sorgt sich um die Holzwickeder Jugend. Zwei Jahrgänge lernen kein Schwimmen.

Holzwickede

, 22.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die DLRG-Ortsgruppe Holzwickede macht sich Sorgen. Bauarbeiten an der Kleinschwimmhalle, ein defektes Nichtschwimmerbecken in der Schönen Flöte und Corona machen es ihnen unmöglich, den jüngeren Holzwickedern das Schwimmen beizubringen. Die Suche nach Alternativlösungen gestaltet sich schwierig.

„Seit einem Jahr können wir quasi kein Training für die Jüngeren durchführen“, sagt Kim Wollny, Pressesprecherin der Ortsgruppe. Im Sommer 2019 sollte die Kleinschwimmhalle renoviert werden, die Bauarbeiten verzögerten sich jedoch. „Wir konnten erst im Januar wieder in die Halle und nach zwei Monaten kam dann bereits der Lockdown.“

Normales Becken zu kalt für Kinder

Danach folgte eine lange Zeit der Verunsicherung und des Ausharrens. An Schwimmtraining war nicht zu denken. „Wir haben Alternativangebote versucht, die jedoch nur schleppend liefen. Die Leute schicken ihre Kinder vor allem zum Schwimmen zu uns“, erzählt Wollny.

Die Holzwickeder Ortsgruppe des DLRG hofft darauf, das Kleinschwimmbecken ab Herbst wieder benutzen zu können. Die Gespräche dafür sollen bald stattfinden.

Die Holzwickeder Ortsgruppe des DLRG hofft darauf, das Kleinschwimmbecken ab Herbst wieder benutzen zu können. Die Gespräche dafür sollen bald stattfinden. © Yvonne Schütze-Fürst

Mit den ersten Lockerungen begann der Verein, nach Alternativen zu suchen. Die Freude, im Freibad schwimmen zu können, wurde durch den Riss im Nichtschwimmer-Becken jäh gedämpft. „Es ist das einzige geheizte Becken“, sagt Wollny. Somit auch das einzige Becken, das für ein Training mit den Fünf- oder Sechsjährigen überhaupt in Frage gekommen wäre. „Das normale Becken ist viel zu kalt.“

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Mit den Jugendlichen ab 15 Jahren habe man sich geeinigt, ab einer Wassertemperatur von 20 Grad zu trainieren. „Aber viele Jugendliche steigen selbst dann nach einer halben Stunde aus dem Wasser, weil ihnen zu kalt wird.“

Ein weiteres Problem am Schwimmbecken der Schönen Flöte: Die Bahn hat eine Länge von 50 Metern. Nach den 16,5 Metern in der Kleinschwimmhalle will die DLRG den Schwimmanfängern diese Strecke nicht zumuten. „Die müssen für ihr Seepferdchen gerade mal 25 Meter schwimmen und dann plötzlich 50 Meter?“ Wollny schüttelt den Kopf. Wetter und andere Badegäste machen es dem Verein zusätzlich schwer. „Ein Schwimmtraining im Sommer draußen ist quasi nicht möglich.“

Sorge vor großem Andrang

Das Hallenbad kann die DLRG derzeit allerdings auch nicht nutzen. Während der Sommerferien ist es eh geschlossen, für die Zeit danach befinde man sich im Gespräch mit der Halle. „Wir hoffen, dass wir im Herbst wieder reindürfen“, sagt Wollny. „Die Schulen haben bislang noch kein Interesse gezeigt. Besonders für die Nichtschwimmer ist das Training in der Halle aber essentiell.“

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Für Kinder sei es extrem wichtig, schwimmen zu lernen. Die Zahl der Ertrinkenden steige, die Zahl der Angebote sinke jedoch. „In Holzwickede hat der Bedarf an Schwimmkursen stark zugenommen.“ Nun befürchtet die DLRG jedoch, dass sich die Anfragen stauen und bis zu dreimal so viele Kinder wie gewöhnlich auf einen Platz hoffen, wenn das Schwimmtraining wieder möglich ist.

Nach der Hiobsbotschaft, dass das Nichtschwimmerbecken in der Schönen Flöte nicht mehr saniert werden kann, liegen alle Hoffnungen der Ortsgruppe derzeit auf der Kleinschwimmhalle und dass sie dort im Herbst möglicherweise wieder trainieren dürfen. Fest steht bereits jetzt, dass die gewohnte Gruppenstärke von teilweise vierzig Kindern dann nicht ausgeschöpft werden kann. „Wir können froh sein, wenn es die Hälfte sein darf.“ Die Situation bringt jedoch ein weiteres Problem mit sich: Die DLRG kommt an seine Grenzen.

Mehr Mitarbeiter gebraucht als vorhanden

„Wir sind nicht nur auf die Hallenkapazitäten angewiesen“, sagt Wollny. Letztendlich hänge alles an den Helfern, die die Schwimmkurse ehrenamtlich anbieten. „Es ist kaum möglich, unsere Kapazitäten zu steigern. Das würde Manpower erfordern, die wir nicht haben, um die gestiegene Zahl an Anfragen zu stemmen.“

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Ehrenamtliche Helfer im Freibad

  • Die Rettungsschwimmer der DLRG-Ortsgruppe helfen im Freibad Schöne Flöte aus.
  • Für gewöhnlich stehen sie am Wochenende am Beckenrand und helfen bei der Aufsicht.
  • Unter Corona sind die Helfer allerdings auch unter der Woche im Einsatz. Die zusätzlichen Regeln erfordern mehr Augen und Ohren.
  • Bislang kommen die Helfer so schon auf 140 Stunden seit der Eröffnung des Freibades in diesem Jahr.

Alternativen gibt es für die DLRG Ortsgruppe nicht viele. „Es gäbe die Möglichkeit, in andere Hallenbäder auszuweichen.“ Allerdings hinge so ein Angebot natürlich von der Fahrbereitschaft der Eltern ab, ihre Kinder auch in anliegende Städte zum Schwimmen zu bringen. Ebenso würde es eine finanzielle Hürde für die DLRG bedeuten, denn anders als in Holzwickede - wo die DLRG im Gegenzug ehrenamtlich in der Schönen Flöte hilft - müsste die Ortsgruppe dann Hallenmiete zahlen.

Appell an Politik für schnelle Entscheidung

„Es hängen gerade viele Hoffnungen an der Kleinschwimmhalle, das ist uns bewusst. Wir fühlen uns hilflos, weil wir so abhängig sind.“ Können sie nicht in die Kleinschwimmhalle, dann würden im schlimmsten Fall zwei Jahrgänge kein Schwimmen lernen. Denn dass das Nichtschwimmerbecken der Schönen Flöte noch im aktuellen Jahr ersetzt wird, daran glaubt die DLRG nicht. „Wir hoffen, dass es schnell gemacht wird.“

Der Appell der Ortsgruppe an die Holzwickeder Politik ist eindeutig: Ein schnell wieder einsatzfähiges Nichtschwimmerbecken im Freibad sei für Erholungssuchende wichtig; für die Ausbildung und das Training schwimmerischer Fähigkeiten der Holzwickeder Kinder sei es unverzichtbar. Auch Stefan Petersmann, Chef der Holzwickeder Wasserversorgung, betonte, wie wichtig das Nichtschwimmerbecken für die Holzwickeder Vereine gewesen ist.

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