Sprechen sich die Fraktionen dafür aus, dann muss die Verwaltung nochmals auf die A40-Planer zugehen, damit ein etwaiger Ersatzbau für die namenlose Brücke nochmals geprüft wird. © Udo Hennes
A40-Ausbau

Für Gemeindeplaner führen bessere Radwege nicht über eine einzelne Brücke

Für den A40-Ausbau wird eine Brücke, die bei Radfahrern und Fußgängern beliebt ist, ersatzlos abgerissen – wenn Politik nicht nochmals interveniert. Holzwickedes Bauleitplaner legt den Fokus indes auf andere Stellen.

Während des Corona-Lockdowns kommt es am Donnerstagabend nur zu einer politischen Sitzung: Der Haupt-, Finanz- und Personalausschuss hat dabei den Charakter einer Ratssitzung. Die Fraktionen bringen dabei wichtige politische Entscheidungen auf den Weg – so soll etwa der Gemeindehaushalt für das laufende Jahr beschlossen werden.

Unter den Punkten auf der Tagesordnung findet sich auch der Antrag der SPD, den Abriss der namenlosen Brücke über die B1 zwischen Rausingen und Eco Port zu prüfen. Für den Ausbau der Bundesstraße zur A40 muss das Bauwerk, offiziell ein Wirtschaftsweg weichen, um für weitere Fahrspuren Platz zu machen. Die SPD beantragt nun, dass die Verwaltung auf die zuständige Planungsgesellschaft des Bundes zugeht, um einen etwaigen Ersatzbau als reine Rad- und Fußgängerverbindung zu prüfen.

„Einen Ersatzbau zum jetzigen Zeitpunkt nochmal zu prüfen, das schadet sicher nicht. Aber wir müssen an Alternativen arbeiten und die haben wir auch.“

Bauleitplaner Ralf Bessinger

„Ganz unrealistisch ist das sicher nicht. Der Stellenwert des Radverkehrs ist schon durch E-Bikes und Pedelecs ein anderer als vor zehn Jahren“, sagt Holzwickedes Bauleitplaner Ralf Bessinger. Aus Sicht der Gemeinde verfolgt er das Projekt seit Jahren. Im Zuge des Planfeststellungsverfahrens habe es zwar einen Einwand gegen den Abriss gegeben, dem wurde dereinst aber nicht stattgegeben.

Brücken-Ersatzbau wäre vom bestehenden Radwegenetz isoliert

Bessinger sieht in der Überführung zwar durchaus einen Mehrwert für Fußgänger und Radfahrer, verweist aus Sicht des Planers aber auf den aktuellen Status des Bauwerks als Wirtschaftsweg. „Weder im Süden noch Norden schließen Radwege an.“ Sollte die Brücke tatsächlich ersetzt werden, müsste sie ins Radwegenetz eingebunden werden.

Da die Brücke im Norden in den Gewerbepark führt, hat Bessinger hier seine Zweifel an der Sinnhaftigkeit. „Die Brücke alleine macht jedenfalls nicht den Unterschied. Man mag durch den Wegfall zunächst Qualitätseinbußen bei der Verbindung haben, aber es entfällt nicht“, sagt Bessinger mit Verweis auf die Überführung Vincenz-Wiederholt-Straße knapp 500 Meter entfernt.

Die Brücke ist Teil der offiziellen Radwegeführung und daher sieht Bessinger den Fokus vor allem für Radfahrer hier. „Holzwickedes Erholungsqualitäten liegen im Süden und Westen der Gemeinde und hier müssen wir am Radwegenetz arbeiten“, sagt Bessinger mit Verweis etwa auf die Schäferkampstraße.

Einzelne Maßnahmen für bessere Radverbindungen miteinander vernetzen

Der Bauleitplaner verweist auf die Pläne des Kreises Unna, einen separaten Radweg parallel zur Landskroner Straße zu bauen, wenn diese saniert wurde. Und er verweist auf die Fortsetzung der Schäferkampstraße im Bereich Wohnpark Emscherquelle. Die Wilma-Gruppe als zuständiger Investor hat sich verpflichtet, den Weg entsprechend zu sanieren und für Fußgänger und Radfahrer auszubauen.

Die Verlängerung der Schäferkampstraße verläuft neben dem Wohnpark Emscherquelle und ist für den regulären Verkehr nicht offen. Im Zuge des neuen Wohngebietes soll die Verbindung gen Emscherquellhof durch den Investor für Radfahrer und Fußgänger saniert und ausgebaut werden. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Pläne und politische Absichten, auch zwischen Vinckestraße und Schäferkampstraße parallel zu den Bahngleisen den Emscherweg zu verlängern und ab der Bahnunterführung auch entlang der Straße bis zum Anschluss an den Wohnpark Emscherquelle eine Verbindung zu schaffen, sind zudem verbrieft. Hier wird es auf Verhandlungen mit dem Landbesitzer ankommen. Der Fachmann sagt aus Erfahrung: „Planung ist zeitaufwendig. Man muss beständig dran bleiben, denn die Interessen von Eigentümern ändern sich mitunter erst im Laufe der Zeit.“

Ralf Bessinger sieht in einem neuen Posten innerhalb der Gemeinde für die Zukunft einen Mehrwert: „Mit der Umsetzung des beschlossenen Klimaschutzkonzeptes werden wir einen Klimaschutzmanager bekommen. Der wird mit seiner Arbeit noch mal auf anderem Wege wirken und kann helfen, unser Radwegenetz nach vorne zu bringen.“

Aus Sicht eines Planers sei eine funktionierende und attraktive Radwegeführung jedenfalls nicht von der namenlosen Brücke über die Noch-B1 und Bald-A40 abhängig. „Einen Ersatzbau zum jetzigen Zeitpunkt nochmal zu prüfen, das schadet sicher nicht. Aber wir müssen an Alternativen arbeiten und die haben wir auch“, sagt Ralf Bessinger.

Über den Autor
Redaktion Holzwickede
Jahrgang 1985, aufgewachsen auf dem Land in Thüringen. Fürs Studium 2007 nach Dortmund gekommen. Schreibt über alles, was in Holzwickede passiert. 17.000 Einwohner mit Dorfcharakter – wie in der alten Heimat. Nicht ganz: Dort würden 17.000 Einwohner locker zur Kreisstadt reichen. Willkommen im Ruhrgebiet.
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Christian Greis
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