Ab 1. März nimmt die Friseurmeisterin Petra Engel in ihrem Holzwickeder Salon an der Allee wieder Schere und Kamm zur Hand und meldet sich aus der Corona-Zwangspause zurück. Ihre Kunden erwartet eine wichtige Veränderung. © Udo Hennes
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Für Corona-Auflagen kaum Platz: Friseurin mietet Nachbar-Laden gleich mit an

In der Krise müssen Unternehmer flexibel sein. Die Holzwickeder Friseurin Petra Engel hat sich für einen Schritt entschieden, der ihre Mitarbeiter ab Montag aus der Kurzarbeit holt.

Für Stefan Kriegler und Daniela Junga waren die vergangenen zehn Wochen ähnlich schwierig wie für ihre Chefin Petra Engel. Die selbstständige Friseurmeisterin hat seit der Ausweitung des Corona-Lockdowns Mitte Dezember keine Einnahmen mehr. Ihre beiden Angestellten sind seitdem in Kurzarbeit.

Beides soll sich am Montag ändern. Aus insgesamt drei Gründen hat sich Engel kurzerhand dafür entschieden, den Geschäftsraum neben ihrem Salon an der Allee, in dem sich bis vor zwei Jahren ein Sonnenstudio befand, zusätzlich zu mieten, ihren Salon damit gewissermaßen zu erweitern.

Wer den Salon Haarstudio Engel betritt, muss sich zu Beginn die Hände desinfizieren. © Udo Hennes © Udo Hennes

Kuriose Begleiterscheinung dieser Maßnahme: Die Kunden bekommen ab 1. März in dem einen Laden die Haare gewaschen und gehen dann mit Handtuch auf dem Kopf wenige Meter an der Straße weiter in den nächsten.

Einer der Gründe für die Erweiterung hängt mit der Größe ihres ursprünglichen Salons zusammen. Dieser hat nämlich rund 50 Quadratmeter. Wenn ab 1. März alle drei Friseure gleichzeitig arbeiten wollten, hätten sich maximal zwei Kunden gleichzeitig im Laden aufhalten dürfen. In Engels Fall wäre die 10-Quadratmeter-Regel ein regelrechter Geschäftskiller gewesen: „Unter diesen Umständen hätte ich gar nicht aufmachen müssen“, sagt die erfahrene Saloninhaberin.

Friseurin will Kunden und Mitarbeitern gerecht werden

Der überschaubaren Größe ihres Ladens steht ein riesiger Termin-Ansturm entgegen, den Engel seit mehreren Wochen erlebt. Bis Mitte März ist sie bereits ausgebucht. Erst für die zweite Märzhälfte hat sie in ihrem Auftragsbuch wieder Termine frei. Sie hat das ehemalige Sonnenstudio also auch deshalb zusätzlich gemietet, weil sie den Kundenandrang abfedern, ihre Kunden nicht im Regen stehen lassen möchte.

Wer sich im Friseursalon von Petra Engel ab 1. März die Haare schneiden lässt, muss sich auf eine kuriose Sache einstellen: Nach dem Haarewaschen in ihrem ursprünglichen Geschäft geht´s zum Schneiden in ein umgebautes Sonnenstudio. © Udo Hennes © Udo Hennes

Denn nicht jeder hat sich in der Corona-Pause selbst die Haare geschnitten, oder sich einen Schnitt auf dem Schwarzmarkt geben lassen. Wer in den vergangenen Wochen seine Haare hat wachsen lassen, bei dem ist das Bedürfnis nach einem Friseurbesuch entsprechend groß.

Der dritte Beweggrund für die Corona-bedingte Salon-Expansion ist nach ihren Angaben, dass sie ihrer unternehmerischen Verantwortung gerecht werden und ihre beiden Angestellten aus der Kurzarbeit holen wollte. Ein Schichtdienst oder andere Lösungen sind aus ihrer Sicht nicht erstrebenswert gewesen.

Einer ungewöhnlichen Idee ihrer Chefin haben die beiden angestellten Friseure Daniela Junga und Stefan Kriegler zu verdanken, dass sie ab Montag aus der Kurzarbeit kommen. © Udo Hennes © Udo Hennes

Stattdessen will sie bereits am Montag, eigentlich der Ruhetag des Salons, voll loslegen – mit mehr Platz, viel Engagement und großer Vorfreude auf ihre Stammkunden.

Über den Autor
Redaktion Unna
1993 in Hagen geboren. Erste journalistische Schritte im Märkischen Sauerland, dann beim Westfälischen Anzeiger in Werne. Spielt in seiner Freizeit gerne Handball und hört Musik.
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Carlo Czichowski
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