Kaum Corona-Infektionen – doch Holzwickede pocht nicht auf eine Extrawurst

dzCoronaschutzverordnung

Während der Corona-Inzidenzwert im Kreis Unna bei rund 70 akuten Infektionen liegt, kommt Holzwickede zuletzt auf rund 29. Dennoch verzichtet die Gemeinde auf erlaubte Ausnahmen von den verschärften Vorschriften.

Holzwickede

, 19.10.2020, 16:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Corona-Risikogebiet musste der Kreis Unna sich vor einigen Tagen ausrufen. Es gilt zudem die Gefährdungslage 2 mit sehr strengen Schutzvorschriften des Landes. Von diesen hätte der Landrat Holzwickede ausnehmen können – tat es aber nicht.

»Wir hätten dann einen Flickenteppich im Flickenteppich.«
Bürgermeisterin Ulrike Drossel

Der für Holzwickede interessante Passus findet sich ganz am Ende der aktuellen Coronaschutzverordnung: Kreise können das Gebiet einzelner Gemeinden von der Feststellung eines Risikogebietes ausdrücklich ausnehmen, „wenn dort gesichert ein signifikant geringeres Infektionsgeschehen unterhalb der jeweiligen Grenzwerte festzustellen ist.“

Ausnahmen bei „signifikant geringerem“ Infektionsgeschehen

Bei fünf akuten Fällen in den vergangenen sieben Tagen, also einem Wert um 29 Infizierten, hochgerechnet auf 100.000 Einwohner, könnte in Holzwickede aktuell ein solches „signifikant geringeres Infektionsgeschehen“ vorliegen.

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Dennoch hat sich der Kreis Unna erst gar nicht mit der Frage beschäftigt, Holzwickede von Vorschriften wie einer Sperrstunde von 23 Uhr bis 6 Uhr, zulässigen Gruppengrößen von zehn Personen in der Öffentlichkeit oder maximal 25 Gästen bei Hochzeiten oder runden Geburtstagen in öffentlichen Sälen auszunehmen.

Es sei einzuräumen, dass momentan besonderes die größeren Städte wie Lünen, Unna und Bergkamen die höchsten Infektionszahlen vermelden. Das Infektionsgeschehen sei aber „sehr dynamisch“, gibt Kreispressesprecher Max Rolke zu bedenken.

Ausnahmeregelung könnte langfristig zum Zuge kommen

Nach Absprache mit dem Landeszentrum für Gesundheit und der Bezirksregierung seien aber in der Tat Ausnahmen für einzelne Kommunen vorstellbar. Es sei nicht auszuschließen, dass der Passus für Holzwickede doch noch greifen wird. Dann nämlich, wenn sich die Tendenzen langfristig erhärten.

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Holzwickedes Bürgermeisterin Ulrike Drossel pflichtet dieser Sicht der Dinge bei. Die Gemeinde wolle aber aktuell nicht aus „interkommunalen Absprachen ausbrechen“, so Drossel gegenüber dieser Redaktion.

Infektionsgeschehen über Gemeindegrenzen hinweg fließend

Man habe immerhin drei Gemeindegrenzen zu Schwerte, Fröndenberg und Unna, das Infektionsgeschehen sei fließend. Die Ausnahmevorschrift in der Coronaschutzverordnung habe die Gemeindeverwaltung zwar gesehen. „Es hat aber keinen Sinn, eigene Regeln in Holzwickede einzuführen“, betonte Drossel, die hinzufügte: „Wir hätten dann einen Flickenteppich im Flickenteppich“.

Offenbar kann der Kreis jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt auch eine weitere Bedingung für die Ausnahmeregelung gar nicht garantieren: Eine Verbreitung des Infektionsgeschehens in Gemeinden, für die Ausnahmen beschlossen werden, müsste dadurch „gerade bei Umsetzung der verschärften Schutzmaßnahmen im restlichen Kreisgebiet“ ausgeschlossen erscheinen.

Anmerkung: Der Artikel ist nach einem Update des Kreises Unna am 19. Oktober aktualisiert worden; bis dahin lag der Inzidenzwert für Holzwickede noch bei 11,7.

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