Eröffnet am 3. August um 10 Uhr mit drei Mitstreitern die neue Markthalle am Fröndenberger Marktplatz: Nicole Kloppert (r.), hier mit Wirtschaftsförderin Janina Schürmann. © Marcel Drawe
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Zwei Bauern und zwei Damen beleben Einzelhandel auf Fröndenbergs Markt

Ein zentraler Leerstand in Fröndenbergs Innenstadt gehört der Vergangenheit an: Mit der „Markthalle“ gibt es ab sofort ein neues Einzelhandelsgeschäft, dessen Sortiment unterschiedlicher nicht sein könnte.

Viele günstige Faktoren kamen zusammen, die letztlich zur Neueröffnung eines Geschäfts am 3. August führten: Mit Hilfe eines Förderprogramms und dank des Unternehmergeistes von zwei Damen und zwei Bauern gibt es in der Fröndenberger Innenstadt künftig ein weiteres attraktives Einzelhandelsangebot.

»Der Eigentümer muss mitspielen und die neuen Mieter müssen zu Fröndenberg passen.«

Wirtschaftsförderin Janina Schürmann

Die „Markthalle“ zieht in das seit Längerem leer stehende Ladenlokal der Metzgerei Rafalcik ein. Dass es dazu kommt, geht nicht ganz unwesentlich auf die städtische Wirtschaftsförderin Janina Schürmann zurück.

Für Schürmann gilt es seit dem vergangenen Dezember, Geld aus einem Förderprogramm des Landes zielgerichtet auszugeben: Im Verfügungsfonds Anmietung sind rund 51.400 Euro für Fröndenberg reserviert.

Existenzgründer zahlen nur 20 Prozent der alten Miete

Das Konzept: Die Stadt mietet mit Hilfe dieses Zuschusses leer stehende Ladenlokale zu einem Zins von 70 Prozent der früheren oder einer Vergleichsmiete an. Die Geschäftsräume werden anschließend noch günstiger an Gewerbetreibende überlassen: Sie zahlen nur 20 Prozent der Ursprungsmiete.

„Der Eigentümer muss mitspielen und die neuen Mieter müssen zu Fröndenberg passen“, nennt Janina Schürmann die beiden wesentlichen Erfolgskriterien des Programms. Bei der Immobilie am Markt 5 erfüllten sich beide recht kurzfristig.

Denn neben dem Okay der Hauseigentümer fanden sich mit Nicole Kloppert und Silke Menze schnell zwei Selbstständige, die ihre Waren bislang daheim in Strickherdicke bzw. Ostbüren vertrieben.

Landwirtschaftliche Produkte wie Hühnereier steuern die Höfe Eckei und Becker-Dahlhoff bei. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

»Wir haben schon länger nach einem Ladenlokal geschaut und uns ein Konzept zurechtgelegt.«

Nicole Kloppert

„Wir haben schon länger nach einem Ladenlokal geschaut und uns ein Konzept zurechtgelegt“, erzählt Nicole Kloppert. Die Wittenerin, die vor sieben Jahren nach Fröndenberg zog, ist mit ihrer „Kräuterbrise“ vom Christkindelmarkt bekannt.

Eier, Kartoffel, Fleisch und Wurst im Angebot

Die diplomierte Kräuterfachfrau bildet mit ihren Salben, Likören, Ölen, aber auch Salzen auf Kräuterbasis nun das zweite Standbein neben „Silkes Blumendeko“: Silke Menze bringt ihre dekorativen Blumengebinde in das Geschäft mit ein.

Insgesamt gibt es jetzt sogar vier Standbeine, weil die beiden Landwirte Wilhelm Ecke und Sebastian Becker aus Ostbüren mit ihren bäuerlichen Produkten das Gesamtsortiment um Lebensmittel bereichern.

Blumendeko von Silke Menze aus Ostbüren vervollständigt das Sortiment. © Marcel Drawe © Marcel Drawe

Eier, Kartoffeln, Fleisch und Wurst gibt es also künftig nicht nur donnerstags, wenn in Fröndenberg Wochenmarkt ist, auf dem Markt zu kaufen. „Es lädt zum Ausprobieren ein“, sagt Janina Schürmann zu dem Förderprogramm.

Und tatsächlich sind jedenfalls Kloppert und Menze an einem langfristigen Engagement interessiert. Die Zuschüsse fließen zwei Jahre. Spätestens zur Halbzeit werde man daher ein Zwischenfazit ziehen und abschätzen müssen, ob man über 2023 hinaus – im wahrsten Sinne des Wortes – am Markt bleibt, so Nicole Kloppert.

Nicole Kloppert wird in dem kleinen integrierten Bistro auch selbstgemachte Limos und Dips anbieten. © Marcel Drawe © Marcel Drawe
Hintergrund

Förderprogramm für ISEK-Gebiet

  • Für die Zuschüsse ist das Fördergebiet des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) ausgewählt worden, das in etwa zwischen Alleestraße, Unionstraße und Winschotener-Straße liegt.
  • Fünf Ladenlokale können laut Janina Schürmann mit dem Geld aus dem Fördertopf angemietet werden. Neben der Markthalle werden auch die neuen Räume der Tafel am Bruayplatz gefördert.
  • Mit einer Existenzgründerin ist die Wirtschaftsförderin aktuell noch in Verhandlungen. Das Programm läuft bis Dezember 2023; gefördert wird maximal zwei Jahre.

An guten Ideen mangelt es nicht. So wird es auch ein kleines Bistro mit Innen- und Außenplätzen geben. Selbst gemachte Limonaden, frisch gebackenes Brot mit Dips und Kuchen aus eigener Herstellung wird man zum Beispiel anbieten.

Kleinunternehmer sollen Ausstellungsfläche bekommen

Weiteren Kleinunternehmern möchte man zudem eine Ecke im großen Ladenlokal freihalten wie jetzt schon dem Holz-Handwerker Bernhard Küster aus Warmen. „Durch Corona sind doch die ganzen Märkte weggefallen“, weist Kloppert auf die Nöte vieler Aussteller von Handarbeiten hin.

Und wenn die Markthalle bei den Kundinnen und Kunden ankommt und man Fuß fasst, werde ganz bestimmt eine erste Aushilfe eingestellt werden müssen, hofft Nicole Kloppert auf eine Erfolgsgeschichte des neuen Geschäfts.

Die Markthalle öffnet dienstags und mittwochs von 10 bis 13 Uhr und von 14.30 bis 18.30 Uhr; donnerstags und freitags von 9 bis 19 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr. Montags ist Ruhetag.

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land

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