Gewaltlos hat ein Patient im Justizvollzugskrankenhaus im Dezember 2020 seinen eigenen Tod herbeigeführt: durch seinen „Freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken“. © Archiv
Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg

Tod im JVK: Verzicht auf Essen und Trinken geschah bei vollem Bewusstsein

Dem Todesfall im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg wohnt eine besondere Tragik inne: Der 67-jährige Patient wollte offenbar sterben – den Ärzten waren aber die Hände gebunden, seinen Tod zu verhindern.

Gewaltlos hat ein Patient im JVK im Dezember 2020 seinen eigenen Tod herbeigeführt: Durch seinen „Freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken“ war es Medizinern nicht möglich, lebenserhaltende Maßnahmen zu ergreifen.

»So lange er Herr seiner Sinne war, durften wir ihn nicht zwangsernähren.«

Peter Wolff, Verwaltungsleiter JVK

Einen Tag nach Bekanntwerden des Todesfalls vom 13. Dezember nahm auch die Leitung des Haftkrankenhauses auf Nachfrage Stellung zu dem eher außergewöhnlichen Vorfall, dem selbst das Etikett Suizid nicht angehaftet werden kann.

Ärztlicher Bericht: Bis zuletzt bei klarem Verstand

Der ärztliche Bericht über die Zeit bis zum Todeseintritt des Mannes, der als Untersuchungshäftling aus dem Aachener Gefängnis nach Fröndenberg überstellt worden war, deutet jedenfalls darauf hin, dass sehr besondere Umstände vorgelegen haben, die etwa eine Zwangsernährung ausschlossen.

Denn nach Feststellungen eines Arztes sei der 67-Jährige, der bereits in Aachen die Nahrungsaufnahme verweigert hatte und am 4. Dezember in das JVK verlegt worden war, bis zuletzt bei klarem Verstand und vollem Bewusstsein gewesen.

„So lange er Herr seiner Sinne war, durften wir ihn nicht zwangsernähren“, sagt Peter Wolff, Verwaltungsleiter des JVK. Tatsächlich unterscheidet die Medizin ganz deutlich zwischen einer Selbsttötung, die durch äußere Gewalteinwirkung oder Vergiftung geschieht, und dem Freiwilligen Verzicht auf Essen und Trinken (FVET).

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin charakterisiert diese bewusste Entscheidung für das eigene Sterben: „FVET bewahrt die körperliche Integrität und erhält die Selbstbestimmung. Das durch FVET herbeigeführte Sterben geschieht nicht abrupt, es reißt nicht aus dem Leben, sondern zieht sich über einen nicht frei bestimmbaren Zeitraum“, heißt es in einem Positionspapier von 2019.

Es verbleibe dem Sterbewilligen über einen längeren Zeitraum auch die Möglichkeit, seinen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit abzubrechen.

Tatsächlich starb der Mann, der unter dem Verdacht des Totschlags stand, rund zehn Tage nach seiner Einlieferung in das JVK.

Palliativmediziner: Natürliche Todesursache

Einer Unterlassung hatten sich nach Prüfung der Staatsanwaltschaft Dortmund die Ärzte im JVK daher auch nicht schuldig gemacht. Laut Palliativmedizin ist vielmehr von einer natürlichen Todesursache auszugehen.

„Bei FVET laufen die normalen physiologischen Vorgänge beim Sterben ab“, schreibt die Fachgesellschaft. An einen vergleichbaren Fall im JVK kann sich Peter Wolff nicht erinnern. „Es ist schon ungewöhnlich, so etwas bis zum Ende durchzustehen.“

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Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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