Eigentlich ein unscheinbares Bauprojekt, so gab es für die neue Radverbindung von der Gesamtschule Fröndenberg nach Frömern und Ostbüren doch viel Kritik. Ist die berechtigt? Wir haben es getestet.

Fröndenberg

, 10.07.2020, 17:25 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bauamtsleiter Martin Kramme hat es bereits getan. Und sein Mitarbeiter Markus Törning auch. So wie wohl etliche Bürgerinnen und Bürger, von denen zwei gestürzt sein sollen. Bei allen war die Neugier größer als die Baustellen-Schilder. Sie sind ihn gefahren: den neuen Radweg „in bewegter Topografie“ - wie der Name des Projekts Unheilvolles vorausahnen lässt.

Zu steil und gefährlich soll er sein, sagen die einen, zu abgeschieden für Schüler am frühen Morgen, sagen andere. Toll füge er sich in die Landschaft ein, sind Befürworter überzeugt. „Wie ständig über etwas schreiben, das wir nicht kennen?“, dachte sich diese Redaktion. Also bin ich auf mein Rad gestiegen und ins hügelige Abenteuer gestartet.

Es gibt kein schlechtes Wetter

Zugegeben: 14 Grad und Regenschauer sind nicht das ideale Wetter für eine Radtour, aber es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung... Mir fallen so einige Phrasen ein, während ich ab Einstieg Gesamtschule bei Nieselregen die ersten Meter strampele. Nun gut. Wer mit dem Rad zur Schule fahren muss, kann auch nicht über Nässe klagen. So fahre ich sicherheitshalber noch angepasster, als mir mit Blick auf die Topografie empfohlen wurde.

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Fröndenbergs Bauamtsleiter sagt selbst, dass er die Strecke nur mit E-Bike schafft, aber vor dem Hintergrund des E-Bike-Trends sei sie auch angelegt und gefördert worden. Mein Fahrrad ohne Motor würde ich als das beste bezeichnen, was das untere Preissegment zu bieten hat. Immerhin 27-Gang-Schaltung. Und damit bin ich wahrscheinlich besser ausgerüstet als die meisten Schülerinnen und Schüler.

Wenn ich wirklich will, können mich meine Beine in rund zwei Stunden über die Halbmarathon-Distanz tragen – mangels Freizeit treibe ich allerdings eher unregelmäßig Sport und in die Pedale trete ich sehr selten. Unterm Strich würde ich meine Kondition auf dem Rad also als durchschnittlich bezeichnen.

Erste Meter wie auf Wolken

Die ersten Meter über den frischen Asphalt fahren sich wie auf Wolken, der Ausblick in die Natur ist klasse, erinnert an Urlaub. Zunächst geht es leicht begab. Offiziell ist der Weg immer noch nicht freigegeben, die Fahrbahn teilweise mit Splitt oder Lehm vom Feld verschmutzt, der in den Kurven nicht nur bei Nässe rutschig werden kann. Mir begegnet allerdings kein Hindernis, das mich an meinem Vorhaben ernsthaft zweifeln lässt. Vereinzelt liegen Absperrungen umgekippt da oder stehen am Wegesrand.

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Andere Radfahrer sind noch nicht auf der Piste. Dafür Nordic Walker, Spaziergänger und eine Dame mit Hund, die mich freundlich anlächelt, während Bello brav sitzt macht, bis die Fremde auf dem Rad vorbeigefahren ist. Beide lächeln. Ich bin fünf, vielleicht sieben Minuten unterwegs: Frauchen und Hund wissen genau, was hinter der nächsten Kurve auf mich wartet: der Aufstieg In den Wächelten.

Wo ist mein Sauerstoffzelt?

Es wird zunehmend steiler. Erst komme ich leicht ins Schwitzen, dann hechele ich regelrecht, mein Lenker beginnt zu schlingern. Ich schalte von einem der schwersten relativ zügig in einen der leichtesten Gänge durch und komme gefühlt kaum noch von der Stelle. Kurz bevor die Steigung ihren Höhepunkt erreicht, können Radfahrer rechts abbiegen und verlassen den Radweg so Richtung Wohngebiet Löhnquelle, nahe des Landgasthofs Hölzer.

Unterwegs gibt es die Möglichkeit, den Radweg Richtung Löhnquelle zu verlassen.

Unterwegs gibt es die Möglichkeit, den Radweg Richtung Löhnquelle zu verlassen. © Hornung

Ich quäle mich weiter bergauf, müsste eigentlich aus dem Sattel steigen, um nicht gleich rückwärts wieder bergab zu rollen und bleibe dann doch mal kurz stehen. Selbstverständlich nur, um ein Paar Fotos zu machen... Wo ist mein Sauerstoffzelt?

Mehr als einmal tief durchatmen

Wer es im Sattel bis zur Straße Hohenheide geschafft hat, darf sich auf die Schulter klopfen, muss wohl mehr als einmal tief durchatmen und hat das Gröbste hinter sich. Der Anstieg war so richtig steil, ging aber auch relativ schnell vorbei. Ich weiß nun eigentlich gar nicht, wie es ab hier weitergeht, folge einer älteren Radwege-Beschilderung auf die Straße In den Telgen, fahre dicht am Gelände des Golfclubs vorbei, bis ich tatsächlich auf die noch laufenden Arbeiten zum zweiten Meilenstein – die West-Ost-Verbindung – stoße.

Zum zweiten Teil des Radwegs gelangt man über bereits bestehende Wege.

Zum zweiten Teil des Radwegs gelangt man über bereits bestehende Wege. © Hornung

Der zweite Abschnitt ist schon asphaltiert und die Arbeiter machen Pause. Also begebe ich mich frohen Mutes auf das Teilstück Richtung Ostbüren, passiere ein kleines Waldstück, in dem der Weg schön breit ausgebaut ist. Ich erreiche den Ortsteil nach kurzem Anstieg, der noch einmal ordentlich Muskelkraft fordert, in wenigen Minuten.

Nun ist bremsen angesagt

Jetzt geht‘s zurück. Dazu kann ich sagen: Wo auf dem Hinweg die Gangschaltung mein bester Freund war, bin ich nun mit meiner Hinterradbremse verheiratet. Eigentlich reicht die gar nicht aus. Nur wenn ich auf dem vorderen Rad ebenfalls leicht bremse, fahre ich so angepasst, dass ich nach dem Abstieg In den Wächelten nicht aus der Kurve fliege. Ein Schild weist dort auf das starke Gefälle hin.

Am Abschnitt In den Wächelten weist ein Schild auf das Gefälle hin.

Am Abschnitt In den Wächelten weist ein Schild auf das Gefälle hin. © Hornung

Mein Fazit: Bis auf „In den Wächelten“ sind die Anstiege und Abstiege zumutbar. Wer sein Fahrrad liebt, kann es auf den paar Metern auch schieben. In Fröndenberg gibt es viele steile Straßen und auf der neuen Radverbindung ist man zumindest ohne zusätzliche Gefahr durch Pkw unterwegs. Die Gefahrenstellen sind bei angepasstem Fahren tagsüber einsehbar.

In der Dunkelheit wird das sehr wahrscheinlich anders aussehen. Wer am Tage fährt, kann auch die schöne Aussicht genießen, die sich von den Anhöhen des Haarstrangs bietet.

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