FFP2-Masken und OP-Masken gehören zu den medizinischen Masken. Seit dem 25. Januar ist das Tragen im ÖPNV sowie in Einzelhandelsgeschäften, Apotheken, Tankstellen, Banken und außerdem auch in Arztpraxen und vergleichbaren medizinischen Einrichtungen Pflicht. © dpa
Coronavirus in Fröndenberg

„Hochriskant“: Ü70-Patient klagt über Hausarzt ohne Maske und schaltet Gesundheitsamt ein

Für „unverantwortlich“ und „hochriskant“ hält ein Fröndenberger den Umgang eines Hausarztes mit seinen Patienten: Angeblich soll er sie ohne Mund-Nase-Abdeckung behandeln. Der Mediziner bestreitet das.

Weil sein Vater mehrfach behandelt worden sein soll, ohne dass dessen Hausarzt dabei eine Gesichtsmaske trug, hat der Sohn des Patienten jetzt das Kreisgesundheitsamt eingeschaltet. Der Arzt ist sich indes keiner Schuld bewusst.

»Für mich ist das nicht nur hochriskant, sondern auch seinen Kunden gegenüber unverschämt und respektlos.«

Sohn eines Patienten

„In Zeiten, in denen wir uns alle massiv einschränken und Abstand halten müssen“, schreibt der Sohn, dessen Name der Redaktion bekannt ist, halte er es „für absolut unverantwortlich“, dass ein Fröndenberger Hausarzt seine Patienten generell ohne Mund-Nase-Schutz behandele.

Arzt weist die Vorwürfe von sich

Sein Vater, der über 70 ist, habe ihm mehrfach davon berichtet, dass zwar alle Patienten und Angestellten in der Praxis einen ordentlichen Mund-Nase-Schutz trügen „und sich zeitgemäß verhalten“, so der Sohn.

Der Chef der Praxis stehe „jedoch über allen Dingen“. Behauptet wird sogar, dass der Mediziner einen Mund-Nase-Schutz „generell ablehnt und alle Patienten ohne jeglichen Schutz behandelt“.

Zum Schutz seines Vaters, der derzeit keine Möglichkeit habe, den Arzt zu wechseln, möchte er dessen Namen nicht in der Zeitung lesen. Der Sohn wird indes umso deutlicher: „Für mich ist das nicht nur hochriskant, sondern auch seinen Kunden gegenüber unverschämt und respektlos!“

»Ich bin kein Maskenverweigerer oder Coronaleugner.«

Arzt zu den Vorwürfen

Konfrontiert mit diesen Vorwürfen weist der niedergelassene Arzt gegenüber unserer Redaktion die Behauptung zurück, er lehne Gesichtsmasken zum Schutz vor dem Coronavirus generell ab. „Ich bin kein Maskenverweigerer oder Coronaleugner“, so der Mediziner.

Sohn schaltet Gesundheitsamt ein

Es sei allenfalls möglich, dass er die Maske in der Praxis kurzzeitig absetze, er führe aber stets eine bei sich, deponiere auch ein zweites Exemplar immer an seinem Schreibtisch. Die Vorhaltungen könne er sich nicht erklären.

Sein Vater gehe seit gut einem Jahr nicht mehr aus dem Haus aus Furcht vor einer Ansteckung mit dem Virus, sagt unterdessen der Sohn. „Er geht sogar nicht mehr einkaufen.“ Daher sei es ihm sehr ernst mit der Sache.

Weil sich die Patienten „offensichtlich nicht ausreichend beschweren, um diese Situation zu ändern“, habe er daher am vergangenen Sonntag per E-Mail das Kreisgesundheitsamt eingeschaltet.

Er bitte darum, Kontakt zu dem Fröndenberger Arzt aufzunehmen, „um das zu hinterfragen und abzustellen“, schreibt der Sohn an Josef Merfels, den Leiter der Behörde, in der E-Mail, die auch an diese Redaktion gesendet worden ist.

Tatsächlich werde das Gesundheitsamt „anlassbezogen“ tätig, falls es Hinweise auf Regelverstöße in Arztpraxen gebe, heißt es auf Nachfrage beim Kreis Unna. Das Kreisgesundheitsamt habe eine Aufsichtspflicht.

Ordnungsamt Fröndenberg schickt Aufforderung

Sollte sich bei eigenen Ermittlungen der Verdacht auf einen Verstoß gegen Corona-Auflagen erhärten, der schlimmstenfalls zur Weiterverbreitung des Virus führen könne, könnten Ärzten Auflagen erteilt werden „bis hin zur Praxisschließung“.

Das Kreisgesundheitsamt hat am 25. Januar das Fröndenberger Ordnungsamt über den Fall informiert, bestätigt Ulrike Linnenkamp, Pressesprecherin der Stadt. Einen Tag später sei ein Schreiben an den Hausarzt verschickt worden. Inhalt: Informationen über die notwendigen Coronaschutzmaßnahmen und eine Aufforderung, sich hieran zu halten.

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land
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