Handwerker statt Corona-Urlauber: Holtheuers Stammgäste kommen zum Arbeiten nach Fröndenberg

dzFerienwohnung auf dem Land

Seit 14 Jahren bietet Christa Holtheuer eine Ferienwohnung auf der Hohenheide an. Nach Start zur Fußball-WM 2006 ist die Übernachtungsmöglichkeit auf dem Land inzwischen zu rund drei Vierteln des Jahres belegt.

Fröndenberg

, 09.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Christa und Ulrich Holtheuer betreiben Landwirtschaft nur noch als Hobby. Das einzige Vieh auf dem Hof hat Federn und bewohnt einen Stall im Garten – mit großzügigem Auslauf auf der Wiese. Die Eier der kerngesunden Hühner, über die ein Hahn mit Schutzinstinkt wacht, gehen weg wie warme Semmel. Ebenso beliebt ist die kleine Ferienwohnung, die Christa Holtheuer seit rund 14 Jahren anbietet. Um Urlaub auf dem Land zu machen, wie es jetzt in Corona-Zeiten besonders beliebt sein soll, kommen allerdings nur die wenigsten Gäste.

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Katze Fritz, die seit kurzem mit auf Hof Holtheuer wohnt, darf eigentlich gar nicht so oft ins Haus. Heute hat sie es sich aber mal auf dem Polster bequem gemacht. Christa und Ulrich sitzen in der gemütlichen Stube und erinnern sich, wie mit der Ferienwohnung in den Räumen direkt nebenan alles begann. Das war im Jahr 2006 – zur Fußball WM. Der damalige Beigeordnete der Stadt Fröndenberg kam aus Dortmund und bat Bürger darum, Ferienwohnungen für Gäste des internationalen Fußballfests anzubieten.

WM-Camp bremste den Start der Ferienwohnung aus

Das Ehepaar hatte gerade Platz im Haus und machte sich an die Arbeit. Weil in Holzwickede wenig später allerdings das WM-Camp errichtet wurde, die Fußballfans dort gemeinsam übernachten und feiern konnten, außerdem näher am Stadion campierten, kamen so gut wie gar keine Stadionbesucher auf die Hohenheide.

Doch nach und nach erreichten auch die Holtheuers vor allem über das Internet erste Kundschaft. Gerade in der Zeit, bevor es in Fröndenberg die beiden Hotels am Park gab, hat das Rathaus Übernachtungsgäste teilweise auch direkt an die Ferienwohnung vermittelt.

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Ein Großteil sind bis heute Handwerker. Aktuell wohnen Maschinenbauer aus der Slowakei in Fröndenberg. Die Arbeiter fahren hunderte Kilometer, um in Deutschland Geld für ihre Familien in der Heimat zu verdienen. Angst davor, dass fremde Männer, mit denen man sich oft nur schlecht verständigen könne, quasi mit unter einem Dach leben, haben die Vermieter der Ferienwohnung nicht. Schlechte Erfahrungen machen sie mit ihren Gästen, die manchmal über Monate bleiben, kaum. „Die fühlen sich dann schon richtig zuhause“, sagt Christa Holtheuer. Frühstück mit den frischen Eiern vom Hof hat sie früher mal gemacht. Diesen Service bietet sie inzwischen nicht mehr an.

Wer in der Ferienwohnung-Holtheuer übernachtet, wird morgens vom Hahn geweckt. Nur noch Eier werden vom Hof aus verkauft.

Wer in der Ferienwohnung-Holtheuer übernachtet, wird morgens vom Hahn geweckt. Nur noch Eier werden vom Hof aus verkauft. © Udo Hennes

Wenn die Gäste keine Handwerker sind, dann meist Urlauber, die nicht nur die ländliche Umgebung schätzen, sondern auch das Ruhrgebiet erkunden möchten, an dessen Rande sie sich auf der Hohenheide befinden. Dabei staunten viele von außerhalb nicht schlecht, wie schön das Ruhrgebiet sein kann.

Bis zu vier Personen können in der Zwei-Zimmer-Wohnung untergebracht werden. Hin und wieder nächtigen auch Radtouristen vom Ruhrtalradweg auf der Hohenheide. „Die sind schneller hier oben als man denkt“, sagt Christa Holtheuer. Viele hätten jetzt ja auch ein motorisiertes Rad.

„Die Gäste sind hier ganz für sich, können tun und lassen, was sie wollen.“
CHRISTA HOLTHEUER

Garten, Obstbäume, Feld vor der Tür, eine kleine Terrasse, Parkmöglichkeit und viel Ruhe dazu: „Die Gäste sind hier ganz für sich, können tun und lassen, was sie wollen.“ Pro Wohnung und Nacht kostet das 53 Euro. Ab drei Tagen kostet die Wohnung 43 Euro.

Nur eines verlangen die Gäste immer öfter – „und das können wir nicht bieten“, sagt Ulrich Holtheuer: schnelles Internet. Zuletzt war eine Frau aus Köln zu Gast, die ihre Mutter im Seniorenheim besuchte. Die Kölnerin wollte von der Hohenheide aus Home-Office machen. Keine Chance.

Corona-Zwangspause, weil Stammgäste nicht einreisen durften

„Zwei Monate totale Ruhe“, herrschte während der Corona-Pandemie. Handwerker hätten die Gastgeber von der Hohenheide sogar unterbringen dürfen. Aus dem Europäischen Ausland hätten die meisten aber nicht einreisen dürfen.

Vom Corona-Trend zum Heimaturlaub bekommt Christa Holtheuer nicht viel mit. Mit den Handwerkern ist sie aber auch zufrieden. „Wenn Gäste da sind, ist immer was los.“

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