Die Arbeitsgemeinschaft der Stationären Pflegeeinrichtungen im Kreis Unna hat die Petition „Corona: Sicherheit für die Pflegenden nah am Menschen“ gegründet und fordert regelmäßige, flächendeckende und unbürokratische Tests in Pflegeeinrichtungen und -Diensten. © dpa
Coronavirus

Druck auf Laumann wächst: „Was passiert, wenn Urlauber Senioren im Heim anstecken?“

Die kostenlosen Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer brachten das Fass zum Überlaufen: Pflegeheime aus dem Kreis Unna fordern vom NRW-Gesundheitsminister Gleiches ein – zum Schutz der Risikogruppe der Senioren.

Das Unverständnis über ein Messen mit zweierlei Maß ist derzeit bei den Senioreneinrichtungen groß: Mit einer Petition und einem Offenen Brief setzt sich unter anderem das Schmallenbach-Haus in Fröndenberg für regelmäßige Corona-Tests durch den öffentlichen Gesundheitsdienst ein.

Dass ungleich behandelt wird, was gleich zu behandeln ist, empfindet jedenfalls die Arbeitsgemeinschaft der Stationären Pflegeeinrichtungen im Kreis Unna so: Bedienstete in Schulen, Kitas, im Offenen Ganztag und in Großtagepflegen können und – ganz aktuell – Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten im Ausland müssen sich sogar auf das Coronavirus testen lassen – die Kosten dafür übernimmt der Staat. Es fließen also Steuermittel.

Offener Brief an NRW-Gesundheitsminister

Das NRW-Gesundheitsministerium fährt dagegen bisher eine „differenzierte Teststrategie“, wie auf Anfrage dieser Redaktion bereits kürzlich mitgeteilt worden war. Regelmäßige, verpflichtende und kostenfreie Corona-Tests für das Pflegepersonal gibt es generell bisher nicht.

„Regelmäßige, kostenfreie Testungen von allen an der Altenpflege beteiligten Personen und nicht nur dann, wenn Symptome auftreten oder die lokale Gesundheitsbehörde dies anweist, helfen der Pandemie-Eindämmung“, schreibt Hans-Michael Haustein als Sprecher der AG in dem Offenen Brief an Karl-Josef Laumann, der dieser Redaktion am Freitag übermittelt worden ist.

Heinz Fleck, Geschäftsführer des Schmallenbach-Hauses, nimmt diesen Faden auf; sieht gar eine mögliche Infektionskette ausgerechnet zwischen aus dem Urlaub zurückgekehrten Pflegekräften und Heimbewohnern: Der Urlauber könne am Rückreisetag ein negatives Testergebnis vorlegen, aber erst einige Tage später, während der Inkubationszeit, Symptome entwickeln und dann positiv getestet werden. „Was wird wohl passieren, wenn er an diesen Tagen beziehungsweise in der Zwischenzeit bei uns oder in jeder anderen Einrichtung gearbeitet hat?“, fragt Fleck.

Heime setzen derzeit auf die Gewissenhaftigkeit der Mitarbeiter

„Während der Corona-Hochphase haben wir sogar überhaupt keinen Test bekommen.“

Ute Senz, Verwaltungsleiterin im Seniorenheim „Haus Lore“ in Strickherdicke

Ute Senz sieht die Strategie des NRW-Gesundheitsministeriums ebenfalls kritisch. Bisher können sich Mitarbeiter nur bei Symptomen, angeordneten Untersuchungen oder Infektionen im direkten Umfeld kostenfrei testen lassen.„Während der Corona-Hochphase haben wir sogar überhaupt keinen Test bekommen“, so die Verwaltungsleiterin im Seniorenheim „Haus Lore“ in Strickherdicke. Man könne aber kaum auf Pflegekräfte verzichten.

Aktuell setze man auf die Gewissenhaftigkeit der Mitarbeiter, bei leisesten Symptomen dem Heim fern zu bleiben. Das geschehe zwar auch, biete aber keine Gewähr dafür, dass sie symptomfrei das Virus dennoch in sich tragen und daher guten Gewissens zur Arbeit erscheinen.

Regelmäßige Testungen des Pflegepersonals seien daher sinnvoll. „Dafür sollte die Allgemeinheit auch die Kosten tragen“, findet Ute Senz.

Forderung nach flächendeckenden Tests

„Im Hans-Jürgen-Janzen-Haus haben wir auf eigene Kosten bei allen Mitarbeiterinnen, die an Corona erkrankt waren, einen Antikörpertest durchgeführt“, teilt Jeannine Brezina für die Diakonie Ruhr-Mark Pflege und Wohnen auf Anfrage mit. Die Diakonie, die unter anderem das Seniorenheim in Frömern betreibt, „fordert regelmäßige, flächendeckende und unbürokratische Tests in Pflegeeinrichtungen und -Diensten“, so wie es auch eine Petition der Arbeitsgemeinschaft formuliert.

In dem Offenen Brief an den NRW-Gesundheitsminister unterstreicht Hans-Michael Haustein diese Forderung: „Es kann nicht sein, dass in der Lockdown-Phase die Menschen und die Politik unseren Beschäftigten applaudierten; politisch eine Prämie beschlossen wurde und anschließend die gleichen Beschäftigten schlechter gestellt werden, als andere Berufsgruppen.“

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Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land
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