Der Bahnübergang Hilkenohl wird nur durch Andreaskreuze gesichert; es gibt weder eine Blinkanlage noch eine Schranke. Daher muss die Regionalbahn vor der Überfahrt kreuzenden Verkehr mit einem Pfeifsignal warnen. © Archiv/Marcus Land
Unbeschrankte Bahnübergänge in Fröndenberg

„Dieser Zug beschallt das ganze Ruhrtal“: Genervte Anwohner protestieren bei DB

Der hupende Zug nervt noch immer: Anwohner aus Ardey und Frömern legen erneut Protest gegen den Lärm der RB 54 zwischen Unna und Menden ein. Sie schlagen eine Lösung vor, die das Signalhorn überflüssig machen könnte.

Die Regionalbahn 54 überfährt auf dem Stadtgebiet mehrere unbeschrankte Bahnübergänge. Um kreuzende Verkehrsteilnehmer zu warnen, setzt der Lokführer daher ein Signalhorn ein. In der Nachbarschaft sorgt dieser Lärm seit Jahren für Verdruss. Jetzt fordert eine Interessengemeinschaft eine dauerhafte Lösung.

»Man kann da sehr lange den Daumen drauf halten.«

Ingrid Wolfertz über die Intensität des Signalhorns

„Dieser Zug beschallt das ganze Ruhrtal“, sagt Ingrid Wolfertz, die sich vor allem darüber empört, dass alle Bemühungen der Anwohner aus Ardey und Frömern für mehr Ruhe an der Bahnlinie bislang kaum Früchte getragen haben.

Tatsächlich habe sich die Deutsche Bahn zwar des Themas angenommen. Ein Mitarbeiter machte sich in Ardey ein Bild von der Situation, besser gesagt, er hielt sein Ohr in den Wind: Das Pfeifsignal werde tatsächlich viel zu häufig vor den Bahnübergängen eingesetzt, so die fachmännische Beurteilung.

Signalhorn ertönt seltener – aber umso lauter

Die Lokführer, so Wolfertz, seien zwar daher angewiesen worden, nur noch höchstens die erlaubten zwei Mal und nicht bis zu fünf Mal, wie von Anwohnern ebenfalls kritisiert, vor dem Bahnübergang auf die Hupe zu drücken.

Bereits vor zwei Jahren begannen sie Unterschriften gegen das Pfeifsignal der Regionalbahn 54 zu sammeln: die Nachbarn (v. l.) Heidi Steenhuis, Ludwig Steenhuis, Ingrid Wolfertz und Reinhard Schnitzmeier aus Ardey, die wenige Hundert Meter Luftlinie von der Bahnstrecke entfernt wohnen. © Archiv/Marcus Land © Archiv/Marcus Land

Jetzt werde meistens das Signalhorn zwar nur noch zweimal betätigt. „Aber man kann den Daumen sehr lange drauf halten“, beschreibt Wolfertz, die in der Goldbreite wohnt, einen durchdringenden anhaltenden Signalton. „Uns stört es sehr.“

In Ardey und Frömern, den wegen der dortigen schrankenlosen Bahnübergänge am stärksten betroffenen Stadtteilen, haben sich mittlerweile fast 200 Anwohner in der Interessengemeinschaft gegen den Bahnlärm zusammengeschlossen.

Am Bahnübergang Westfeld/Talstraße in Fröndenberg-Ardey hatte ein Mann einer Betrügerin eine fünfstellige Geldsumme übergeben.
Am Bahnübergang Westfeld/Talstraße in Fröndenberg-Ardey hatte ein Mann einer Betrügerin eine fünfstellige Geldsumme übergeben. © Archiv/Marcus Land © Archiv/Marcus Land
Zur Sache

Neue Züge „kreischen“ auf den Schienen

  • Seitdem vor rund zwei Jahren neue Züge von der Regionalbahn 54 eingesetzt werden, fühlen sich Anwohner von „kreischenden“ Geräuschen belästigt.
  • Wie Ingrid Wolfertz erfuhr, schleifen die Räder des neuen Zugmodells praktisch auf den Schienen und erzeugen daher besonders in Kurven den quietschenden Lärm.
  • Von der Deutschen Bahn habe man erfahren, dass bei einem Projekt mit einem Schleifwagen in Herdecke dieser technische Mangel behoben werden soll. Einen Termin für die Umsetzung sei jedoch noch nicht genannt worden.
  • Die Deutsche Bahn meldete sich bislang (Stand 2. März) noch nicht auf eine entsprechende Anfrage dieser Redaktion zurück.

Und man hat sich kundig gemacht. Laut Ingrid Wolfertz könne vor Übergängen, die nicht mit einer Bahnschranke gesichert werden, auch anders als mit einem lauten Signalhorn gewarnt werden.

Bürgermeisterin Sabina Müller eingeschaltet

„Man kann eine rote Lampe am Andreaskreuz befestigen“, so Wolfertz. Am Bahnübergang Hilkenhohl in Ardey beispielsweise machen die Andreaskreuze, so wie es vorgeschrieben ist, ohnehin auf den dortigen Bahnübergang aufmerksam.

»Man kann eine rote Lampe am Andreaskreuz befestigen.«

Ingrid Wolfertz

„Das dauert drei Jahre“, habe sie schon vernommen. Dennoch hat sich die Interessengemeinschaft mit dieser Forderung nun an die Deutsche Bahn gewendet. Auch Bürgermeisterin Sabina Müller habe man eingeschaltet, um dem Begehren Nachdruck zu verleihen.

Ingrid Wolfertz ist nach mehr als zweijährigem Kampf ernüchtert: Die meisten Anwohner fühlten sich um ein Stück Lebensqualität beraubt. Schließlich hätten vor vielen Jahren sie und ihre Nachbarn ganz bewusst nahe dem Ruhrtal gebaut – ohne Aussicht auf laut hupende Züge.

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land
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