Die Sonnenapotheke (hier ein Bild aus dem März) bietet wie verschiedene andere Stellen in Lünen weiterhin Corona-Tests an. © Günther Goldstein
Coronavirus

Unternehmen in Dortmund zu 3G am Arbeitsplatz: „Auch Geimpfte testen“

Künftig gilt die 3G-Regel am Arbeitsplatz. Beschäftigte müssen vor Arbeitsbeginn nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind. So reagieren Dortmunder Unternehmen darauf.

Nicht jeder ist in so einer glücklichen Lage wie Harry Strasburger, der Geschäftsführer des Bauunternehmens Caspar Köchling. „Bei uns sind alle geimpft“, sagt er. Den Impfstatus der 45 Beschäftigten kennt er, weil die angebotenen Impfungen durch einen Betriebsarzt im Frühjahr von allen angenommen wurden.

„Wir haben für dieses Angebot Geld in die Hand genommen, aber das war ein goldrichtiger Schritt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden in einem Aufklärungsgespräch informiert und haben sich dann impfen lassen“, sagt Harry Strasburger. „Ich bin heilfroh“, ergänzt er, „dass wir nun die Diskussion, ob sich nur Ungeimpfte oder nicht auch Geimpfte testen lassen müssen, im Betrieb nicht führen müssen.“

Bei der Buchhandlung Mayersche/Thalia wird unter anderem genau diese Diskussion geführt. Wie kann man die Pflicht zur Vorlage eines tagesaktuellen Testnachweises für Ungeimpfte umsetzen, ohne dass sich Beschäftigte im eigenen Unternehmen diskriminiert fühlen? Die Überlegungen zur Umsetzung der Testpflicht – auch für die Beschäftigten an den Dortmunder Standorten am Westenhellweg/Hansastraße und in der Thier-Galerie – laufen noch. „Wir wissen aber“, sagt Unternehmenssprecherin Julia Benkel, „dass der Großteil der Mitarbeitenden in unseren Buchhandlungen geimpft ist, da in diesem Bereich eine große Sensibilität für das Thema besteht.“

Johanneshospital: Ungeimpfte müssen täglich zum Test

Weil die allermeisten Beschäftigten in seinem Betrieb und auch in der gesamten Branche geimpft seien, sieht Dirk Sindermann, der Obermeister der Dachdecker-Innung Dortmund/Lünen, in der neuen 3G-Regel am Arbeitsplatz auch kein nennenswertes Problem.

„2G ist doch eine trügerische Sicherheit. Es sollten sich auch Geimpfte und Genesene testen lassen. Ich biete das für meine 20 Beschäftigten zweimal pro Woche an“, sagt Dirk Sindermann und ergänzt: „Das Testen finden auch alle gut. Ich bin bei den Selbsttests dabei und mache die Aufsicht. Es ist auch kein Problem, das für Ungeimpfte in meiner Branche täglich zu machen. Dachdeckerbetriebe haben bundesweit durchschnittlich 5,3 Beschäftigte.“

Geklärt ist die Praxis bei der Katholischen St. Paulus-Gesellschaft, zu der unter anderem das Johanneshospital gehört. „Unsere Mitarbeitenden“, so wurde auf Anfrage mitgeteilt, „können sich kostenlos testen lassen: Geimpfte müssen sich einmal pro Woche testen lassen. Wenn sie möchten, können sie sich auch zweimal pro Woche über den Arbeitgeber testen lassen. Ungeimpfte Mitarbeitende müssen sich täglich vor Dienstantritt testen.“

IHK: „Wichtiger Schritt beim Schutz vor weiteren Infektionen“

Grundsätzliche Zustimmung zu dem neuen Infektionsschutzgesetz kommt von der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund. „Vor dem Hintergrund der sich erneut dramatisch verschärfenden Corona-Pandemie sind klare Regeln erforderlich“, sagt Kammerpräsident Heinz-Herbert Dustmann.

Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der IHK zu Dortmund, sagt: „Vor dem Hintergrund der sich erneut dramatisch verschärfenden Corona-Pandemie sind klare Regeln erforderlich.“
Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der IHK zu Dortmund, sagt: „Vor dem Hintergrund der sich erneut dramatisch verschärfenden Corona-Pandemie sind klare Regeln erforderlich.“ © Stephan Schütze © Stephan Schütze

Die IHK zu Dortmund begrüße deshalb die geplante 3G-Regelung am Arbeitsplatz. „Wenn künftig nur noch geimpfte, genesene oder getestete Beschäftigte zur Arbeit in den Betrieb kommen können, ist das ein wichtiger Schritt beim Schutz vor weiteren Infektionen. In vielen Branchen mussten Kunden einen solchen Nachweis schließlich ohnehin bereits angeben – etwa, um eine Gaststätte zu betreten oder eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen“, so Heinz-Herbert Dustmann.

Wichtig sei aber auch, dass die Details geklärt werden. Die Unternehmen müssten wissen, ob Schnelltests ausreichen oder ob es ein Test mit offiziellem Nachweis sein muss. Dies ist in der bisherigen Infektionsschutzverordnung nicht klar formuliert. Auf Anfrage der „Welt“-Redaktion erklärte das Bundesarbeitsministerium dazu, dass die Tests unter Aufsicht stattfinden müssen. Wenn der Arbeitgeber keine Aufsicht für die Tests gewährleiste, reiche ein Selbsttest nicht, um den Betrieb unter 3G-Regeln betreten zu dürfen.

Handwerkskammer: „Auflagen müssen unbürokratisch sein“

IHK-Präsident Dustmann verweist zudem darauf, dass auch der arbeitsrechtliche Umgang mit Arbeitnehmern, die sich dieser Regelung verweigern, noch widerspruchsfrei geklärt werden müsse.

Der Präsident der Handwerkskammer Dortmund, Berthold Schröder, kann keine Hoffnung auf eine Entspannung der Mangelsituation bei den Baustoffen machen. „Das wird vermutlich noch eine Weile so weitergehen“, sagt er.
Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder kann keine Hoffnung auf eine Entspannung der Mangelsituation bei den Baustoffen machen. „Das wird vermutlich noch eine Weile so weitergehen“, sagt er. © (A) Schaper © (A) Schaper

Berthold Schröder, der Präsident der Handwerkskammer Dortmund, betont, dass bei allen nötigen Auflagen darauf geachtet werden müsse, dass sie möglichst unbürokratisch in den Betriebsalltag integriert werden können: „Die Arbeitgeber dürfen nicht die alleinige Last der Pandemiebekämpfung tragen. Daher ist es folgerichtig, dass seit dem letzten Wochenende wieder kostenlose Bürgertests zur Verfügung stehen.“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) unterstützt die Testnachweispflicht für Beschäftigte. „Da es auch andere, kostenfreie Instrumente des Infektionsschutzes gibt – allen voran die Impfung – sind die Beschäftigten aufgerufen, diese Möglichkeit wahrzunehmen“, sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann der „Welt“. Es gelte hier nicht uneingeschränkt die sonst übliche Regelung, dass der Arbeitgeber für die Kosten des Arbeitsschutzes aufkommt.

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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