Thyssenkrupp verschärft den Sparkurs: Stellenstreichungen in Dortmund?

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Statt 6000 will Thyssenkrupp nun 11.000 Stellen im gesamten Konzern streichen. Das ist mehr als jeder zehnte Arbeitsplatz im Unternehmen. Wie besorgt ist die Dortmunder Betriebsratschefin?

Dortmund

, 19.11.2020, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über Jahrzehnte war Thyssenkrupp ein Aushängeschild der deutschen Industrie. Das ist Geschichte, die Überkapazitäten auf dem Weltmarkt und der Nachfrage-Einbruch seitens der Autoindustrie haben den Stahlkonzern erheblich ins Trudeln gebracht.

Während der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag, 19.11., wurde nun klar, dass Deutschlands führender Stahlhersteller noch deutlich mehr sparen will, als bisher gedacht.

„Uns wurde schon vorher in einer E-Mail mitgeteilt, dass konzernweit nicht mehr 6000, sondern 11.000 Stellen abgebaut werden sollen. Das hat natürlich sofort bei unseren 1300 Beschäftigten am Standort Dortmund zur Beunruhigung und der Frage geführt, inwieweit wir betroffen sind“, sagt Kirstin Zeidler, die Dortmunder Betriebsratvorsitzende der Thyssenkrupp Steel Europe AG.

Thyssenkrupp in Dortmund fertigt Karosserieteile

Die beruhigende Nachricht kam dann von Personalvorstand Oliver Burkhard. „Er hat erklärt, dass in Dortmund kein weiterer Stellenabbau geplant ist. Wir haben auch schon rund 100 Beschäftigte in einem Freiwilligenprogramm, das es ihnen ermöglicht, eher aus dem Betrieb ausscheiden und in Rente gehen zu können“, so Kirstin Zeidler.

Die Dortmunder Betriebsratvorsitzende Kirstin Zeidler muss noch bis zum Frühjahr mit einiger Ungewissheit leben. Erst dann soll es bei Thyssenkrupp eine Zukunftslösung für den Stahl geben.

Die Dortmunder Betriebsratsvorsitzende Kirstin Zeidler muss noch bis zum Frühjahr mit einiger Ungewissheit leben. Erst dann soll es bei Thyssenkrupp eine Zukunftslösung für den Stahl geben. © privat

Wie lange die Aussage des Personalvorstands nun Gültigkeit haben wird, vermag Kirstin Zeidler nicht abzuschätzen. Auf der Westfalenhütte werden vor allem feuerbeschichtete und elektrolytisch beschichtete Karosserieteile für die Automobilindustrie produziert.

Viel hängt also davon ab, wie sich die Auto-Branche in der Corona-Krise und danach entwickelt. Thyssenkrupp macht insgesamt 30 Prozent des Umsatzes mit den Autoherstellern.

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„Wie die Probleme bei unserer Stahlsparte gelöst werden sollen, will die Konzernchefin Martina Merz im März entscheiden. Dann soll klar sein, ob es zum Beispiel einen Käufer gibt oder nicht. Bis dahin wird die Unruhe im Unternehmen bleiben“, sagt Betriebsratschefin Kirstin Zeidler.

Ruf nach einem Einstieg des Staates

Thyssenkrupp lotet Kooperationen mit anderen Stahlherstellern in Europa aus, prüft aber auch ein Übernahmeangebot des britischen Konzerns Liberty Steel für seine Stahlsparte. Letzteres kommt für Kirstin Zeidler überhaupt nicht infrage: „Das ist kein seriöses Angebot. Was wir brauchen ist ein Einstieg des Staates für die Umstellung auf eine umweltfreundliche, CO2-neutrale Stahlproduktion.“

Am Standort auf der Westfalenhüttein Dortmund wird vor allem für die Autoindustrie viel Stahl verarbeitet.

Am Standort auf der Westfalenhütte wird vor allem für die Autoindustrie viel Stahl verarbeitet. Der Absatz stockt, der Gesamtkonzern Thyssenkrupp schreibt gerade tiefrote Zahlen. Das Stahlgeschäft steuerte mit einem Verlust von fast 1 Milliarde Euro den größten Teil zum Minus bei. © Schaper

Ähnlich äußerten sich nach der Bilanzpressekonferenz auch die Linken in NRW. „Der Staat muss jetzt einspringen, um industrielle Strukturen in NRW zu erhalten, die Arbeitsplätze zu sichern und einen ökologischen Umbau der Produktion voranzutreiben“, sagte Landessprecher Christian Leye.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) setzt dagegen bisher auf wirtschaftseigene Mechanismen, etwa auf Zusammenschlüsse mit anderen Stahlanbietern.

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