SPD schickt ihren Fraktionschef Schilff ins Rennen ums Bürgermeisteramt

dzÜberraschende Personalie

Paukenschlag in der SPD: Die langjährige Bürgermeisterin Birgit Jörder hat den Einzug in den Rat verpasst. Jetzt gibt es einen neuen Kandidaten für das Amt: Fraktionschef Norbert Schilff.

Dortmund

, 22.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die SPD-Fraktion, bei der Kommunalwahl von zuletzt 35 auf 27 Ratsmandate geschmolzen, ordnet sich neu. Besser gesagt: Die Spitzen des SPD-Unterbezirks ordnen das Personaltableau der Fraktion. Sie haben beschlossen, der bisherige Fraktionschef Norbert Schilff soll nicht länger Frontmann der Ratsfraktion bleiben, sondern bei der konstituierenden Sitzung des neuen Rates am 12. November für ein Bürgermeisteramt kandidieren.

Dazu muss Schilff, beruflich Feuerwehrmann in Diensten der Bahn AG, seinen Führungsposten nach nur einer Wahlperiode verlassen. Seit 1999 mit einem Ratsmandat ausgestattet, war Schilff erst 2014 von der Fraktion als Nachfolger von Ernst Prüsse zum Vorsitzenden gewählt worden.

Schilff selbst zeigte sich nach der Entscheidung der drei Partei-Vize Thomas Westphal, Jens Peick und Volkan Baran sowie Parteichefin Nadja Lüders verblüfft – vermied es auf Anfrage aber, den Vorgang weiter zu kommentieren. Nur so viel: Er freue sich „auf eine interessante Aufgabe“.

"Er wird über Parteigrenzen hinweg respektiert"

SPD-Chefin Lüders erklärt auf Anfrage, Schilff verfüge über „politische Erfahrung, über einen hohen Bekanntheitsgrad und diplomatisches Geschick“. Sie gehe davon aus, Schilff werde sich schnell mit seinem neuen Aufgabenbereich vertraut machen und „die langjährige, erfolgreiche Arbeit von Bürgermeisterin Jörder fortsetzen“.

Die weiteren Parteivorstände waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. „Ich hätte mir gern wieder eine Frau fürs Bürgermeisteramt gewünscht“, sagt Ulla Pulpanek-Seidel, Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF). Norbert Schilff sei aber nun mal „die erste Wahl und ein absolut geeigneter Kandidat“, so Pulpanek-Seidel. „Er kann Menschen mitnehmen und wird auch über Parteigrenzen hinweg respektiert."

Mandatsverlust von Jörder wiegt schwer

Das sind aber nicht die einzigen Gründe: Offenbar sind die Würfel auch deshalb für Schilff gefallen, weil er auf Platz drei der SPD-Kandidatenliste für die Ratswahl stand. Thomas Westphal, Platz eins der Liste, kandidiert fürs OB-Amt. Platz zwei belegte Birgit Jörder, deren unerwarteter Mandatsverlust die Fraktion hart getroffen hat. Offen ist bislang allerdings, ob es künftig zwei oder drei Bürgermeisterposten gibt – und welche Partei bei der Bürgermeisterwahl im November zum Zuge kommt.

Und die Fraktion selbst? Dort ist das Rennen um die Nachfolge von Schilff als Fraktionschef eröffnet. Als mögliche Kandidaten werden Dirk Goosmann (Stadtbezirk Huckarde) gehandelt, Hendrik Berndsen (Stadtbezirk Eving) sowie Torsten Heymann (Mengede) und Roland Spieß (Stadtbezirk Brackel.) Die Wahl soll am Dienstag (29.9.) stattfinden.

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