„Fluch und Segen“: Fahrradhändler kommen mit den Reparaturen nicht nach

dzFahrrad-Boom

Viele Dortmunder holen aktuell ihre Fahrräder aus dem Keller: Das merken auch Fahrrad-Reparatur-Werkstätten. Wer einen Inspektionstermin ergattern will, muss sich auf Wartezeit einstellen.

von Paula Protzen

Dortmund

, 11.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Während anderswo Umsätze einbrechen, können sich Fahrradhändler und -werkstätten in der Corona-Krise vor Anfragen kaum retten. In den Werkstätten kommen sie dem Andrang daher kaum hinterher.

„Ich hab‘ den Laden voll“, meint Thomas Brechtmann, Inhaber von „Rund ums Rad“. Er würde ja wirklich gerne mit der Redaktion sprechen - aber auf seinem Hof seien zu viele Menschen, die auf ihn warten würden.

Spontan das alte Fahrrad fit machen? Das wird eng.

An anderer Stelle sieht die Lage kaum anders aus. „Wir sind so rappelvoll wie noch nie“, erzählt Sarah Breker von der „2 Wheel Garage“. Die nächsten Reparaturtermine könnten sie erst Ende September vergeben.

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„Wir kommen zu nichts anderem mehr, das ist Fluch und Segen zugleich“, erzählt sie lachend. Natürlich seien sie froh, dass die Aufträge da sind - gleichzeitig bleibt ihnen gar keine Zeit, sich um das zweite Standbein zu kümmern: gebrauchte Räder für den Verkauf aufzubereiten.

Ein Mechaniker schafft vier bis fünf Räder am Tag

Vier bis fünf Fahrräder schaffe ihr Chef an einem Tag, je nach Umfang der Reparaturen. Vor kurzem sei er bis halb zwei in der Nacht in der Werkstatt gestanden, um ein wenig den Rückstand aufzuholen. „Das kann ja auch kein Dauerzustand sein“, meint Breker.

Das Dortmunder Fahrradgeschäft setzt darauf, zunächst gebrauchte Teile zu reparieren, bevor neue Teile bestellt werden. „Da merken wir dann aber auf jeden Fall Lieferengpässe. Die meisten Teile kommen nunmal aus Asien, und da stand in den vergangenen Monaten ja mehrmals alles still.“ Gerade sind vor allem Fahrradschläuche knapp, manche Modelle sind erst Ende September wieder verfügbar.

Lieferengpässe verlängern Wartezeiten zusätzlich

Das beobachtet auch Ivonne Volkmann: „Im Mai und Juni gab es Wochen, da haben wir gar nichts bekommen“, berichtet die stellvertretende Filialleiterin der Fahrradhandels-Kette B.O.C. in der Nordstadt.

Bei ihr seien es vor allem Mountainbikes, bei denen der Nachschub knapp werde. Grundsätzlich seien ihre Lager gut gefüllt und die Versorgung gesichert, der eine oder andere spezielle Kundenwunsch könne jedoch womöglich nicht erfüllt werden, so die Fahrradhändlerin.

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Nicht nur der Verkauf brummt, auch die drei bis vier Mitarbeiter in der Werkstatt hätten gut zu tun. Sechs bis acht Räder schaffen sie im Durchschnitt pro Tag. Die nächsten Reparatur-Termine lägen im September.

Für sie hat der Andrang vor allem einen Grund: „Natürlich spielt auch mit rein, dass gerade Saison ist und die Temperaturen dazu einladen. Aber dadurch, dass viele gar nicht verreisen, suchen sie sich als Ersatz Fahrrad-Urlaub in Deutschland. Klar, dass man vorher das Rad noch einmal durchchecken möchte.“

Corona pusht den Umstieg aufs Fahrrad zusätzlich

Im Umgang mit den Lieferschwierigkeiten setzen die einen auf Geduld, die anderen auf Kreativität: Manchmal dengele der Chef etwas Fehlendes selbst zurecht, berichtet Sarah Breker von der „2 Wheels Garage“. „Er ist da sehr erfinderisch.“

Ob der Reparatur-Trend zwangsläufig auf Corona zurückzuführen ist, da will sie sich nicht festlegen. „Wir sind uns nicht sicher, ob wir uns durch Mundpropaganda so gut rumgesprochen haben, oder ob das die Bewertungen bei Google sind. Oder vielleicht doch Corona. Vermutlich ist es eine Mischung aus allem.“

Insgesamt stelle sie einen Umstieg aufs Rad fest: „Wir bekommen das auch mit, wenn wir bei Critical Mass, der Fahrraddemo, mitfahren.“ Das Fahrrad werde für viele eine Alternative zu vollen U-Bahnen - und in der Corona-Zeit umso attraktiver. Auf dem eigenen Zweirad herrscht schließlich keine Maskenpflicht.

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