Torben Müller-Wille ist Genesungsbegleiter in der LWL-Klinik. Dort spielt der Hobbymusiker den Patienten zweimal wöchentlich etwas auf seiner Gitarre vor. © LWL/Breickmann
LWL-Klinik Dortmund

Er litt an Psychosen und arbeitet nun selbst in der Psychiatrie

Torben Müller-Wille (39) kann sich in die Patienten der LWL-Klinik Dortmund gut hineinversetzen. Denn auch er litt an Psychosen, an starkem Verfolgungswahn. Heute arbeitet er in der Klinik.

Vor fünf Jahren noch stand Torben Müller-Wille als Anwalt im Gerichtssaal – heute hat er einen mindestens genauso wichtigen, aber eindeutig ungewöhnlicheren Beruf. Als Genesungsbegleiter hilft er Menschen mit psychotischen Erkrankungen in der Dortmunder LWL-Klinik. Wer diesen Beruf ausüben möchte, hat selbst jedoch keine einfache Vergangenheit hinter sich.

Notwendige Voraussetzungen für die Ausübung der Tätigkeit als Genesungshelfer sind nämlich: Die Menschen müssen selbst psychisch erkrankt sein und offen mit ihrer Erkrankung umgehen, stabil sein und weitgehend symptomfrei leben.

Starker Verfolgungswahn

Nur dann darf man eine einjährige, staatlich anerkannte Ausbildung antreten und im Anschluss den Patienten zur Seite stehen. Gleiches gilt für Torben Müller-Wille: Er selbst litt bereits zweimal in seinem Leben unter Psychosen, besonders stark unter Verfolgungswahn.

In seinem Beruf als Jurist geriet er genau deshalb unter Druck, weil er mit seiner Erkrankung nicht offen umgegangen ist. „Mein Chef, meine Kollegen, meine Freunde und sogar meine Schwiegereltern wussten nichts von meiner Erkrankung. Heute weiß ich, dass mir das nicht gutgetan hat“, schildert Torben Müller-Wille rückblickend.

Genesungsbegleiter: Bindeglied und „Übersetzer“

In der LWL-Klinik hat er seinen Platz im Berufsleben gefunden. Er ist das Bindeglied zwischen den Patienten und psychiatrischen Fachleuten. In dem Team, bestehend aus Pflegern, Psychologen, Ärzten, Therapeuten und Sozialarbeitern ist er ein fester Bestandteil, seine Meinung zählt.

Torben Müller-Wille arbeitet auf der Station H3, wo Patienten behandelt werden, die ebenfalls unter Psychosen und Schizophrenie leiden. Durch die große Empathie vertrauen sich ihm die Patienten manchmal eher an als dem Fachpersonal – er versteht sie.

Die LWL-Klinik in Aplerbeck (Archiv)
Die LWL-Klinik in Aplerbeck (Archiv) © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Bei besonders kniffligen Fällen fungiert er daher ab und zu als „Übersetzer“ – wenn Patienten Erlebnisse nur schwer in Worte fassen können und ihn das Fachpersonal um Hilfe bittet, erklärt Yvonne Auclair, die Pflegedirektorin der Klinik.

Für die Klinik ist Torben Müller-Wille eine Bereicherung. Yvonne Auclair ist überzeugt von dem „Erfolgsmodell“: „Bei uns arbeiten inzwischen fünf Genesungsbegleiter auf unterschiedlichen Stationen, bald schon wird ein sechster Kollege seinen Dienst antreten.“

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