Sechs Wochen lang waren die meisten Geschäfte am Westenhellweg während der beiden Lockdowns geschlossen. Das Bild stammt aus dem März. © Dieter Menne (Archiv)
Facebook-Reaktionen

Debatte zu Lockerungen: „Alles öffnen“ oder „konsumbesessene Gesellschaft“?

Kommt die Normalität zurück? Den Anschein machen die aktuellen Pläne der Bundesregierung. Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich: Einigen geht es nicht schnell genug, anderen zu schnell.

Die Bundesregierung hat zusammen mit den Ländern-Chefs am Mittwochabend (3. März) mitgeteilt, wie Deutschland nach und nach aus dem Corona-Lockdown kommen soll.

In fünf Öffnungsschritten soll je nach Pandemie-Lage und Inzidenz-Wert nach und nach die Normalität zurückkehren. Wenn alles so klappt, wie die Bundesregierung es sich vorstellt, soll es in naher Zukunft schon wieder Außengastronomie und Kinobesuche geben können.

Wir haben unsere Facebook-Community gefragt, was sie von diesen Öffnungsschritten hält.

Konsequenzen werden in Kauf genommen

Für „Andreas Schnitzel Reichelt“ ist der Plan der Bundesregierung „Blödsinn“. Es sollte schneller geöffnet werden: „Alles öffnen und zwar sofort und wieder anfangen normal zu leben.“ Auf sein Kommentar wurde über 50 Mal reagiert, überwiegend mit Likes, aber auch vereinzelt mit dem wütend schauendem Emoji.

„Seid froh, dass wir eine verantwortungsbewusste Regierung haben“, erwidert „Moé Bou“. Gegen eine sofortige Öffnung sprechen für ihn Bilder von Massengräbern, wie es sie in Italien gibt. Die „konsumbesessene Gesellschaft“ sei sich nicht der Gefahr durch Corona bewusst.

„Patrick Nuhn“ fragt „Andreas Schnitzel Reichelt“, was er denn von den möglichen Konsequenzen halte, wenn sofort geöffnet werden würde. Der erläutert, dass er „gut damit leben“ könnte, „wenn es dadurch weniger depressive Menschen, weniger Arbeitslose, weniger häusliche Gewalt und weniger Suizid“ geben würde.

Mutation ist auf dem Vormarsch

„Aufgrund der Infektionszahlen ist das alles Makulatur“, findet „Cornelia Lürssen“. Ähnliche Kommentare finden sich unter dem Facebook-Kommentar immer wieder: „Die Zahlen gehen sowieso nicht runter“ und „die Mutationen sind in ganz Deutschland auf dem Vormarsch“.

„Tina Skulima“ führt diese Sorgen noch weiter aus. Das Konzept erscheint ihr zwar vernünftig, aber „so laufen wir mit Öffnungen in die dritte Welle“. Es werde zu wenig getestet und geimpft. Dafür bräuchte erst ein Konzept, dann könne man weiter öffnen. Auch die von der Bundesregierung angesetzten Inzidenz-Grenzen findet sie zu hoch.

Willkürlichkeit bei Öffnungen

Es gibt aber auch Kritik fernab von sofortigen Öffnungs-Forderungen. „Uwe Blumensaat“ beschreibt den Plan der Bundesregierung als „Flickenteppich“, der von Personen gemacht worden sei, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.

Händler und vor allem Gastronomie seien die Leidtragenden. „Nach vierwöchiger Unterschreitung der willkürlich gesetzten Inzidenz-Rate von 50“ werde ihnen nicht mal erlaubt, die Innenbereiche oder Hotels für Touristen zu öffnen.

„Yasmin Uwe Austermann“ hätte sich gewünscht, dass bei den Öffnungsschritten auch an „die kleinen Ballett-, Gymnastik-, Pilates- und Yogaschulen“ gedacht werde. Sie betreibe selbst ein Studio dafür in Dortmund und habe im vergangenen Jahr „für 3000 Euro ein hochwertiges Luftreinigungsgerät“ einbauen lassen. Bei den Plänen würden immer nur die großen Fitnessstudios genannt werden. Sie findet, dass kleine Studios, die in Hygienemaßnahmen investiert haben, sofort öffnen dürfen sollten.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt