Corona-Warn-App meldet erste Risiko-Begegnung – und nun?

dzSelbstversuch

Wochenlang hat die Corona-Warn-App gemeldet: „Bisher keine Risiko-Begegnung“. Doch plötzlich hat sich etwas auf dem App-Bildschirm verändert. Was ist zu tun?

Dortmund

, 27.07.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ich hatte mich schon von ihr entfremdet. Anfangs habe ich jeden Tag die Corona-Warn-App auf meinem Smartphone aufgerufen, um nachzusehen, ob sich mein Infektionsrisiko verändert hat - Sie erinnern sich sicher, ich hatte an dieser Stelle schon mehrmals von meinen Erfahrungen berichtet. Doch immer hieß es in den vergangenen fünf Wochen, seitdem die App freigeschaltet ist: „Bisher keine Risiko-Begegnung“.

Sehr beruhigend, aber mit der Zeit auch einschläfernd. Bis jetzt. Da habe ich mal wieder genauer draufgeschaut – und bin kurz zusammengezuckt: Neben dem kleinen Virussymbol, in der ersten Zeile der Übersicht, stand auf einmal: „1 Risiko-Begegnung“.

„Huch, wo war das denn?“, schoss es mir durch den Kopf.

Nicht nah oder nicht lange genug

Doch das sagt mir die App nicht. Auch nicht, wann das war, irgendwann in den letzten 14 Tagen. Der Hintergrund auf dem Smartphone ist noch immer grün und mein Infektionsrisiko weiterhin niedrig, sagt die App. Also, was bedeutet das genau für mich?

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Das zumindest erklärt mir die App. Eine Risiko-Begegnung bedeutet in meinem Fall offensichtlich noch kein hohes Ansteckungsrisiko; denn das hängt auch davon ab, wie lange ich einem nachweislich infizierten Menschen wie nahe war. In der Corona-Warn-App heißt es, dass sich meine „Begegnung auf kurze Zeit und einen größeren Abstand beschränkt hat“.

Die App wägt genau das im Hintergrund ab, ob die Begegnung kürzer war als zehn Minuten, oder/und der positiv Getestete mehrere Meter Abstand hatte. In dem Fall besteht laut Robert-Koch-Institut „kein akuter Handlungsbedarf“, und es wird per App nicht in der Signalfarbe Rot gewarnt. Es wird lediglich weiter empfohlen, sich an die allgemein geltenden Abstands- und Hygieneregeln zu halten, um das Ansteckungsrisiko generell zu minimieren.

Vielleicht im Vorbeigehen

Vielleicht war meine Risiko-Begegnung im Vorbeigehen auf dem Westenhellweg oder bei einem Einkauf im Supermarkt vor zwei Wochen; denn die Warn-App meldet nur die Begegnungen der letzten 14 Tage. Wenn ich jeden Tag genau auf den App-Bildschirm geschaut hätte, wüsste ich vermutlich, an welchem Tag es war.

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Da aber der Hintergrund weiterhin grün war, ist mir die Meldung der ersten Risiko-Begegnung gar nicht aufgefallen. Sie muss schon länger dort gestanden haben; denn bei der nächsten Aktualisierung der App war die Meldung plötzlich wieder verschwunden (sogar ehe ich sie abfotografieren konnte, um diesen Text zu bebildern). Jetzt steht dort wieder: „Bisher keine Risiko-Begegnung“. Auch irgendwie beruhigend.

Wachsamkeit ist weiter geboten

Wäre ich dem unbekannten Corona-Infizierten näher gekommen oder hätte länger mit ihm Kontakt gehabt, hätte sich der Bildschirm der App rot gefärbt und mich vor dem erhöhten Risiko gewarnt. Und in dem Fall hätte ich zügig nach Hause gehen und das Gesundheitsamt, meinen Hausarzt oder die Hotline 116117 der Kassenärztlichen Vereinigung kontaktieren sollen. Vermutlich wäre ein Corona-Test angebracht gewesen.

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Im Gegensatz zur Meldung über die erste Risiko-Begegnung wäre mir die Warnung vor einem erhöhten Ansteckungsrisiko sicherlich nicht entgangen. Sie wäre auf meinem Startbildschirm aufgeploppt; denn mein Smartphone gehört nicht zu denen, bei denen bis Mittwoch (22.7.) die automatische Aktualisierung im Hintergrund unterbunden wurde, um Strom zu sparen. Dieses weit verbreitete Problem ist mittlerweile behoben.

Rund 16 Millionen Menschen haben laut Robert-Koch-Institut die Warn-App inzwischen auf ihr Handy heruntergeladen. Ich werde nun wieder aufmerksamer auf die App schauen – auch, wenn der Bildschirm grün bleibt. Denn meine erste Risiko-Begegnung hat mir gezeigt, dass das Virus noch da ist - und weiter Wachsamkeit geboten ist.

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