Frühlingshafte Stimmung am Kanal. Das Wetter wird besser. Können wir 2021 auf einen "Sommer-Effekt" bei der Corona-Pandemie hoffen? © Schütze
Wetter wird besser

Corona-Lage: Kann Dortmund auch 2021 auf einen „Sommereffekt“ hoffen?

Vor einem Jahr waren die Neuinfektionen in Dortmund ganz weit unten. Diskutiert wurde auch ein Einfluss der warmen Jahreszeit. Nun soll das Wetter besser werden. Ist Besserung abermals nah?

Vor einem Jahr waren die Corona-Neuinfektionszahlen in Dortmund auf einem Tiefpunkt, mit einer Inzidenz unter 10 und weniger als 100 gleichzeitig Infizierten in der ganzen Stadt. Damals war auch von einem „Sommereffekt“ die Rede. Könnte der auch in den kommenden Wochen zum Tragen kommen?

Im Raum stand damals eine Verringerung der Ansteckungen in der warmen Jahreszeit. Die Überlegung dahinter, erklärt Dr. Bernhard Schaaf, Facharzt für Infektionskrankheiten am Klinikum: „Je wärmer es ist, umso mehr halten sich die Menschen draußen auf. Und es ist ja bekannt, dass die Infektion mit Coronaviren draußen weniger effektiv ist.“

Ein zweiter möglicher Effekt sei, dass das Virus möglicherweise in warmer Luft an sich weniger gut übertragbar sei. „Wie valide das ist, muss man aber noch zeigen.“

In jedem Fall hieße das nicht, dass man sich draußen im Sommer nicht anstecken könne, betont Dr. Bernhard Schaaf. „Das schafft man auch, wenn man entsprechende Kontakte hat. Aber die Chance ist kleiner als in einem geschlossenen Raum.“

Gesundheitsamt sieht aktuell keinen jahreszeitlich bedingten Rückgang

Lässt sich ein solcher „Sommereffekt“ in Dortmund aktuell beobachten? Das Dortmunder Gesundheitsamt verneint dies auf Anfrage: „Ein jahreszeitlich bedingter Rückgang der Infektionszahlen lässt sich nicht feststellen. Seit Mitte April liegt die 7-Tage-Inzidenz mit einem Wert um 200 auf einem hohem Niveau.“

Auch Dr. Bernhard Schaaf will die aktuelle Entwicklung des Infektionsgeschehens nicht allein einem saisonalen Effekt zuschreiben oder den Einfluss eines solchen isolieren. Schließlich haben die steigende Impfquote und auch die intensiven Infektionsschutzmaßnahmen einen Einfluss auf die Zahl der Neuinfektionen.

Andere Ausgangssituation als 2020

Einen möglichen Einfluss des Verhaltens der Dortmunder und Dortmunderinnen auf die Ansteckungen im Sommer 2020 sieht auch das Gesundheitsamt. In diesem Jahr sei die Ausgangslage jedoch anders.

„Bei der Wildvirus-Variante, die 2020 die Pandemie bestimmte, war die Ausbreitung bei der Einhaltung von Abständen offenbar nicht so gefährlich. Anders wird es voraussichtlich mit der aktuell in Dortmund vorherrschenden Variante B.1.1.7 sein. Hier hat sich bereits gezeigt, dass sich dieses veränderte Virus sehr gut mit Aerosolen ausbreitet.“

Zudem seien die Infektionszahlen durch einen harten Lockdown 2020 auf ein niedrigeres Niveau gefallen. „So konnten die Infektionsketten während der Sommermonate zügig nachverfolgt und das Infektionsgeschehen über einen langen Zeitraum eingedämmt werden.“ Das sei aktuell anders, weil die Infektionszahlen nach der zweiten Welle nicht so stark gesunken seien.

Bis zum Juni ist es nicht mehr lang

Ob es einen „Sommereffekt“ in diesem Jahr gebe, sei abzuwarten, so das Gesundheitsamt. Die Ansteckungsgefahr sei aktuell aber auch im Freien wahrscheinlich höher als 2020.

Grund zur Hoffnung gibt es allerdings wegen einer anderen Sache, wie Dr. Bernhard Schaaf betont: „Die Impfquote wird weiter nach oben gehen.“ Im Juni könnten vielleicht 40 Prozent der Menschen geimpft sein. „Das ist dann schon ein enormer Sockel. Parallel hat man diese einschneidenden Maßnahmen. Ich glaube, wir haben im Juni eine ganz andere Situation als jetzt.“ Und bis zum Juni sei es ja nicht mehr lang.

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Redaktion Dortmund
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Bastian Pietsch
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