Trend-Getränk Gin

Gin-Tasting im Selbstversuch: 36 Kombinationen für einen Abend

Eine Vielzahl von Varianten macht Gin so interessant, auch für Tastings. Wir haben das zuhause getestet, in der klassischen Kombination mit Tonic – hier das Fazit und unsere Tipps.
Mit sechs Sorten Gin und eben so vielen Tonic-Sorten startete das Gin-Tasting daheim. © Janis Büse

Bewertungsbögen für Gins haben selten Platz für mehr als vier Gin-Sorten. Nach unserem Selbstversuch „Gin-Tasting zuhause“ weiß ich auch, warum.

Sechs Sorten Gin in 5-cl-Minifläschen hatten wir für unseren kleinen Test bestellt, dazu eine Auswahl verschiedener Tonics. Nach dem Verkosten von vier Gin-Marken, haben wir die restlichen beiden für einen weiteren Tasting-Abend aufgehoben.

Nicht etwa, weil wir drohten, betrunken vom Stuhl zu kippen – wir haben bewusst nur sehr kleine Mengen verwendet. Die Geschmackswahrnehmung aber war nach dem vierten Gin einfach ausgelastet.

Gin ist ein abendfüllendes Testobjekt

Genau diese Vielfalt an Richtungen und Nuancen machen dieses Getränk zu einem abendfüllenden Testobjekt. Für manche sei das eine Art Hobby geworden, sagt Matthias Hilgering vom gleichnamigen Weinhaus am Westenhellweg. Der Trend halte sich schon lange – und der Lockdown beflügle ihn noch.

Der Blick in die Internet-Angebote bestätigt das. Termine für Online-Gin-Tastings sind in den nächsten Wochen bereits ausgebucht. Bei diesen virtuellen Angeboten erklärt ein Experte in Form eines sogenannten Webinars Wissenswertes über das Getränk und die verschiedenen Varianten.

In normalen Zeiten bietet sich natürlich ein geführtes Gin-Tasting als Event an, wie es auch in Dortmund verschiedene Anbietern organisieren (siehe Info-Kasten). Besonders interessant ist natürlich auch der Besuch in einer Destillerie mit anschließender Verkostung.

So lange aber alle Veranstaltungen auf Eis liegen und Kontaktbeschränkungen gelten, muss das Zwei-Personen-Gin-Set für einen lustigen Abend zuhause reichen.

Pakete mit verschiedenen Gins in Probiergrößen lassen sich im Internet bestellen.
Pakete mit verschiedenen Gins in Probiergrößen lassen sich im Internet bestellen. © Janis Büse © Janis Büse

Fragebögen zum Test gibt es im Netz

Für den Selbst-Versuch bestellten wir ein Probier-Set plus eine Auswahl verschiedener Tonic-Sorten. Gin-Sets gibt es in allen erdenklichen Größen und mit verschiedenem Zubehör. Drei Sorten sollten es schon sein, bei mehr als fünf wird es schwierig.

Einen Fragebogen für den Test findet man ebenfalls im Internet zum Ausdrucken, zum Beispiel bei Gintlemen.com. Neben Gin und Tonic, den Bewertungsbögen und Stift benötigen Gin-Tester noch Degustations-Gläser, etwas Brot zum Neutralisieren und Wasser zum Nachspülen.

Unser Set enthielt sechs Sorten á 50 ml (39,90 Euro), dazu sechs Tonics verschiedener Hersteller in kleinen Glasflaschen. Es gibt auch deutlich größere und teurere Pakete.

Das Tonic-Water sollte mit Bedacht ausgewählt werden, denn es macht einen großen Unterschied.
Das Tonic-Water sollte mit Bedacht ausgewählt werden, denn es macht einen großen Unterschied. © dpa © dpa

Beim Tasting kann der Gin pur oder gemischt mit Tonic probiert werden. Zu den Puristen sagt Spirituosen-Experte Matthias Hilgering: „90 Prozent trinken Gin mit Tonic, wenn sie ihn nur pur verkosten, hilft ihnen das nicht. Dann sind sie immer noch nicht schlauer.“

Es gibt keine Regeln

Wir haben deshalb einmal genippt, um den Gin pur zu schmecken und seinen Besonderheiten zu erkennen, und ihn dann gemischt mit Tonic probiert. Auf weitere Zusätze wie Eis, Früchte, Minze, Gurke oder Pfeffer haben wir verzichtet.

Verbindliche Regeln gibt es nicht. Es geht darum, den verschiedenen Geschmacksrichtungen und Nuancen nachzuspüren und dabei vielleicht auch seinen Lieblingsgin oder seine Lieblingskombi zu finden.

Probiert wird der Gin bei Zimmertemperatur, dann ist die Vorgehensweise ähnlich wie bei einer Weinverkostung. Zwischen den Runden sollte die Geschmackswahrnehmung mit Wasser und Weißbrot wieder auf Null gesetzt werden.

Gin-Tonic wird aus einem großen, bauchigen Glas getrunken. Pur bietet sich für das Tasting ein Degustations-Glas an.
Gin-Tonic wird aus einem großen, bauchigen Glas getrunken. Pur bietet sich für das Tasting ein Degustations-Glas an. © Susanne Riese © Susanne Riese

So läuft der Test ab:

  • Zunächst wird geschaut und die Optik im Glas beurteilt: Farbe, Schimmer, Schlierenbildung, Struktur beim Schwenken.
  • Beim Nosing kommt die Nase ins Spiel: Der Gin wird geschwenkt und das Aroma erschnuppert.
  • Jetzt wird es spannend: Ein kleiner Schluck Gin wird auf der Zunge getestet. Dabei gilt es neben dem Alkohol die verschiedenen Aromen zu erschmecken. Von bitter bis süß, von fruchtig bis harzig kann alles dabei sein.
  • Nun darf der Gin geschluckt werden und das, was beim Wein Abgang heißt, wird beurteilt, also der Eindruck, der bleibt, wenn der Mund wieder leer ist. Ein feines Nachspiel also, dessen Länge ganz wichtig ist.
  • Die Eindrücke sollten notiert werden. Eine Möglichkeit ist eine Bewertung von 1 (gering) bis 5 (ausgeprägt) für die verschiedenen Aromen. Der Bewertungsbogen von Gintleman unterscheidet Wacholder-, Zitrus- und Kräuternoten, florale und fruchtige Noten sowie Schärfe. Zudem lässt er Platz für Bemerkungen und eine Gesamtnote.

Unsere Erfahrung: Da wir Gin normalerweise nicht pur trinken würden, war uns das Geschmackserlebnis in Kombination mit Tonic wichtig. Dabei waren wir erstaunt, welche Unterschiede allein durch das Tonic entstehen. Mit jeweils sechs Sorten Gin und Tonic ergaben sich 36 Kombinationsmöglichkeiten – zu viel für uns und für einen Abend.

Nicht zu viel ausprobieren, das verwirrt nur

Für den Anfang wäre es sinnvoll, sich auf zwei Tonic-Sorten zu beschränken – eine herbe und eine milde, süßliche Sorte. Die lieblicheren Tonics schmeckten uns zu würzigem, Kräuter- und Wacholder-betontem Gin, herbere, nicht zu bittere Sorten zu floralem oder fruchtigem.

Überblick
  • Weinhaus Hilgering, Westenhellweg 114, Innenstadt
  • Weinhandlung Stendels, Kreuzstraße 8, Kreuzviertel
  • Balke, Hohe Straße 127, Innenstadt
  • Hotel Lennhof, Menglinghauser Straße 20, Barop

Wir haben trotz kleiner Portionen nach vier Varianten aufgegeben. Unser vorläufiger Favorit ist der Botanist aus Schottland, ein sehr vielschichtiger, starker Gin mit 46 Prozent, der lange nachhallt. Uns gefiel der Wumms, der in ihm steckt. Mit seiner Wacholder- und Kräuter-Betonung macht er das aus, was wir uns unter Gin vorstellen, verfeinert es aber gleichzeitig mit einem Hauch Zitrus.

Sozusagen als Mädels-Variante stellen wir den Woodland Pink Gin aus dem Sauerland daneben auf Platz 1, mit nur 38 Prozent Alkohol, süßen Beeren- und Zitrusnoten und einer tollen Farbe. Für uns der perfekte Sommer-Gin.

Lesen Sie jetzt