Verseuchter Boden in der Wasserstadt? Stadt Bergkamen bestreitet das energisch

dzWasserstadt-Baustelle

Auf der Wasserstadt-Baustelle soll verseuchter Boden verwendet werden. Das sagt Werner Engelhardt, der Bürgermeisterkandidat von BergAUF. Die Stadt Bergkamen bestreitet das energisch.

Bergkamen

, 14.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zurzeit rollen fast ununterbrochen Lastwagen auf die Wasserstadt-Baustelle auf der ehemaligen Zeche Haus Aden. Sie bringen den Boden, der notwendig ist, um das Gelände so zu gestalten wie es die Planung vorsieht. An der Hamm-Osterfelder Bahn soll der Boden um bis zu acht Meter angehoben werden, damit der Wasserspiegel des „Adensees“ auf gleicher Höhe wie der im Datteln-Hamm-Kanal liegt.

Damit der Wasserspiegel des künstlichen Sees in der Wasserstadt die gleiche Höhe hat wie im Kanal, muss das Gelände stellenweise um bis zu acht Meter aufgeschüttet werden.

Damit der Wasserspiegel des künstlichen Sees in der Wasserstadt die gleiche Höhe hat wie im Kanal, muss das Gelände stellenweise um bis zu acht Meter aufgeschüttet werden. © Stefan Milk

Engelhardt spricht von Absprache mit der RAG

Unter diesen Bodenmassen, die angeliefert werden, soll auch belastetes Material sein – bis zur Deponieklasse Z2. Das versichert zumindest Werner Engelhardt, Bürgermeisterkandidat und ehemaliger Fraktionsvorsitzender von BergAUF. Nach seinen Angaben soll es eine nicht öffentliche Absprache zwischen der Stadt und der RAG geben, die das erlaubt. Wo die Böden verwendet werden, wisse er nicht.

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Dem widerspricht der Bergkamener Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters jedoch heftig. Es sei zwar üblich, Böden je nach der geplanten Nutzungsart zu verwenden. Bei Parkplätzen werden beispielsweise andere Maßstäbe angelegt als bei Wohngrundstücken. In den Wohnbereichen und dort, wo Spielplätze entstehen sollen, werde nur garantiert unbelasteteter Boden verwendet. Allenfalls im Gewerbebereich entlang der Bahnlinie sei es in Einzelfällen möglich, dass auch Boden der weniger belasteten Klasse Z1 eingebaut werde.

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„Wir wollen doch kein Dorstfeld zwei schaffen“, sagte Peters. In Dortmund-Dorstfeld war eine Wohnsiedlung auf einem ehemaligen, erheblich belasteten Kokerei-Gelände gebaut worden.

Die Bodenanlieferungen werden vom Kreis Unna überwacht und nach Angaben doppelt beprobt: dort wo sie aufgeladen und dort wo sie abgeladen werden.

Die Bodenanlieferungen werden vom Kreis Unna überwacht und nach Angaben doppelt beprobt: dort wo sie aufgeladen und dort wo sie abgeladen werden. © Stefan Milk

Dezernent: „Es kommt kein belasteter Boden von außen“

Der Dezernent bestreitet, dass überhaupt Boden der Deponieklasse Z2 von außen auf das Gelände gebracht wird.

Zuordnung nach Schadstoffen

Strenge Auflagen für die Verwendung von Böden

  • Böden werden je nach ihrer Belastung mit Schadstoffen in sogenannte Zuordnungsklassen (Z) unterteilt.
  • Nur Böden der Klasse Z0 gelten als völlig unbedenklich und dürfen auf Wohngrundstücken, Spielplätzen und Sportanlagen verwendet werden.
  • Böden der Klasse Z1.1 und Z1.2 dürfen nur unter Auflagen an bestimmten Stellen verwendet werden, zum Beispiel in Gewerbegebieten, wenn sie komplett wasserdicht überdeckt sind – zum Beispiel durch eine Asphaltschicht oder Pflasterung auf einem Parkplatz.
  • Die Bodenklasse Z2 ist die höchste, die nicht unbedingt deponiert werden muss. Die Verwendung ist aber an strenge Auflagen geknüpft. Böden dieser Klasse dürfen zum Beispiel in technischen Bauwerken wie Lärmschutzwällen verwendet werden. Sie müssen unter anderem komplett überdeckt sein und einen bestimmten Abstand zum höchsten zu erwartenden Grundwasserspiegel haben.

Das gesamte Verfahren werde von der Bodenschutzstelle des Kreises Unna akribisch überwacht und jede einzelne Anlieferung doppelt beprobt, erklärte er: Einmal bei der Entnahme am Ursprungsort und vor dem Einbau in der Wasserstadt.Es ist aber wohl nicht auszuschließen, dass es auf dem ehemaligen Zechengelände selbst solche belasteten Böden gibt. Sie sollen auf jeden Fall abgegraben und entfernt werden. Ob sie auch abtransportiert und auf eine Deponie gebracht werden, hängt wohl von der Menge und den Kosten ab.

Wenn viel belasteter Boden anfällt, war auch schon davon die Rede ein sogenanntes Umlagerungsbauwerk zu errichten – ein Hügel, in dem der belastete Boden eingeschlossen und durch sauberen überdeckt wird.

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